Negativer Selbsttest ist kein Freifahrtschein

Rastatt/Baden-Baden (for) – Schnelltests, Selbsttests oder doch lieber ein Labornachweis? Wer sich auf das Coronavirus testen lassen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Hier ein Überblick:

Dr. Martin Holzapfel testet eine Frau im Rastatter Corona-Schnelltestzentrum in der Reithalle. Foto: Frank Vetter

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Dr. Martin Holzapfel testet eine Frau im Rastatter Corona-Schnelltestzentrum in der Reithalle. Foto: Frank Vetter

Bei Halskratzen und verschnupfter Nase ist die Sorge in diesen Zeiten bei vielen Menschen groß, dass sich dahinter vielleicht doch nicht nur eine harmlose Erkältung verbirgt. Schließlich können die Symptome bei einer Infektion mit dem Coronavirus ähnlich sein. Corona-Tests sollen für Klarheit sorgen. Mittlerweile gibt es verschiedene Möglichkeiten, um SARS-CoV-2 nachweisen zu können. Doch worin unterscheiden sich die verschiedenen Tests? Und wie zuverlässig sind die jeweiligen Ergebnisse?

PCR-Test als „Goldstandard“

Wie unterscheiden sich PCR-Test, Antigen-Schnelltest und Selbsttest?

Vom Bundesgesundheitsministerium werden PCR-Tests als „Goldstandard“ unter den Corona-Tests bezeichnet. Sie weisen das Erbgut des Coronavirus SARS-CoV-2 nach. Die Probeentnahme erfolgt durch medizinisches Personal, dazu wird ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum genommen, die Auswertung erfolgt durch Labore. PCR-Tests gelten als das präziseste, zugleich aber auch zeitaufwendigste Testverfahren.

Auch PoC-Antigen-Schnelltests können nur durch geschultes Personal durchgeführt werden – dafür wird ähnlich wie beim PCR-Test ein Nasen- oder Rachenabstrich gemacht. Die Auswertung erfolgt im Gegensatz zu den PCR-Test aber direkt vor Ort, deshalb liegt das Ergebnis auch schnell vor. Seit dem 8. März hat jeder Bürger Anspruch auf einen Schnelltest pro Woche.

Selbsttests sind zur Anwendung von Privatpersonen bestimmt und werden im Einzelhandel zum Verkauf angeboten. Jeder Laie kann diese Art von Test selbst zu Hause durchführen. Dafür muss die Probenentnahme und -auswertung aber auch entsprechend einfach sein. Der Test kann etwa mit einem Nasenabstrich oder mit Speichel erfolgen.

Hohe Fehlerquote bei falscher Anwendung

Wie zuverlässig sind die einzelnen Testverfahren?

Studien zeigen, dass Antigen-Schnelltests und Selbsttests prinzipiell weniger zuverlässig sind als PCR-Tests. Dabei sind zwei Werte bedeutend: die Sensitivität und die Spezifität. Die Spezifität gibt an, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten. Die Sensitivität wiederum gibt den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die korrekt ein positives Testergebnis erhalten.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat Mindestanforderungen für Antigen-Tests festgelegt: Die Spezifität muss über 97 Prozent liegen, das heißt mindestens 97 von 100 Gesunden müssen als solche erkannt werden. Die Sensitivität soll größer als 80 sein, das heißt, mindestens 80 von 100 Infizierten muss der Test erkennen. Es kann demnach in einigen Fällen zu falschen Ergebnissen kommen. „Schnell- und Selbsttests haben gegenüber den PCR-Tests eine höhere Fehlerrate. Daher soll nach jedem positiven Schnell- und Selbsttest immer ein PCR-Test zur Bestätigung gemacht werden“, informiert das Bundesgesundheitsministerium. Schnell- und Selbsttests schlagen am besten bei einer hohen Viruslast an. Zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung werde diese möglicherweise nicht entdeckt. Eine Problematik, die bei den Selbsttests noch hinzukommt, ist, dass sie von Laien durchgeführt werden. Bei falscher Anwendung können sie eine hohe Fehlerquote aufweisen.

Welche Tests sind wofür geeignet?

PCR-Tests werden eingesetzt, um etwa bei einer Person mit Symptomen abzuklären, ob eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt oder um einen positiven Schnell- oder Selbsttest zu verifizieren. Antigen-Schnelltests kommen derzeit in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Schulen zum Einsatz. Selbsttest können laut Gesundheitsministerium zusätzliche Sicherheit in konkreten Situationen im Alltag geben – etwa bei einem privaten Besuch oder perspektivisch vor einem Theater- oder Kinobesuch. Aber: Nicht alle Einrichtungen akzeptieren Selbsttest. Das Klinikum Mittelbaden (KMB) etwa akzeptiert nur Schnelltests in Verbindung mit der entsprechenden Bescheinigung von der Apotheke oder dem Hausarzt sowie Schnelltests, die im klinikeigenen Testzentrum durchgeführt wurden. Weil durch unsachgemäßes Testen ein Ergebnis verfälscht werden kann, „können wir uns nicht auf Selbsttests verlassen“, erklärt Pressesprecherin Sybille Müller-Zuber auf BT-Nachfrage. Zudem fehle bei Selbsttests der schriftliche Nachweis.

Für welche Tests besteht eine Meldepflicht?

Positive PCR-Tests sind immer meldepflichtig. Positive Ergebnisse von PoC-Antigen-Schnelltests müssen ebenfalls umgehende an das Gesundheitsamt gemeldet werden, damit direkt mit der Kontaktnachverfolgung begonnen und eine Quarantäne angeordnet werden kann. Parallel dazu muss das positive Ergebnis aber trotzdem noch durch einen PCR-Test bestätigt werden. Im Gegensatz dazu gibt es für Selbsttests keine Meldepflicht. „Wer einen Selbsttest macht, der positiv ausfällt, sollte diesen aber genauso wie bei einem positiven Antigen-Schnelltest durch einen PCR-Test bestätigen lassen und sich vorsichtshalber solange zu Hause in Isolierung begeben, bis das Ergebnis vorliegt“, empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium.

Nicht in falscher Sicherheit wiegen

Wie stehen Experten zu den einzelnen Testverfahren?

In der Rossi-Apotheke in Rastatt, die Antigen-Schnelltests anbietet, sind sich die Verantwortlichen sicher: „Ein PCR-Test ist genauer als ein Antigen-Schnelltest, der wiederum ist aber genauer als ein Selbsttest.“ Dr. Martin Holzapfel, Pandemiebeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, rät, in jedem Fall darauf zu achten, dass die Tests – egal ob Schnelltest oder Selbsttest – zugelassen und zertifiziert sind. Aber selbst bei seriösen Selbsttests sieht er Probleme: „Man muss bedenken, dass ich und meine Kollegen schon seit einiger Zeit Tests durchführen, wir haben einen gewissen Erfahrungswert. Ein Laie, der den Selbsttest zu Hause macht, hat diese Erfahrung nicht.“ Das könne schnell zu einem falschen Ergebnis führen. Hinzukomme die fehlende Meldepflicht: „Wenn jemand zu Hause einen positiven Test in seinen Händen hält, wie geht er damit um? Ich glaube an die Vernunft der Bürger, aber ich bezweifle dennoch, dass wirklich jeder ein positives Ergebnis meldet“, befürchtet Holzapfel.

Heißt das nun, dass Selbsttests gar nichts bringen? Das könne man so nicht sagen, meint Stephan Hartmann von der Rossi-Apotheke. Er habe schon von Fällen gehört, bei denen Selbsttests angeschlagen haben und somit Infektionsketten rechtzeitig unterbrochen werden konnten. Jedoch dürfe eines nicht passieren: Menschen mit einem negativen Selbsttest dürften sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. „Ein negatives Ergebnis ist kein Freifahrtschein, die Corona-Regeln zu missachten“, warnt auch das Robert-Koch-Institut. Die Aussagekraft der Tests sei immer zeitlich begrenzt und eine Infektion nicht ausgeschlossen.


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