Neue Eisarena am Baden-Airpark geplant

Hügelsheim (mi) – Auf dem Baden-Airpark-Gelände soll in Zukunft nicht nur eine neue Eisarena für den ESC Hügelsheim, sondern auch eine behindertengerechte Unterkunft für diverse Sportarten entstehen.

Die Eisarena des Eishockey-Regionalligisten ist in die Jahre gekommen. Foto: Privat

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Die Eisarena des Eishockey-Regionalligisten ist in die Jahre gekommen. Foto: Privat

Wenn man den VIP-Raum des Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim betritt, dauert es nicht lange, und er steht da: Freundlich schüttelt einem Rainer Weinbrecht die Hände, fragt beim Small Talk nach dem Wohlbefinden, organisiert gerne die Teamaufstellungen und zapft für seine Gäste, wenn niemand sonst hinter dem Tresen zur Stelle ist, notfalls auch ein Bier. Organisationstalent Weinbrecht, für Marketing und Kommunikation des Vereins zuständig, hat in der Baden-Airpark-Arena seit Ende Oktober keinem mehr die Hände geschüttelt, er hat auch keine Eis- oder Sporthalle weit und breit mehr betreten.
Rainer Weinbrecht aus Sinzheim ist Eventmanager, ihm gehört die Agentur SPE (Sport, Projekt, Event) – und er ist einer der Hauptbetroffenen der seit März vergangenen Jahres wütenden Corona-Pandemie, zumal ihm fünf mobile Cocktail-Bars gehören, die von Vereinen angemietet werden können. Können, aber nicht dürfen. Er weiß noch, wie eine Bloody Mary aussieht, selbst genossen oder finanziell profitiert hat er von den flüssigen Köstlichkeiten wie alle hauptberuflichen Gastronomen aber schon lange nicht mehr. Genau genommen, um in der Sportsprache zu bleiben, ist er der Prügelknabe der harten Lockdown-Maßnahmen, die seine Geschäfte massiv beeinträchtigen oder vollständig zum Erliegen gebracht haben.

„Es ist der Worst Case eingetreten: Bei den Bars habe ich 100 Prozent Ausfall, im Sportbereich haben wir vielleicht noch 20 Prozent Ertrag im Vergleich zu früher.“ Seine zehn Agentur-Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt. Obwohl der Hansdampf in allen Gassen buchstäblich auf dem Trockenen sitzt, „war ich schon immer ein positiver Mensch. Es gibt auch ein Leben nach Corona. Man muss das Beste daraus machen und die Ruhe bewahren. Hektik bringt nichts, auch wenn die Lage prekär ist“.

Trotz der Tristesse in seiner Branche sieht er einen Silberstreif am Horizont, wenn er feststellt: „Viele Vereine, die Veranstaltungen planten, buchen bei uns bereits fürs nächste Jahr. Unsere Bücher sind gut gefüllt.“ Wobei Weinbrecht sich nicht nur im Sport für die Baden Rhinos oder den Tennis-Club Grün-Weiss Baden-Baden engagiert. Bis in den Stuttgarter Raum erstrecken sich seine Tätigkeiten von Musik- und Sommerfesten, Fastnachtsveranstaltungen bis Weihnachtsfeiern.

„Für Vereine bittere Zeiten“

„Enorme Netzwerke“ hat sich seine Agentur, die seit 2011 existiert, aufgebaut. Und dadurch kennt er natürlich auch die Nöte der diversen Vereine in schweren Krisenzeiten. „Für sie sind es bittere Zeiten, für viele sehr existenzielle. So wie bisher wird es nach der Pandemie auch nicht weitergehen, der Party-Charakter wird sich verändern. Es wird spannend zu beobachten sein, wie gerade die Jugend damit umgeht.“

Da der ESC Hügelsheim nach nur vier Saisonspielen finanziell zum Glück mit einem blauen Auge aus der abgebrochenen Saison gekommen ist, geht Weinbrecht davon aus, dass „wir erstarkt in die neue Runde gehen“. In der großen Familie im kleinen Dorf halten sie fest zusammen, schon im Sommer müssen wieder Vereinshände angelegt werden an der altehrwürdigen Baden-Airpark-Arena, „damit wir noch einige Jahre dort drin rumrutschen können“.

Leicht war es in der maroden Halle noch nie, doch Weinbrecht erinnert sich an noch schlimmere Zeiten bei seinem Einstieg angesichts der Insolvenz des Vorgängervereins ESV. „Die Sponsoren waren damals geprägt von der Insolvenz. Wir mussten viele Gespräche führen, um sie bei der Stange zu halten. In der Zwischenzeit haben wir die Sponsorenzahl verdreifacht.“ Mehr als 50 regionale Unterstützer zählt der Regionalligist heute.

Verglichen mit den bescheidenen Anfangszeiten als Landesligist hat der familiär geprägte Verein einen Quantensprung gemacht. Von der Zuschauerzahl, die im Schnitt von damals rund 400 auf 950 angewachsen ist, bis zu den „Extras“ in der Halle: VIP-Bereich mit reichhaltigem Buffet, 100 Sitzplätze, Video-Wall, Lasershow, eine moderne LED-Licht- und hochwertige Tonanlage: Weinbrecht hat jede Ecke der Halle, die 1956 erbaut und nach dem Abzug der kanadischen Streitkräfte im Zuge der Wiedervereinigung übernommen wurde, durchforstet, um einen Mehrwert für die Fans und Sponsoren herzustellen.

Wie in der DEL steht vor dem Eröffnungsbully in Julian Linder auch ein Stadionsprecher mitten auf der Eisfläche, der die Aufstellungen bekanntgibt. Weinbrecht: „Wir wollten von Anfang an den Verein professioneller machen. Ich glaube, das ist uns in den vergangenen Jahren gut gelungen. Vorher gab es auch gar keine Medienpräsenz. Mittlerweile haben wir über 4.000 Follower auf Facebook.“

Stillstand ist für den Workaholic Rückschritt. Deshalb arbeitet Weinbrecht mit einer „gewissen Dynamik“ an der Zukunft. Die soll möglichst golden und nicht so düster wie aktuell sein. Schon seit einiger Zeit gibt es Gerüchte über eine neue, moderne, größere Eishalle, die entstehen soll. Und zwar direkt am Flugplatz in Hügelsheim. Das Großprojekt wird gemeinsam mit der Airpark-Gesellschaft unter dem Namen „Arena 21“ konzipiert. Und dabei geht es nicht nur um die primären Interessen des ambitionierten Eishockey-Vereins.

Einzigartiges soziales Projekt

Es soll vielmehr die erste inklusive Eisarena mit Boarding-House in Deutschland entstehen. Also eine Unterkunft als einzigartiges soziales Projekt mit Strahlkraft für die gesamte Region aus dem Boden gestampft werden, wo Sport ganzjährig betrieben werden kann. Prominente Fürsprecher gibt es nicht wenige. „Ganz besonders begrüße ich den Plan, Sportmöglichkeiten mit Behinderung zu schaffen. Das Projekt unterstützt somit die langjährige Arbeit des DOSB im Bereich Inklusion“, bemerkt erfreut Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

Auch der Deutsche Eishockey-Bund, für den Leistungssportreferent Michael Pfuhl schon vor Ort zu Gesprächen weilte, ist sehr angetan von den Absichten in Mittelbaden. Präsident Franz Reindl: „In vielen Spielstätten besteht erheblicher Sanierungsbedarf, einige müssen wegen ihres maroden Zustands sogar geschlossen werden. Auch die Arena am Baden-Airpark gehört zu diesen Traditionshallen, die in die Jahre gekommen sind. Daher stehen wir dem Projekt sehr positiv gegenüber.“ Aktuell gibt es im Umkreis von 200 Kilometern von Süden bis Norden gerade mal noch vier Eishallen: In Freiburg, Eppelheim, Mannheim mit der Vorzeige-SAP-Arena und eben Hügelsheim.

Ein fünfköpfiges Team mit Weinbrecht erarbeitet seit einiger Zeit ein Konzept, um dieses ehrgeizige Projekt in einigen Jahren verwirklichen zu können. „Nur mit Schulterklopfen ist es nicht getan. Unser Ziel ist es, die Planung eines passenden Areals am Airpark voranzutreiben. Derzeit tragen wir alle Fakten zusammen, um die technischen, organisatorischen, wirtschaftlichen und juristischen Notwendigkeiten zu prüfen.“

Und gerade bei der behindertengerechten Einrichtung eines Boarding-Houses mit Barrierefreiheit, auch für Menschen mit Seh- und Hörbehinderung, gilt es auf jedes Detail zu achten. Zumal in der Arena auch ein multifunktionaler Umbau möglich sein soll für andere Sportarten wie Volleyball, Basketball oder Curling.

Seit einigen Jahren schon arbeiten die Rhinos eng mit der Lebenshilfe Baden-Baden/ Bühl/Achern zusammen. Familien- und Inklusionstage haben mehrfach stattgefunden. Beim „Rolli on Ice“ empfinden Rollstuhlfahrer und geistig behinderte Menschen zum Beispiel großen Spaß auf der Eisfläche. Für Vereine, die sich sozial engagieren, hält der ESC deshalb Freikarten bereit.

Getreu dem Motto sorgfältig planen, langfristig denken und das Risiko minimieren soll über ein Drei-Säulen-Konzept (Investoren, Stiftungen, Förderungen) schließlich die Projektrealisierung erfolgen. Weinbrecht und seinen Mitstreitern kann man nur wünschen, dass sie nicht die gleich lange Durststrecke überwinden müssen wie der Fußball-Bundesligist Sport-Club Freiburg, der von der Planung bis zur aktuell in den letzten Zügen liegenden Fertigstellung der Hightech-Arena mehr als ein Jahrzehnt warten musste. Sie liegt auch direkt an einem Flugplatz.

Klar ist, dass die Baden Rhinos für ihren Traum sportlich in Vorleistung gehen müssten, denn als Regionalligist braucht man nicht in eine schmucke Arena mit mehr als 2.000 Zuschauern einziehen. Weinbrecht denkt als Visionär kühn voraus: „Da die Oberliga eine kostenfressende Klasse ist, wäre die DEL2 das große Wunschziel.“ Dafür muss Tausendsassa Weinbrecht nur noch einen reichen amerikanischen Onkel herbeischaffen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
19. Februar 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 54sec

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