Nervende Torlosigkeit

Karlsruhe (ket) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC hat auch im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig kein Tor erzielt. Trainer und Spieler wissen das freilich realistisch einzuschätzen.

„So weit sind wir noch nicht, dass wir sagen können: Das ist ein Punkt zu wenig“: KSC-Torwart Marius Gersbeck über das 0:0 gegen Braunschweig. Foto:  Markus Gilliar/GES

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„So weit sind wir noch nicht, dass wir sagen können: Das ist ein Punkt zu wenig“: KSC-Torwart Marius Gersbeck über das 0:0 gegen Braunschweig. Foto: Markus Gilliar/GES

Daniel Meyer sprach später vom Momentum, das man derzeit auf seiner Seite habe – und er meinte damit zweifelsohne diese Szene in der 89. Spielminute, als eine Elfmeterentscheidung gegen Eintracht Braunschweig, seine Mannschaft, vom Kölner Videokeller zurückgenommen wurde. Ein angebliches Foul von Nico Klaß am Karlsruher Marco Thiede war ursächlich dafür, dass Schiedsrichter Florian Heft ohne Umschweif auf den Punkt gezeigt hatte, eine vermeintliche Abseitsstellung von KSC-Stürmer Philipp Hofmann kurz zuvor dafür, dass Videoassistent Rene Rhode Hefts Elfmeterpfiff revidierte. Beides, Elfmeter wie Abseits, waren zumindest Entscheidungen im Grenzbereich. Beide, Schiri wie Videoassistent, hätten durchaus auch anders entscheiden können.

„Die Dinge liegen oft sehr nahe beieinander“

Es war wohl dieser Umstand, den KSC-Keeper Marius Gersbeck ansprach, als er feststellte, seinem KSC fehle derzeit nicht zuletzt auch ein Quäntchen Glück. Sollte aufs Spiel übersetzt heißen: „Vor ein paar Wochen hätten wir den Elfer noch irgendwie bekommen und das Tor gemacht. Dann gewinnen wir das Ding glücklich mit 1:0, sind zufrieden und alles ist wieder toll.“ Ganz unkommentiert wollte Gersbeck den eigenen Satz nicht stehen lassen. „Die Dinge liegen oft sehr nah beieinander“, fügte er an.

Damit gemeint hat Gersbeck zweifelsohne Sieg und Niederlage – und damit im Kern auch den Fortbestand der Tor- und Sieglosserie der Badener im heimischen Wildpark. Seit vier Spielen ist der KSC zu Hause nun ohne Treffer und somit ohne Dreier. Mit nur einem Hauch Fortune hätte sich das am Sonntag ändern können. Dass es anders kam, ärgert Trainer wie Spieler gleichermaßen. Andererseits sind alle zusammen auch realistisch genug, die Chose richtig einzuschätzen.

So bekrittelte Christian Eichner durchaus korrekt den Mangel an Druck und Drangphasen im Spiel der Seinen. „Wir haben im berühmten letzten Drittel, das für mich immer noch das Königsdrittel ist, wo du Kreativität brauchst, wo du die richtigen Entscheidungen treffen musst, wo der eine wissen muss, was der andere tut, vieles vermissen lassen“, stellte er etwa fest. Das klingt nach ziemlich schonungsloser Fundamentalkritik, wird vom Coach selbst aber sogleich abgefedert und eingeordnet. „Als Trainer muss ich wissen, wo wir herkommen und mich vor die Mannschaft stellen.“


Auch im Training geht es unvermindert zur Sache

Der KSC, das nur zur Erinnerung, kommt aus dem Tabellenkeller, nur um ein Haar und zwei Tore ist er in der Vorsaison dem Abstieg entkommen. Nun hat er bereits neun Spieltage vor Rundenende den Klassenerhalt sicher und rangiert auf Platz fünf. „Natürlich befinden wir uns in einer Phase, in der wir uns etwas schwerer tun, aber wir befinden uns immer noch in einer privilegierten Situation“, stellte Eichner am Sonntag fest. Man könnte auch sagen: Einer Phase extremer Entwicklung folgt gerade eine der Stabilisation. Und überhaupt: Der KSC mag derzeit zwar wenig treffen, aber er kassiert eben auch wenig.

Zumal die Mannschaft ja keineswegs den Eindruck hinterlässt, satt oder auch nur weniger leistungsbereit zu sein. Auch im Training geht es laut Eichner unvermindert zur Sache – und nach wie vor tobt der Konkurrenzkampf. Am Sonntag bescherte das Winterneuzugang Xavier Amaechi den ersten Startelfeinsatz, für Malik Batmaz war es auch erst der zweite. Als „Belohnung“ wollte Eichner das verstanden wissen. Als Trainer müsse man schließlich „alle Jungs bei Laune halten, aber auch alle unter Strom“. Eine nachhaltige Duftmarke konnten zwar beide nicht setzen, ein Versuch war es unter Eichners Gesichtspunkten aber dennoch wert. Mit „in Ordnung“ bewertete er den Auftritt der beiden, den er nach einer Stunde freilich beendete. Die Stammkräfte Marc Lorenz und Benjamin Goller durften danach wieder ran.

Auch sie konnten die Sieglosigkeit nicht mehr aus dem Wildpark vertreiben, die die Protagonisten schon deshalb nervt, weil selbst torlose Unentschieden gegen St. Pauli und Braunschweig bisweilen schon wieder als Misserfolg gewertet werden. In der Gedankenwelt so manchen Fans ist der KSC schon wieder ein Aufstiegskandidat.

„So weit sind wir noch nicht, dass wir sagen können: Das ist ein Punkt zu wenig“, entgegnete Torhüter Gersbeck dieser Art von Blick auf die Dinge. Auch Eichner wehrt sich seit einiger Zeit schon gegen zu schnell wachsende Erwartungen. „Der KSC muss jede Woche elf Spieler auf den Platz bringen, die Normalform haben – und von denen müssen immer mal wieder ein oder zwei herausstechen, um in dieser Liga Spiele zu gewinnen. Ansonsten spielen wir 0:0 oder verlieren durch einen Lucky Punch wie gegen Nürnberg“, erinnerte er am Sonntag.

Das nächste Spiel des KSC findet derweil am Freitag in Paderborn statt. Ein Auswärtsspiel also. Vielleicht ist das ganz gut so.

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Erstellt:
15. März 2021, 17:30 Uhr
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