Neue Schule in Baden-Baden kommt auch ohne Millionen

Baden-Baden (hol) – Die Großspende einer vermögenden Dame an die Stadt ist zwar gescheitert. Doch das Deutsch-Französische Projekt in der Cité ist weiterhin in der Realisierung.

Auch ohne Millionenspende: Die Euraka soll Standort der neuen Dualen Hochschule werden. Foto: Harald Holzmann/Archiv

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Auch ohne Millionenspende: Die Euraka soll Standort der neuen Dualen Hochschule werden. Foto: Harald Holzmann/Archiv

Das Projekt einer Deutsch-Französischen Dualen Hochschule (DFDH), die auf dem Campusgelände in der Cité entstehen soll, steht immer noch auf der Agenda von Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Sie erhofft sich davon eine Aufwertung für den Hochschulstandort Baden-Baden. Allerdings muss das Projekt nun wohl ohne die Millionenspende einer vermögenden Dame realisiert werden.

Vor gut einem Jahr hatten Gerüchte über eine der Kurstadt anvisierte Spende in zweistelliger Millionenhöhe Stadt und Kommunalpolitik in Aufregung versetzt. Eine „sehr erfolgreiche Unternehmerin im Ruhestand“, wie es damals hieß, die ansonsten anonym bleiben wollte, hatte Baden-Baden den stattlichen Betrag von zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt, um im Bereich der Bildung etwas Gutes zu tun. Damit, so hatte es zunächst geheißen, hätte man das Hauptgebäude der neuen Hochschule bauen können. Als Standort war die Fläche auf dem Campusgelände vorgesehen, die derzeit noch als Parkplatz genutzt wird. Das Geld liege bereit, so war zu hören – die Verantwortlichen im Rathaus müssten der Spenderin nur ein passendes Konzept vorlegen.

Projekt „nicht von der Spende abhängig“

Die Gespräche mit der Dame liefen gut, hieß es damals auch aus dem Rathaus. Allerdings betonte Oberbürgermeisterin Margret Mergen schon vor einem Jahr gegenüber dem BT, dass die Millionenspende alleine nicht reichen wird, um das Projekt der DFDH komplett zu realisieren – und dass das Schulprojekt allgemein „nicht von der Spende abhängig ist“.

Mittlerweile steht fest, dass es die millionenschwere Förderung für die Schule nicht geben wird. Wie zu hören ist, ist die Vermittlung der Spende gescheitert. Das sei bedauerlich, weil man sich sehr ins Zeug gelegt habe, einen Schulneubau in der Cité auf die Reihe zu bekommen. Dieser – so der Plan – hätte als Erweiterungsstandort für die bestehende Gewerbeschule genutzt werden können, bis die DFDH Realität gewesen sei. Doch im Rathaus war man an dieser Lösung offenbar nicht interessiert.

„Ich hatte jetzt einige Zeit keinen Kontakt mehr mit der Spenderin“, bestätigt Mergen auf BT-Nachfrage, dass die Spende kein Thema mehr ist. Sie betont gleichzeitig, dass die Duale Hochschule dennoch realisiert werden soll. Dass das Projekt auf der Schiene ist, das ist schon seit 2020 klar. Damals startete eine dreijährige Förderung aus dem Interreg-Programm der EU, um den Probebetrieb der DFDH zu finanzieren. Die ersten beiden Semester des BWL-Studiums „Deutsch-Französisches Management“ sind auch schon gelaufen, und wenn alles gut geht, soll 2023 der Regelbetrieb starten. Dabei absolvieren die Dualen Studenten, die bei Firmen diesseits oder jenseits der Grenze angestellt sind und das zweisprachige wirtschaftswissenschaftliche Studium parallel zur Ausbildung absolvieren, ihre Studienphasen in der Kurstadt – so die Planung.

„Es entstehen ja auch Folgekosten“

Für all das sei aus ihrer Sicht aber kein Schulneubau nötig, sagt Mergen. Durch Corona habe sich auf dem Campusgelände in der Cité einiges geändert, spielt sie darauf an, dass Unterricht und Arbeit in Präsenz abgenommen haben und dadurch Räume freigeworden sind. Zudem dürfe man bei einem Neubau nicht nur auf die Baukosten schauen, die durch die Spende zum großen Teil abgedeckt worden wären. „Es entstehen ja auch Folgekosten“, sagt die OB und betont: „Intelligente Raumnutzung ist am ressourcenschonendsten.“

Und das Geld der vermögenden Dame? Das fließt jetzt wohl größtenteils woanders hin. Immerhin: 3,5 Millionen Euro bleiben in Baden-Baden. Für diesen Betrag baut das Kinder- und Jugendheim in den kommenden Monaten die dringend benötigte, neue Sporthalle – das Geld dafür stammt aus dem Zehn-Millionen-Topf. Die Abrissarbeiten an der alten Halle in Lichtental sind schon fast beendet.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
3. November 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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