Neue Betreuerin für die Südschienen-Störche

Bühl (nie) – Elke Henschel übernimmt nach und nach die Aufgaben von Josef Günther, der seit 1987 die Adebare betreut. Artenschutz ist ihr „tägliches Brot“.

Wie im Bilderbuch: Ein abgestorbener Baum dient in Hildmannsfeld als neuer Neststandort. Foto: Elke Henschel

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Wie im Bilderbuch: Ein abgestorbener Baum dient in Hildmannsfeld als neuer Neststandort. Foto: Elke Henschel

„Die Population im südlichen Landkreis ist explodiert“, sagt Elke Henschel. Na, da hat sie sich ja einen arbeitsintensiven Zeitpunkt ausgesucht, um nach und nach einige Aufgaben von Josef Günther zu übernehmen. Der Mooser kümmert sich seit über 30 Jahren um die hiesigen Störche.

Er kennt sich daher natürlich bestens aus, um Elke Henschel als „Lehrmeister“ an die Hand zu nehmen. „Das läuft“, freut sich die 56-Jährige, und ihr Eifer und ihre Begeisterung für ihre neue Aufgabe stehen ihr ins lachende Gesicht geschrieben.

Auf Fotopirsch mit Cabrio oder Rad

„Artenschutz ist mein tägliches Brot“, erzählt die gebürtige Pfälzerin, die seit 24 Jahren in Schwarzach wohnt und als Landschaftsarchitektin bei der Stadt Gaggenau in der Umweltabteilung arbeitet. Außerdem ist sie als Mitbegründerin des Rheinmünsteraner Pfadfinderstamms Löwenherz sehr naturverbunden und fotografiert auch noch gerne – beste Voraussetzungen als für die Aufgaben einer „Storchenmama“. Das hat wohl auch Stefan Eisenbarth so gesehen. Der Storchenexperte ist zuständig für den nördlichen Landkreis und hat den Kontakt zwischen Henschel und Günther hergestellt. In deren Zuständigkeitsbereich wiederum zählen die Gemeinden von Sinzheim südwärts bis Ottersweier.

Anfang März war Elke Henschel dann zum ersten Mal mit ihrer Kamera unterwegs. Zu ihren Aufgaben gehört es nämlich hauptsächlich, den Kontakt zur zuständigen Vogelwarte Radolfzell zu halten und die zurückgekehrten Störche anhand ihrer Ringnummer zu identifizieren. Und dabei hat sie auch gleich gelernt: „Es bringt nichts, nur den Ring zu fotografieren“, muss sie lachen. Das Tier nämlich so dem richtigen Nest zuzuordnen, sei gar nicht mal so leicht – gut vorstellbar bei insgesamt 36 Horsten. Darunter finden sich gleich elf neue Nester der Adebare: Zwei in Steinbach, eins am Bühler Kirchplatz, je eins in Ottersweier und Hatzenweier, je eins in Moos, Ulm, Schwarzach, Hildmannsfeld und zwei in Stollhofen.

Elke Henschel vor dem Storchennest samt Bewohner schräg gegenüber dem Schwarzacher Rathaus. Foto: Nina Ernst

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Elke Henschel vor dem Storchennest samt Bewohner schräg gegenüber dem Schwarzacher Rathaus. Foto: Nina Ernst

Im März hatte Henschel eine gute Zeit erwischt, da werde noch nicht gebrütet und die Störche stehen noch: „Das ist gut zum Ablesen“, sagt Henschel, die schon manche schöne Cabrio-Tour mit dem Nützlichen – nämlich dem Fotografieren der Ringe – verbunden hat. Und aufs Rad schwingt sie sich auch ein ums andere Mal. Außerdem habe sie auch eine Freundin, Jutta Kastner, mit ins Boot geholt, die auch „ganz begeistert“ dabei sei.

Im Juni stehe dann das Beringen an. Dazu sei ein Beringungsschein der Vogelwarte nötig, was wegen Corona gerade ein bisschen schwierig sei. Aber es sei geplant, dass sie sich mit Josef Günther dann auf den Weg macht, und von ihm lernt. Und er muss es wissen: Schließlich hat er seit 1987 ein Blick auf die Störche der Südschiene. Damals seien zwei Storchenpaare zwischen Moos und Hildmannsfeld ausgewildert worden, weil in der Gegend keine Störche mehr zu finden waren. Bei ihm klingt es nach einer Selbstverständlichkeit, dass er sich damals dieser Aufgabe angenommen hat: Auf dem Land und mit Landwirtschaft habe man einfach Interesse an der Natur und seinen Bewohnern.

„Die blickt durch“

Und so kann der 78-Jährige bis heute viele Geschichten erzählen – vom eigens gebautem Stahlgerüst in Oberbruch, von der Umsiedlung der Mooser Störche auf die Schule und wie die Tiere von der Bevölkerung dort willkommen sind, oder vom Anecken mit manchen Bürgermeistern wegen Neststandorten. Und er erzählt, dass eben nach den ersten Mooser Adebaren immer mehr der Tiere in sein Gebiet eingezogen sind, und er nun froh ist, dass er mit Elke Henschel jemanden an seiner Seite hat, der das Ehrenamt nach und nach übernimmt. Und Josef Günther ist sich sicher: „Die blickt durch.“

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Erstellt:
29. April 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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