„Netzlehrer“ aus Bühl hat 27.000 Follower

Bühl (nad) – „Wie lernen wir im 21. Jahrhundert?“ Diese Frage bewegt Bob Blume. Als beliebter „Netzlehrer“ veröffentlicht er im Web seine Ansichten über zeitgemäße Bildung und Homeschooling.

Der „Netzlehrer“: Bob Blume ist eine kleine Internet-Berühmtheit.  Foto: Natalie Dresler

Der „Netzlehrer“: Bob Blume ist eine kleine Internet-Berühmtheit. Foto: Natalie Dresler

Lehrer, Autor, Youtuber und Influencer: Das alles ist Bob Blume, der am Windeck-Gymnasium in Bühl unterrichtet. Mit mehr als 27.000 Followern im sozialen Netzwerk Instagram ist er eine kleine Berühmtheit in Bildungskreisen und teilt auf verschiedenen Plattformen Tipps und persönliche Ansichten zu digitaler Bildung. Bald bringt er sein erstes eigenes Sachbuch heraus.

Von einst 20 Lesern zu über 20.000 Followern: Vor zehn Jahren fing Bob Blume während seines Referendariats damit an, seine Gedanken und Erfahrungen auf seinen Blog zu schreiben – heute ist er eine Internet-Bekanntheit und teilt online Inspirationen und Ideen zu Unterrichtsgestaltung und Lernen im digitalen Wandel. Als „Netzlehrer“ hat er sich auf Twitter, Instagram und Youtube einen Namen gemacht und führt auch seinen eigenen Podcast unter diesem Pseudonym.

Twitter als Türöffner

Der 38-jährige Hagener, der mittlerweile mit seiner Frau und Tochter in Offenburg lebt, unterrichtet seit 2015 die Fächer Deutsch, Englisch und Geschichte am Windeck-Gymnasium in Bühl, leitet dort die Medien-AG und ist seit letztem Jahr auch für den Medienentwicklungsplan der Schule zuständig. Dass er jemals so viel Erfolg mit seinem Blog haben würde und andere mit seinen Beiträgen inspirieren würde, hätte er nicht gedacht, schließlich hatte er „keine Strategie und kein Ziel“, als er 2011 zum ersten Mal etwas online veröffentlichte. Vielmehr war es die Freude am Schreiben, die ihn motivierte. Im BT-Gespräch erzählt er, wie verschiedene Zufälle und Umstände ihn dann plötzlich bekannter werden ließen und ihm so manche Tür öffneten: Bildungsdebatten auf Twitter unter #twitterlehrerzimmer ließen ihn wichtige Kontakte knüpfen, woraufhin er bei verschiedenen Fachbüchern mitwirken konnte, 2020 ein satirisches Buch „Abc des gechillten Lehrers“ veröffentlichte und Gesprächsanfragen von ZDF und der TV-Moderatorin Dunja Hayali bekam. Nebenbei bewirbt er als Instagram-Botschafter für das Kultusministerium den Lehrerberuf.

Wie er das alles unter einen Hut bekommt, das weiß der 38-Jährige selbst nicht so genau, er habe „einfach unglaublich viel Lust dazu“. Sein nächstes Projekt kündigte er kürzlich voller Stolz auf seinen Online-Profilen an: Er wird im nächsten Jahr sein erstes eigenes Sachbuch herausbringen, in dem er schreibt, was er aktuell an Bildung und Schule kritisch sieht und „wie man es besser machen könnte“.

Auf Nachfrage zur Corona-Situation, betont der internetaffine Lehrer, dass die Pandemie und das damit verbundene Homeschooling selbst ihn vor eine „unfassbare Herausforderung“ stellte. „Lernen und Lehren unter den Bedingungen der Digitalität“, über diese Thematik hatte er zuvor stets „gepredigt“, doch die Corona-Realität sah für Lehrer und Schüler anders aus: Plötzlich musste der Unterricht quasi komplett digitalisiert werden, teilweise machte er mit seinen Schülern acht Stunden am Stück „Video-Unterricht“. Das entspreche absolut nicht seinen Vorstellungen von einer modernen und guten Art zu lehren. Blume habe einen „digital erweiterten Unterricht“ im Sinn, der den Schulbesuch mit digitalen Elementen verbindet, aber ihn keineswegs vollständig ersetzen soll. Die Möglichkeiten und Vorgaben in der Pandemiezeit seien keineswegs die Situation, die er sich schon immer für seinen Unterricht gewünscht hat.

„Zwischen innovativ und konservativ“

Das Windeck-Gymnasium hatte seiner Meinung nach keine schlechten Voraussetzungen für die Monate ohne Präsenzunterricht, „nicht perfekt – aber nicht schlecht“. Er betont, dass man mit den zur Verfügung gestandenen Mitteln die herausfordernde Situation gut gemeistert habe und die Lehrer sich „auf die Schulter klopfen können“, zumindest wenn es nach den positiven Rückmeldungen der Eltern gehe.

Und wie muss man sich eine Unterrichtsstunde beim Netzlehrer vorstellen? „Ich bin der Mittelweg zwischen innovativ und konservativ“, antwortet er auf diese Frage. So gibt es bei ihm auch ganz „normale“ Unterrichtsstunden, in denen Bücher gelesen oder Dinge auswendig gelernt werden, aber eben auch moderne Versionen vom klassischen Lehrplan, wie eine Podcast-Montage zur antiken griechischen Tragödie „Antigone“. „Ich versuche immer, das Beste aller Welten zu machen. Ich mache auch total traditionellen Unterricht. Es ist nicht alles eine Laser-Show“, beschreibt er sich und seinen Unterrichtsstil.

Blumes Wunsch ist es, dass es allgemein „mehr um das Lernen und weniger um Zertifizierung“ geht. „Es geht nicht darum, dass wir das Lernen digitalisieren. Die Grundfrage sollte lauten: Wie lernen wir im 21. Jahrhundert?“ Er habe das Gefühl, dass sich die Antworten von Schülern und Lehrern auf diese Frage immer mehr von dem entfernen, was in der Schule Realität ist. „Und dann muss man sich Gedanken machen, wie man das verändert“, betont er.

Seine persönlichen Gedanken und Ansätze zur Veränderung wird er auch weiter online auf den verschiedenen sozialen Netzwerken und seinem Lehrerblog teilen. Jetzt stehen für den Wahloffenburger aber erst einmal Sommerferien, Online-Pause und ein Familienurlaub auf dem Plan.

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
6. August 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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