Neue Corona-Verordnung trifft Friseure hart

Baden-Baden (ans) – Gastronomen leiden massiv unter der neuen Testpflicht. Die Friseurinnung rechnet sogar mit Umsatzeinbußen von 70 Prozent.

Wer nicht geimpft ist, muss seit gestern einen aktuellen Schnelltest beim Friseurbesuch vorzeigen können. Foto: Daniel Karmann/dpa

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Wer nicht geimpft ist, muss seit gestern einen aktuellen Schnelltest beim Friseurbesuch vorzeigen können. Foto: Daniel Karmann/dpa

Seit Montag gilt die neue Corona-Verordnung des Landes. Für vollständig Geimpfte und Genesene werden die Beschränkungen damit weitgehend aufgehoben. Ungeimpfte müssen dagegen häufiger als bisher negative Antigen-Schnelltests vorweisen, die nicht älter als 24 Stunden sein dürfen. Vertreter der Friseur- und Gastronomiebranche sowie ein Sportverein berichten im BT-Gespräch, was die Veränderungen für sie bedeuten.

Reiner Muckenfuss, der einen Friseursalon in Rastatt betreibt, erinnert sich mit Schrecken an das letzte Mal, als man für den Friseurbesuch einen aktuellen Test brauchte. Der Umsatzeinbruch sei während dieser Phase massiv gewesen. „Seit fast zwei Jahren machen wir eine schlimme Zeit durch. Für uns hat sich jetzt eigentlich nur geändert, dass die Kunden einen Test brauchen oder geimpft sein müssen“, so der Friseurmeister. Immer wieder habe er Begegnungen mit Impfgegnern, das ärgere ihn einerseits, andererseits versuche er, ihnen gut zuzureden. „Die Leute haben wahrscheinlich Angst“, glaubt er.

Datenverarbeitung stellt Belastung dar

Der Landesinnungsmeister des Fachverbands Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg, Herbert Gassert, rechnet von einem Einnahmenrückgang von 70 Prozent. Erste Auswirkungen der neuen Regel habe er schon vorletzte Woche gespürt: „Es wollten viele Ungeimpfte noch schnell Termine vereinbaren“, sagt Gassert.

Die größte Belastung für die Friseure liege in der Datenverarbeitung, sagt er. „Das Finanzamt muss jederzeit auf die Daten zugreifen können und sie müssen immer aktuell sein.“ Die neuen Regeln bedeuteten „einen Riesenaufwand und viel weniger Einnahmen“, fasst der Landesinnungsmeister zusammen. Auch eine Unsicherheit auf Kundenseite habe er bemerkt. Oft seien seine Kollegen gefragt worden, ob auch Kinder einen Test vorlegen müssten. „Ausgenommen von der Testpflicht sind Kinder bis einschließlich fünf Jahre“, teilt Pascal Murmann, Pressesprecher des Sozialministeriums in Baden-Württemberg, auf BT-Nachfrage mit. Der Nachweis für Schüler, die zweimal pro Woche in der Schule getestet werden, erfolge durch den Schülerausweis, ebenso könne die Kopie des letzten Jahreszeugnisses oder eine Bescheinigung der Schule als Nachweis ausreichen. Die Corona-Verordnung nehme diesbezüglich keine Unterscheidung nach Ferien- und Schulzeiten vor.

Spontane Besuche unmöglich

Mit der neuen Verordnung sei alles einen Schritt komplizierter geworden, findet Hans Schindler, Erster Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Stadtkreis Baden-Baden. Außerdem seien die Regeln zu kurzfristig erlassen worden. „Der Impfdruck wird auf dem Rücken unserer Branche ausgetragen“, findet er. Wenn man den Impf- oder Testnachweis nicht dabei habe, seien spontane Besuche im Café oder Restaurant nicht mehr möglich. Für die Branche breche damit eine Einnahmequelle weg. Schnelltests vor Ort hält Schindler zwar für unproblematisch, doch diese bedeuteten auch einen enormen „Zeit- und Personalaufwand“, wie er anmerkt. „Es ist eine Katastrophe für die Branche“, resümiert Schindler.

„Momentan ist der größte Aufwand für uns, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben“, sagt Thorsten Bach, Vorstand des Fußballclubs Gernsbach. Das Clubhaus hätten sie gar nicht erst geöffnet und nur im Außenbereich bewirtet. Das werde vorerst auch so bleiben. Außerdem „müssen zwei Ehrenamtliche zwingend an der Kasse sitzen, um die Anwesenheit zu dokumentieren“, so Bach.

Aufgrund der neuen Corona-Verordnung, die seit dem 16. August 2021 in Kraft getreten ist, sind die bisherigen Inzidenzstufen entfallen, heißt es in einer Mitteilung des Landratamts Rastatt. Damit sind auch sämtliche amtlichen Bekanntmachungen, die das Gesundheitsamt bisher auf der Webseite des Landratsamtes Rastatt veröffentlicht hat, gegenstandslos geworden.


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