Neue Fahrradbrücke für Baden-Baden?

Baden-Baden (nof) – In der Gemeinderatssitzung hat die Idee der Fahrradbrücke am Baden-Badener Verfassungsplatz die Gemüter erhitzt. Schließlich gab es aber ein Ja zum Förderantrag.

Wird an dieser Stelle künftig über eine Brücke geradelt? Die Stadt bewirbt sich um Fördermittel für eine Brücke für Radfahrer. Foto: Nico Fricke

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Wird an dieser Stelle künftig über eine Brücke geradelt? Die Stadt bewirbt sich um Fördermittel für eine Brücke für Radfahrer. Foto: Nico Fricke

Die Kurstadt wird sich beim Bund um Fördermittel für den Bau einer Fahrradbrücke über den Verfassungsplatz bewerben. Bekommt Baden-Baden die Zusage über millionenschwere Zuschüsse, wird es einen Architektenwettbewerb geben, bei dem renommierte Büros aus ganz Deutschland Lösungen für die sichere Querung des Verkehrsknotens erarbeiten sollen.
Für das Projekt, das nach Schätzungen der Verwaltung 7,2 Millionen Euro kosten könnte, steht eine 80-prozentige Förderung aus dem Bundesprogramm „Modellvorhaben für den Radverkehr“ in Aussicht. Zudem ist eine zehnprozentige Förderung vom Land möglich, sodass an der Stadt eventuell nur 720.000 Euro für den Bau der Brücke hängen bleiben würden.

Eine klare Mehrheit von Stadträten der Grünen, der CDU und der SPD votierten bei der Sitzung am Montagabend denn auch für das Projekt. Auch Oberbürgermeisterin Margret Mergen schloss sich der Idee an, die vor allem von ihrem Kollegen, Baudezernent Alexander Uhlig und seiner Abteilung vehement befürwortet wird. Doch sie machte auch keinen Hehl daraus, dass sie Bedenken hat. „Fördermittel sind eine verführerische Droge“, sagte sie. „Der Eigenanteil ist ja nicht unerheblich.“ Zudem gebe es dringlichere Projekte. „Aber ich würde es gerne genauer sehen. Ja – wir sollten es versuchen.“

„Lebenslüge der Fahrradenthusiasten“

Es handele sich ja lediglich um einen Grundsatzbeschluss, den Förderantrag beim Bund einzureichen, sagte Grünen-Fraktionschef Fabrice Gireaud. Ob Baden-Baden den Zuschlag bekomme, sei unsicher. Seine Fraktion begrüße den Förderantrag aber ausdrücklich. Zum Umstieg aufs Fahrrad könne man die Menschen nur bewegen, wenn die Radwege attraktiv und sicher gestaltet würden. Um Aussehen, Form und Typus der Brücke gehe es noch nicht, betonte er.

Über diese Themen sprachen aber vor allem die Gegner des Projekts. Die Brücke sei ein „Monstrum, das nicht zu unserer Stadt passt“, meinte Werner Schmoll (SPD). Hans-Peter Ehinger (FW) sah das Welterbe gefährdet, wenn die Brücke gebaut werden sollte. René Lohs (FDP) meinte gar, man müsse mit der „Lebenslüge der Fahrradenthusiasten aufräumen“. Baden-Baden sei nun einmal keine Fahrradstadt. „Mit welchem Recht beanspruchen eigentlich Radfahrer, überall freie Fahrt zu haben? Wir können die Taktschaltung der Ampeln dort verbessern. Das muss genügen“, so Lohs.

Es schnitze sich jeder „seine private Welterbe-Keule zurecht, um sie im Rundumschlag einzusetzen“, kritisierte Wolfgang Niedermeyer (FBB) seine Kollegen. Nein, eine Gefährdung des Welterbes sei nicht zu befürchten. Dennoch sei seine Fraktion gegen den Förderantrag, weil die Alternativen zu einem Brückenbau nicht ausreichend geprüft seien, meinte er.

„Wir werden die Unesco beteiligen“

Für die CDU sprach sich Klaus Bloedt-Werner für das Projekt aus. Die Stadt solle den Auftrag für eine filigrane und städtebaulich angepasste Planung vergeben, meinte er. „Dass hierbei das Welterbe nicht gefährdet werden darf, ist völlig selbstverständlich.“

„Wir werden die Unesco an dem Projekt beteiligen und informieren“, sicherte Bürgermeister Alexander Uhlig zu. Alternativen seien schwierig. Ein Kreisverkehr, den Oberbürgermeisterin Margret Mergen favorisiert, bringe keine signifikanten Verbesserungen für den Verkehrsfluss und sei deshalb nicht förderfähig. Ein Tunnelbauwerk sei aufwendig. Die Ampelsteuerung sei ausgereizt. „Dem Autoverkehr noch mehr Grünzeit abzunehmen, das funktioniert nicht“, so Uhlig weiter. „Staus wären die Folge – täglich und bis zur Feuerwehr“, meinte er. Das Brückenprojekt sei eine Chance.

Ob der Bund der Stadt den Zuschlag gebe, sei nicht sicher. „Und auch nach der Bewilligung des Antrags haben wir ja keinen Bauzwang“, sagte Sabine Iding-Dihlmann (Grüne). Wenn die Vorschläge der Architekten in der Stadt keinen Gefallen fänden, dann könne man es auch einfach lassen.

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Erstellt:
30. Juni 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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