Neue BT-Serie: 50 Jahre Eingemeindungen nach Rastatt

Rastatt (dm) – Vor 50 Jahren wurde damit begonnen, einst selbstständige Dörfer nach Rastatt einzugemeinden. Eine Erfolgsgeschichte? In einer BT-Serie soll die Frage beantwortet werden.

Ein Prosit auf die Dörfer: Der Most-Trinker vor dem Ottersdorfer Rathaus. Foto: Frank Vetter

© fuv

Ein Prosit auf die Dörfer: Der Most-Trinker vor dem Ottersdorfer Rathaus. Foto: Frank Vetter

Ottersdorf hat zum Jahreswechsel 1971/72 den Anfang gemacht, dann folgten Plittersdorf (1. April) sowie Niederbühl und Rauental (Mai 1971), zuletzt Wintersdorf (Frühjahr 1974): Rund 50 Jahre ist es also her (außer im Fall Wintersdorf), dass die genannten, einst selbstständigen Dörfer nach Rastatt eingemeindet wurden. Ein Grund zum Feiern? Warum nicht, sagen manche; nein, meinen andere. Wie war und ist es um die Entwicklung der Ortsteile bestellt? In einer neuen Serie fragt unsere Zeitung bei den jeweiligen Ortsvorstehern nach und schaut in die aktuellen städtischen Pläne.

Die im Jahr 2017 verabschiedeten Dorfentwicklungspläne haben zuletzt den Grundstein für Vorhaben gelegt, die mittel- bis langfristig realisiert werden sollen. Ein „Schlachtplan“ sozusagen, der sich jedem der fünf Ortsteile unter Maßgabe des jeweils speziellen Charakters und der besonderen Bedürfnisse widmete. Ziel: Bewegung in den Barockstadtkarren bringen, als dessen fünftes Rad sich so manch Dorf angesichts langer gefühlter Vernachlässigung gewähnt hatte. Zuvor – und auch noch danach – wurden immer wieder Sorgen laut, dass es, anders als in der Kernstadt oder Nachbargemeinden wie Steinmauern oder Iffezheim, nicht entsprechend vorangeht.

Dass nun schon wieder städtebauliche Entwicklungspläne für die Dörfer auf den Tisch kommen, hat indes weniger damit zu tun, dass die 2017er Pläne bereits abgearbeitet sein könnten. Es geht vor allem darum, dort getroffene Absichtserklärungen zu sichern, dafür zu sorgen, nicht von Plänen Dritter überrollt zu werden und gerade die künftige Wohnbebauung in gewünschte Bahnen zu lenken. Will heißen: Damit es nicht zum Wildwuchs kommt, setzt die Barockstadt mit Segen der Ortschaftsräte nun Zielformulierungen im Sinne des Baugesetzbuches obendrauf.

Charakter der Ortsteile erhalten

Man befindet sich schließlich im Spannungsfeld zwischen Dorfcharakter und Modernisierungsbedarf. Wenn Altbauten nicht oder kaum noch sanierungsfähig sind, entstehen an deren Stelle immer wieder „marktübliche Wohnformen“ – also größere Mehrfamilienbauten. Die aber gingen oft auf Kosten des Dorfcharakters, wie Planer Markus Neppel vom beauftragten Büro Astoc im Dezember 2019 sagte, als man die Erarbeitung der städtebaulichen Entwicklungspläne auf den Weg schickte. Immer häufiger hätten es die Behörden mit Bauanträgen in Ortsbereichen zu tun, in denen kein Bebauungsplan besteht.

Zugleich geht es aber auch darum, das Potenzial für Nachverdichtungen zu nutzen und Möglichkeiten der Wohnbebauung zu definieren.

Das neue Entwicklungspapier ist bereits beraten, in den Ortschaftsräten besprochen und vom Technischen Ausschuss der Stadt empfohlen worden.

Ende Januar soll der Gemeinderat die endgültige Fassung verabschieden. „In Plittersdorf sollte der Fokus (....) in der Entwicklung einer Ortsmitte liegen“, heißt es im Entwurf. Ottersdorf indes habe die Besonderheit einer ortsbildprägenden Mitte, die gesichert werden müsse. In Wintersdorf und Rauental wird hoher Modernisierungsbedarf festgestellt, Niederbühl wiederum sieht sich bereits vor der Aufgabe, den Bau von Mehrfamilienhäusern zu regulieren.

Den Auftakt der Serie wird der Ortsteil Ottersdorf machen. 50 Jahre Eingemeindung: Das war dem Mitteilungsblatt für den Stadtteil jüngst die Titelseite wert. Aber nur verbunden mit der Feststellung, dass sich die damaligen Versprechen „alle in Luft aufgelöst“ hätten und man an den Auswirkungen „noch lange zu knabbern“ habe...

Zum Artikel

Erstellt:
29. Dezember 2021, 09:46 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.