Neue Ladesäulen in Ottersweier

Ottersweier (jo) – Die Gemeinde Ottersweier plant, an mehreren Punkten neue Ladesäulen für E-Mobilisten mit Bezahlsystemen aufzustellen. Nicht alle sind mit der Standortwahl zufrieden.

Einzige E-Tankstelle mit Bezahlsystem in Ottersweier: Die Ladestation am Rathaus (mit Gemeindefahrzeug). Foto: Joachim Eiermann

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Einzige E-Tankstelle mit Bezahlsystem in Ottersweier: Die Ladestation am Rathaus (mit Gemeindefahrzeug). Foto: Joachim Eiermann

Die Zeit des kostenlosen Stromtankens in Ottersweier geht zu Ende. Die Gemeinde plant, an mehreren Punkten neue Ladesäulen für E-Mobilisten mit Bezahlsystemen aufzustellen. Von den beiden 2015 installierten, störanfälligen Stromzapfstellen in der Ortsmitte soll ein Standort umgerüstet, der andere aufgegeben werden. Außerdem beabsichtigt die Süwag, vor der Wallfahrtskirche Maria Linden einen Schnellladepunkt einzurichten.
Der Energieversorger nimmt, wie Bürgermeister Jürgen Pfetzer in der Gemeinderatssitzung am Montagabend berichtete, an einer Ausschreibung des Bundes für ein deutschlandweites Schnellladenetz mit 1.000 Standorten teil. Die Kapazität soll der Programmausschreibung zufolge mindestens 150 Kilowatt pro Anschluss betragen. Die Gemeindeverwaltung habe den Parkplatz Maria Linden als potenziellen Standort vorgeschlagen. „Wir stellen die benötigte Fläche zur Verfügung und erhalten vier Schnellladesäulen ohne, dass wir einen Euro bringen müssen“, so Pfetzer.

Jeweils zwei Stellplätze reserviert

Nicht ganz so komfortabel, aber als noch „sehr günstig“ stellt sich nach seinen Worten die Einrichtung konventioneller Ladepunkte (mit geringerer Stromstärke) in Gemeinderegie dar. In diesem Fall leistet der Bund eine 80-prozentige Förderung aus dem Programm „Ladeinfrastruktur vor Ort“. Bei Gesamtkosten von rund 9.600 Euro pro Ladesäule verbleibt ein Eigenanteil von 1.925 Euro für die die Gemeindekasse. Die Aufstellung von Stationen mit je zwei Ladepunkten (22 Kilowatt) plant die Gemeindeverwaltung an folgenden Orten: vor dem Imbiss Saray (Hauptstraße), bei der Volksbank-Filiale und vor der Sporthalle. Eine weitere Ladesäule ist in Unzhurst vor der Technikzentrale der Glasfaserverkabelung (gegenüber der Verwaltungsstelle) geplant. Um die Zuschüsse zu erhalten, muss die Gemeinde gewährleisten, dass die E-Stationen nicht zugeparkt werden. Jeweils zwei Stellplätze werden ausschließlich für Elektrofahrzeuge reserviert.

„Das ist praktisch der Selbstkostenpreis“

Der Gemeinderat nahm die Standortvorschläge zustimmend zur Kenntnis – teils zähneknirschend. Arnold Meißner (CDU) hinterfragte die Sinnhaftigkeit, mit Steuermitteln Versorgungsstrukturen für den Individualverkehr aufzubauen. „Wir müssen als Vorreiter agieren, dieses Geschäft aber nicht auf ewig betreiben“, erwiderte der Bürgermeister. Dass auch Handel und Discounter sowie das Hotel- und Gastgewerbe dem Beispiel folgen mögen, wünschte sich Stephan Meier (FWG). „Darauf warte ich auch“, unterstrich Pfetzer mit Hinweis auf die Fördermöglichkeiten. Nico Paulus (Grüne) riet: „Klotzen, nicht kleckern!“ Auch in Gebieten mit vielen Geschosswohnungen machten solche Stationen Sinn, denn „nicht jeder kann zuhause sein Fahrzeug aufladen“. Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) sah die E-Mobilität kritisch angesichts der für die Akku-Herstellung benötigten seltenen Erden, die sich nur unter hohem Energieaufwand gewinnen ließen.

Die geplanten Stromtankstellen sind identisch mit der bestehenden Ladesäule am Rathaus. 39 Cent kostet die Kilowattstunde dort gegenwärtig. 13 Cent davon fallen für die Abwicklung des Zahlungsvorgangs an. 26 Cent berechnet die Gemeinde für Stromkosten, Abschreibung und Betriebsaufwand. „Das ist praktisch der Selbstkostenpreis“, so Pfetzer. In den vergangenen zwölf Monaten wurden bei 129 Ladevorgängen rund 1.654 Kilowattstunden (kWh) gezapft, davon 600 kWh Strom für das Dienstfahrzeug der Gemeinde. Zum Vergleich: Bei den Gratis-Ladepunkten in der Ortsmitte (je elf Kilowatt) wurden im selben Zeitraum 6.300 kWh Strom getankt.

Die vor sechs Jahren gestarteten Bemühungen zum Auf- und Ausbau einer Ladeinfrastruktur begründet die Gemeinde Ottersweier wie folgt: „Elektrofahrzeuge leisten einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen und damit zur Erreichung der Klimaschutzziele.“

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Erstellt:
21. Juli 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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