Neue Stromtrasse: „Es fehlt die Akzeptanz der Bürger“

Durmersheim (kos) – Die geplante Verstärkung der Stromtrasse des Betreibers Transnet BW zwischen Daxlanden und Eichstetten erhitzt weiter die Gemüter in Mittelbaden. Kritik kommt aus Durmersheim.

Die Strahlungen der Stromleitungen führen in der Nähe von Wohngebieten zu erheblichen Gesundheitsrisiken, meint Bürgermeister Andreas Augustin. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Die Strahlungen der Stromleitungen führen in der Nähe von Wohngebieten zu erheblichen Gesundheitsrisiken, meint Bürgermeister Andreas Augustin. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In einem Erörterungstermin des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe erhob die Gemeinde Durmersheim gegenüber der Transnet BW den Vorwurf, dass die betroffenen Bürger im Plan bewusst nicht ausreichend mitberücksichtigt wurden.
Es war ein emotional aufgeladenes Plädoyer für die Betroffenheit der Bürger, das Andreas Augustin, Bürgermeister von Durmersheim, gegenüber Vertretern des RP und Transnet BW vortrug: „Ich sehe die Interessen der Bürger zu wenig gewürdigt“, bemängelte Augustin die Pläne des Stromnetzbetreibers.

Zwischen Daxlanden und Eichstetten plant die Transnet BW einen umfassenden Ausbau der bereits bestehenden Stromtrasse. Das umfasst auch den Neubau von knapp 28 Masten und die gebietsweise Umleitung der Trassenführung – so zum Beispiel zwischen Mörsch und Durmersheim. Um frühzeitig die Einwendungen gegen das Großprojekt aufzunehmen, moderierte Miriam Schuler, zuständige Verfahrensjuristin des RP Karlsruhe, das letztlich über die Annahme oder Ablehnung des Bauantrags entscheidet, am vergangenen Montag einen Erörterungstermin. Dabei konnten Anwohner und Gemeinden Stellungnahmen und Einwände gegenüber den Vertretern des Stromnetzbetreibers und des RP äußern.

„Bürgerfreundlichkeit“ nicht genug beachtet

Von den im Raum Rastatt betroffenen Gemeinden gab es aus Durmersheim den größten Einwand. Tonangebend war dort der Aspekt der „Bürgerfreundlichkeit“, den Augustin mehrfach betonte. Es werde unverhältnismäßig viel über Umweltschutz gesprochen, aber zu wenig über das „Schutzgut Mensch“, brachte Augustin vor.

Der aktuell geplante Trassenverlauf liege viel zu dicht am Durmersheimer Wohngebiet, bemängelte der Bürgermeister. Betroffen seien daher Anwohner genau so wie Kindergärten und Schulen.

Sollte dieses Vorhaben wie geplant durchgesetzt werden, käme es daher zu erheblichen gesundheitlichen Risiken durch die konstant erhöhte elektromagnetische Strahlungen der Stromleitungen, so der Einwand des Bürgermeisters. Die möglichen Folgen permanenter Strahlung auf den Körper sei nicht in die Planung einbezogen, kritisierte Augustin.

Dem pflichtete auch Harry Block, Vertreter des Landesverbands Mittlerer Oberrhein des Bunds für Umwelt und Naturschutz, in zahlreichen Wortmeldungen bei. Block forderte die Transnet BW dazu auf, konkrete Messungen von elektromagnetischer Strahlung dort durchzuführen, wo die Trasse räumlich an die Wohngebiete heranrücken soll. „Wir müssen die Leute schützen, die da wohnen“, betonte er. Dazu brauche es genaue Angaben zur Strahlenbelastung, argumentierte er. Projektvertreter Bertram Bläschke und Jurist Winfried Posch konterten den Einwand mit den rechtlich erlaubten Grenzwerten für Strahlungen, die die Transnet BW einhalten würden.

Bürgerinitiative erwägt rechtliche Schritte

Dieses Problem ist aus der Sicht Augustins mit einer „besseren Variante“ einfach zu umgehen: Durch die Verlegung der Trasse weiter nördlich zwischen Durmersheim und Mörsch läge der Trassenverlauf ausreichend weit von den Wohngebieten entfernt und könnte anschließend entlang der Autobahn A5 verlaufen, so die Alternative. Diese „Nordumfahrung“ ziehe die Transnet BW aber nur wegen höherer Kosten nicht in Erwägung, kritisierten Augustin und Block übereinstimmend.

Die Hochspannung, die das Thema bei den Durmersheimer Bürgern erzeugt, zeigte sich deutlich durch den wiederholten Applaus aus dem Publikum. Block unterstrich dies rhetorisch, indem er von „Verarschung“ und „Bürgerverrat“ durch den Stromnetzbetreiber sprach. Sollte das RP dem Bauantrag der Transnet BW zustimmen, muss das Unternehmen mit Klagen von privat Betroffenen rechnen. Auch die Bürgerinitiative „Lokale Agenda 21 Durmersheim“ erwägt rechtliche Schritte, erklärte Vertreter Siegfried Baumgart am Montag.

Die Gemeinden Au am Rhein, Bietigheim und Ötigheim äußerten sich während des Erörterungstermins nicht und brachten vor Ort folglich auch keine Einwände vor. Das Landratsamt Rastatt werde schriftlich Stellung beziehen, sagte Miriam Schuler. Wann das RP als Planfeststellungsbehörde über den Bauantrag entscheiden wird, konnte Schuler noch nicht abschätzen.


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