Neue Nahrung für Konflikt um Rastatt-Nord

Von BT-Redakteur Egbert Mauderer

Rastatt/Muggensturm (ema) – In die Streitfrage, ob die K3728 von und nach Muggensturm im Zuge des Ausbaus der A5-Anschlussstelle von der B462 abgehängt werden muss, kommt neue Bewegung.

Neue Nahrung für Konflikt um Rastatt-Nord

Die K 3715 (links unten Richtung Rauental) und die K 3728 (rechts unten Richtung Muggensturm) sollen im Zuge des Ausbaus der A5-Anschlussstelle von der B 462 abgehängt werden. Foto: Willi Walter

Im Ringen um den Ausbau der Autobahnanschlussstelle Rastatt-Nord sind Naturschützer jetzt gleich im Doppelpack involviert. Den Verbänden BUND und NABU hat das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe am 22. Januar die ins Auge gefassten Pläne präsentiert. Aktiv wird jetzt auch der Vorsitzende der NABU-Gruppe Murgtal, Wolfgang Huber. Er will nach einer Untersuchung des Geländes eine Ideensammlung vorstellen, wie möglicherweise ein Erhalt des Anschlusses der K3728 an die B462 und ein ökologischer Zugewinn vereinbar sind.Damit bekommt der Interessenskonflikt um die 80 Millionen Euro teure Ausbaumaßnahme neue Nahrung. Die Gemeinde Muggensturm wehrt sich gegen die Pläne des Regierungspräsidiums, im Zuge des Rastatts-Nord-Projekts die K3728 von der B462 abzuhängen. Dabei schließt die Gemeinde rechtliche Schritte nicht aus. In diesem Zusammenhang hat die Gemeindeverwaltung auch Kontakt mit Wolfgang Huber aufgenommen. Der Naturschützer wohnt selbst in Muggensturm und hätte, wie er im BT-Gespräch betont, unabhängig von dem Hilfegesuch aus dem Muggensturmer Rathaus sich des Themas angenommen.

Vorschläge an die Naturschutzverbände

Huber war bei der Video-Konferenz des RP entgegen seinem Willen nicht dabei. Nach Angaben der staatlichen Mittelbehörde in Karlsruhe habe man bei dem Termin die umweltfachliche Präsentation, die bereits dem Landkreis Rastatt, der Gemeinde Muggensturm sowie der Stadt Rastatt vorgestellt wurde, den Verbänden erläutert. Jetzt erwartet das RP eine schriftliche Stellungnahme von BUND und NABU bis Ende Februar.

Bis Ende dieses Monats will auch Wolfgang Huber seine Vorschläge an die Naturschutzverbände liefern. „Es ist alles offen, ich bin nicht festgelegt“, betont der Naturschützer. Er hält es aber durchaus für möglich, dass ein Straßenanschluss aus Richtung Muggensturm an den Zubringer und eine gleichzeitige ökologische Aufwertung machbar sind. Huber denkt dabei daran, die bestehende Unterführung in Höhe des Rauentaler Campingplatzes auszubauen. Denn klar sei: Die bestehende K3728 steht dem Ausbau der Anschlussstelle zum Vollkleeblatt im Weg. Der Optimierung der Natur etwa könnte der komplette Rückbau der früheren Verbindungsstraße von der B3/B36 durch den Hirschgrund Richtung Muggensturm und eine Höherlegung des zuletzt von Austrocknung bedrohten Federbachs dienen.

Werden Karten neu gemischt?

Das RP hatte zuletzt bekräftigt, von seiner Planung nicht abrücken zu wollen. Vor dem Hintergrund, dass die B462 nach Norden verlegt und auf 600 Metern neu versiegelt werden muss, sei man gehalten, in dem sensiblen Gebiet so wenig Eingriffe wie möglich in die Natur vorzunehmen. Das RP gab zu erkennen, dass man mit einer Klage der Naturschutzverbände rechnen müsse, wenn man an der K3728 festhalte und sie nicht zum Wirtschaftsweg abstufe. Offenbar sieht das RP bei einer juristischen Auseinandersetzung mehr Erfolgschancen gegen Muggensturm als gegen die Verbände. Nun könnten möglicherweise im Zuge der Initiative von Wolfgang Huber die Karten neu gemischt werden.

Unterdessen meldet sich der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber mit Kritik am Verkehrsministerium zu Wort. Ihm geht es mit der Umsetzung des Ausbaus von Rastatt-Nord nicht schnell genug. Zudem kritisiert er, dass das RP bereits eine Alternativlösung der Gemeinde Muggensturm zur Anbindung unter Berufung auf den Widerstand der Naturschutzverbände abgelehnt habe, obwohl die Naturschützer noch gar nicht angehört worden waren. Weber fragt: „Ist das Hinhaltetaktik vom Verkehrsminister oder wie darf man das verstehen?“