Neue Werkstatthalle für Murgtalwerkstätten

Rastatt (sl) – Moderne Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung: Die Lebenshilfe Rastatt/Murgtal baut eine neue Werkstatthalle für die Murgtalwerkstätten. Die Einweihung soll im Januar stattfinden.

Statt eines herkömmlichen Grundsteins versenken die Verantwortlichen um Hasso Schmidt-Schmiedebach (rechts) eine Zeitkapsel mit aktuellen Tageszeitungen in der Wand des neuen Werkstattkomplexes. Foto: Frank Vetter

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Statt eines herkömmlichen Grundsteins versenken die Verantwortlichen um Hasso Schmidt-Schmiedebach (rechts) eine Zeitkapsel mit aktuellen Tageszeitungen in der Wand des neuen Werkstattkomplexes. Foto: Frank Vetter

Eine feierliche Grundsteinlegung begeht man eigentlich zum Beginn eines Neubaus. Die rund 1.700 Quadratmeter große und acht Meter hohe Werkstatthalle mit Bürokomplex und Sozialräumen der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal in der Alten Bahnhofstraße ist allerdings schon weit gediehen. Corona hatte den Verantwortlichen den festlichen Baustart im Frühjahr vermasselt, so holte man ihn nun kombiniert mit einem Richtfest nach. Nochmals das Glas erheben will man dann voraussichtlich im Januar, wenn der Neubau mit dem Namen „Rastatt III“ eingeweiht und den Mitarbeitern der Murgtalwerkstätten übergeben wird.

„Die steigende Anzahl von Menschen mit Behinderung im nördlichen Landkreis Rastatt machte es erforderlich, dass am Standort Rastatt eine weitere Werkstatt mit 62 Plätzen entsteht“, erklärte Hasso Schmidt-Schmiedebach, der Vorsitzende der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal, anlässlich der Feierstunde, bei der streng auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geachtet wurde. 36 Werkstattplätze werden neu geschaffen, und für 14 bereits besetzte Arbeitsplätze neue Räumlichkeiten errichtet, sagte Schmidt-Schmiedebach. Der Hauptschwerpunkt der Werkstatt liege auf der Metallverarbeitung mit modernen Maschinen.

Individuelle Bedürfnisse im Auge

Zusätzlich berichtete er von zwölf Werkstatt-Transfer-Plätzen, früher als „Betreutes Arbeiten Plus“ bezeichnet. Sie sollen den individuellen Bedürfnissen einiger Mitarbeiter der Werkstätten gerecht werden, die in der Regel schwer mehrfach behindert seien. In dieser Gruppe seien die Rahmenbedingungen so gestaltet, dass eine Teilnahme am Arbeitsleben trotz eines erhöhten Pflege-, Förder- und Betreuungsbedarfs möglich ist. Ergänzt wird die neue Werkstatt mit Büro-, Schulungs- und Sozialräumen. „Ein großes Projekt, das wir hier stemmen, welches wir Ende dieses Jahres beziehen werden“, ist Schmidt-Schmiedebach stolz.

Stolz sind auch die Investitionen. Rund drei Millionen Euro betragen die Baukosten, die vom Kommunalverband für Jugend und Soziales mit einer halben Million gefördert werden. Den Rest muss die Lebenshilfe aus Eigenmitteln und Darlehen aufbringen, wobei sich ein großer Teil der Kosten durch die künftigen Leistungsvergütungen durch den Landkreis refinanziert, wie der Geschäftsführer der Murgtal-Werkstätten und Wohngemeinschaften, Martin Bleier, dem BT erläuterte. Ihr nagelneues Hochregallager (wir berichteten) für 1,1 Millionen Euro nebenan musste die Lebenshilfe komplett alleine finanzieren. Es verfügt über 1 200 Paletten-Stellplätze und dient allen Standorten der Murgtal-Werkstätten. Dort sollen die Mitarbeiter auch im Logistik-Bereich ausgebildet werden.

Komplizierter Baugrund


Der neue Werkstattkomplex war lange geplant, Schmidt-Schmiedebach sprach von 13 Jahren. Auch Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch, der ein Grußwort sprach, erinnerte sich an eine Grundstücksbegehung zu Beginn seiner ersten Amtszeit: „Damals dachte ich, das müsste eigentlich recht schnell zu realisieren sein.“

Doch komplizierte Grundstückstauschgeschäfte und die aufwendige Erschließung des Geländes mit Zufahrtsmöglichkeiten für Lkw hätten das Projekt immer wieder verzögert, hieß es bei der Grundsteinlegung. Hinzu kam noch die Entsorgung von Altlasten aus dem Untergrund; das Areal diente einst den französischen Streitkräften zur Instandhaltung von Fahrzeugen: 700 000 Euro habe das gekostet.

Architekt Alwin Merkel wies auf die gute Durchlüftbarkeit der lichtdurchfluteten Halle hin, die in Stahlträgerbauweise errichtet sei. Im Innern dominiert klares Weiß. Die tragende Stahlkonstruktion ist in Anthrazit abgesetzt.

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Erstellt:
31. August 2020, 11:18 Uhr
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