Neue Impulse für die Alte Schmiede

Walburga Rademacher hat viele Ideen, um wieder Leben in die Gemäuer der alten Schmiede zu bringen. Foto: Koch

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Walburga Rademacher hat viele Ideen, um wieder Leben in die Gemäuer der alten Schmiede zu bringen. Foto: Koch

Die Alte Schmiede in Malsch ist ein denkmalgeschütztes Kleinod, das seit etlichen Jahren vor sich hindümpelt. Der Gemeinderat hatte zwar im März 2013 beschlossen, das Ensemble aus Schmiede und Scheune für rund 670 000 Euro zu sanieren, der Beschluss wurde jedoch nicht umgesetzt. Ende September 2019 beschloss das Gremium den Verkauf der Schmiede. Walburga Rademacher ist zwar Mitglied bei den Heimatfreunden, hat nun aber als Privatperson mehrere Nutzungskonzepte für das historische Gemäuer entwickelt, die sie dem Technischen Ausschuss am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung präsentierte.

Die Gemeinde hatte das Wohnhaus mit Scheunengebäude (Baujahr 1839) und das angebaute zweigeschossige Haus mit Schmiedewerkstatt (Baujahr 1880) im Jahr 2008 durch Vermittlung der Heimatfreunde erworben mit dem Ziel, ein Heimatmuseum einzurichten. Das Gebäude befindet sich im Sanierungsgebiet Ortsmitte, entsprechende Fördergelder wurden beim Land beantragt. Wie Bürgermeister Elmar Himmel im BT-Gespräch ausführt, habe das Land jedoch auf eine Mehrfachnutzung des Gebäudes für weitere Zwecke gepocht, die in Aussicht gestellten Zuschüsse seien davon abhängig gemacht worden. Somit wurde der Cultur Club ins Boot geholt, die beiden Vereine entwickelten ein Nutzungskonzept.

Im Jahr 2013 hätte es eigentlich losgehen können: Die Gemeinde hatte Fördermittel aus dem Landessanierungsprogramm in Aussicht sowie Spenden und Eigenleistungen der Heimatfreunde Malsch und des Cultur Clubs, sodass für Malsch letztendlich ein Eigenanteil von etwa 210 000 Euro zu stemmen gewesen wäre. Doch der Sanierungsbeginn wurde unter anderem durch Planänderungen und neue Auflagen verzögert, denen weitere Ausschreibungen folgten. Das Vorhaben zog sich immer weiter in die Länge, was die Sanierung zusätzlich verteuerte. Schließlich war das Vorhaben nicht mehr innerhalb des Förderzeitraums zu stemmen. Deshalb beschloss der Rat aufgrund der stark gestiegenen Sanierungskosten den Verkauf der Schmiede.

Wertgutachten liegt vor

Allein für den Erwerb des Grundstücks sowie eines Rasenstreifens für Parkplätze hat die Gemeinde 143 000 Euro ausgegeben, wie Hauptamtsleiter Heribert Reiter informiert. Den Verkaufspreis kann er noch nicht benennen: „Es liegt ein Wertgutachten vor, das aber noch formal vom Gemeinderat abgesegnet werden muss.“ Einen konkreten Interessenten für das Gebäude gebe es nicht.

Ein weiteres Thema ist die Dachhälfte des Scheunengebäudes, die vor einigen Jahren abgedeckt und mit einer Plane versehen wurde, die seit geraumer Zeit von der Witterung zerstört ist. „Das Angebot für die Instandsetzung wird für diese Woche erwartet“, so Reiter. Nächste Woche sei die Einrüstung geplant. Aufgrund der Schäden durch die Stürme „Sabine“ und „Diana“ seien die Zimmerleute ausgebucht.

Walburga Rademacher möchte das historische Gebäude für die Malscher erhalten. Sie engagiert sich bei den Heimatfreunden, doch unabhängig vom Verein investierte die ehemalige Unternehmerin viel Zeit und Herzblut in diverse Nutzungskonzepte unter der Überschrift „DenkMALSCHutz ist Ehrensache“. So könnten im Obergeschoss des Scheunentrakts ein Seminarraum und ein Veranstaltungsraum entstehen. Weiterhin hätten dort eine Heimatstube und eine Teeküche Platz. Im Schmiedegebäude könnte ein Museum Platz finden, im Obergeschoss ein Raum für die Heimatfreunde.

Mehrere Organisationsformen denkbar

Doch wer könnte die Ideen der rührigen Malscherin umsetzen? Zum einen die Heimatfreunde, denen sie bei der Jahreshauptversammlung am 17. März ihre Konzepte präsentiert. Sollte sich der Verein nicht in die Pflicht nehmen lassen wollen, dann könnte sich Rademacher die Gründung einer Bürgerinitiative oder eines Fördervereins vorstellen. Eine Stiftung oder eine Genossenschaft sind weitere Optionen, ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen einer Initiative und einem Investor.

Auch zum Thema Finanzen hat sich Walburga Rademacher Gedanken gemacht. Die Heimatfreunde könnten auf Rücklagen zurückgreifen, durch Fundraising und Crowdfunding könnten weitere Gelder fließen. Daneben setzt sie auf Spendenaktionen, auf das örtliche Gewerbe und regionale Großunternehmen. Sollte sich eine Genossenschaft gründen, dann werden Genossenschaftsanteile ausgegeben. Weiterhin rechnet die Malscherin mit öffentlichen Fördermitteln.

Am Ende ihrer Präsentation erhielt Rademacher Beifall vom Ausschuss, wie sie auf Anfrage berichtet. Heribert Reiter sprach gar von „Aufbruchstimmung“ und ergänzte, dass sich die Gemeinde nicht verschließen werde, wenn es ein Engagement von Dritten gebe. Nun gelte es, die Ideen mit Leben zu füllen und „Verbindlichkeiten mit den Akteuren zu schaffen“. Um für ihre Idee zu werben, hat Walburga Rademacher gestern eine Facebook-Seite „Alte Schmiede“ freigeschaltet. Zudem lädt sie zu einer Infoveranstaltung am Freitag, 27. März, um 17.30 Uhr im Alten Bahnhof ein.


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