Neue Grundschule im Ried: Von Konsens keine Spur

Rastatt (ema) – Gegen die Pläne der Stadt, auch in Wintersdorf einen Grundschulstandort einzurichten, regt sich Widerstand.

Das Lehrerkollegium der Grundschule Ottersdorf äußert Sorgen, dass mit einem Standort in Wintersdorf das bewährte Profil zerschlagen werden könnte. Foto: Frank Vetter

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Das Lehrerkollegium der Grundschule Ottersdorf äußert Sorgen, dass mit einem Standort in Wintersdorf das bewährte Profil zerschlagen werden könnte. Foto: Frank Vetter

Als der Gemeinderat Ende Juli im Grundsatz die Einrichtung eines Grundschulangebots in Wintersdorf guthieß, bekundete die Verwaltung das Bestreben, „unter allen Beteiligten einen Konsens“ zu erreichen. Danach sieht es gerade überhaupt nicht aus. Nach BT-Informationen stemmt sich das Ottersdorfer Lehrerkollegium gegen das Vorhaben – auch deshalb, weil das Profil des deutsch-französischen Zugs auf dem Spiel steht.
Am Abend der Ratssitzung waren mehrere Lehrkräfte in der Badner Halle, um die Debatte zu verfolgen und am Rande auch das Gespräch mit Verantwortlichen zu suchen. Und eigentlich wollte das Kollegium am Ende der Sommerferien gegenüber dem BT darlegen, warum man gegen den zusätzlichen Standort in Wintersdorf sei (entweder als eigene Grundschule oder als Außenstelle von Ottersdorf).

Doch das Treffen sagten die Pädagogen jetzt ab. Grund: Stefan Vogt, Leiter des städtischen Fachbereichs Schulen, Kultur und Sport, habe eine solche Begegnung untersagt. Im Rathaus weist man diese Behauptung jedoch zurück. Ohnehin wäre formell ein städtischer Fachbereichsleiter gegenüber den Lehrerinnen, die Landesbeamtinnen sind, in einer solchen Frage gar nicht weisungsbefugt.

Info-Veranstaltungen in beiden Dörern

Laut Wolfgang Held, Leiter des staatlichen Schulamts Rastatt, trägt für eine Positionierung der Schule grundsätzlich der Schulleiter die Verantwortung.

Doch die langjährige Rektorin Christine Hillert hat sich bereits verabschiedet und die Leitung der Hebel-Schule Gaggenau übernommen. Sie galt dem Vernehmen nach ebenfalls als Kritikerin der aktuellen Pläne, wollte sich aber öffentlich nicht äußern.

In der Sache selbst betont Schulamtsleiter Held, dass dem Kollegium und Eltern durchaus ein Mitwirkungsrecht eingeräumt wird – und zwar über die Gremien Lehrerkonferenz, Schulkonferenz und Elternbeirat. Außerdem wird die Stadt am 14. September in Ottersdorf und am 16. September in Wintersdorf (19 Uhr in der jeweiligen Festhalle) öffentliche Info-Veranstaltungen anbieten. Dabei, so Held, könnten auch die Lehrkräfte ihre Auffassungen vertreten. Allerdings, so der Schulamtsleiter, hätten die Pädagoginnen kein Vetorecht.

Strittig dürfte das Thema auch unter kommunalpolitischen Gesichtspunkten sein. Denn der Schulamtsdirektor erklärte im BT-Gespräch, dass der Schulträger sich wohl entscheiden müsse, ob er eine wohnortnahe Schule in Wintersdorf anstrebe oder den bilingualen Zug aufrecht erhalten wolle. Beides zusammen wäre nicht umsetzbar.

In der Gemeinderatsdebatte im Juli hatten sich die Stadträte zwar einstimmig für einen Grundschulstandort Wintersdorf ausgesprochen. Die CDU-Fraktion legte indes „größten Wert“ darauf, dass das seit 2005 bestehende deutsch-französische Profil nicht verschwindet.

Diese Gefahr drohte schon einmal, als das Kultusministerium 2014 die bilingualen Angebote an ausgewählten Schulen in der Rheinschiene aufgeben wollte. Ein Sturm der Entrüstung, auch im Rastatter Rathaus, folgte – am Ende lenkte Stuttgart ein.

Der Weg der Entscheidung führt zunächst über Beschlüsse in den Ortschaftsräten und im Gemeinderat, ehe ein Antrag beim Kultusministerium gestellt wird. Den Standort Wintersdorf würde man dann im September nächsten Jahres eröffnen.


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