Neuer Aussichtspunkt bei Bühlertal

Bühlertal/Bühl (sre) – Mit der Fällung weniger Bäume ist oberhalb von Bühlertal ein großer Effekt erzielt worden: Dort ist ein neuer Aussichtspunkt entstanden.

Ein spektakulärer Blick ins Tal ist an der Kohlbergwiese geschaffen worden. Foto: Martin Damm/Stadt Bühl

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Ein spektakulärer Blick ins Tal ist an der Kohlbergwiese geschaffen worden. Foto: Martin Damm/Stadt Bühl

Montagmorgen, 9.45 Uhr: Forstunternehmer Peter Kraus hat sich an der Kohlbergstraße unterhalb der Kohlbergwiese eingefunden. Seine heutige Aufgabe: Einen neuen Aussichtspunkt schaffen und ganz nebenbei noch etwas für Flora und Fauna tun. Die Aktion ist Teil einer breit angelegten Strategie im Bühler Forstbezirk, die seit Jahren konsequent verfolgt wird.

Wie lange es wohl dauern wird, bis man statt dem Blick auf den Wald eine Aussicht ins Tal hat? Kraus lacht: „Das Fällen geht schnell“, sagt er. Ein bisschen länger werde es dauern, die Stämme aus dem Wald zu ziehen und am Wegrand zu stapeln. Dorthin soll dann eine große Maschine kommen, die das Material häckselt, bevor es abtransportiert wird. Aber erst einmal wirft Kraus die Kettensäge an. Zunächst ist eine kleine Birke dran, kurz darauf fällt eine Buche, dann eine Tanne und eine Douglasie. In Minutenschnelle öffnet sich der Blick ins Tal und man erkennt bereits, wie spektakulär der Ausblick von hier aus ist.

Das Geheimnis liegt in der Topografie, verrät Forstbetriebsleiter Martin Damm: Einen solchen Aussichtspunkt könne man nur dort schaffen, wo der Hang unterhalb der ausgewählten Stelle relativ steil abfalle – dann habe das Fällen weniger Bäume bereits einen großen Effekt und ermögliche die Sicht in die Ferne. Besucher des Waldgasthauses Kohlbergwiese können diese Fernsicht künftig auf dem Weg ins Gasthaus genießen, und auch viele Mountainbiker kommen an der Stelle vorbei.

Noch am Montag ist von der Kohlbergstraße aus nur Wald zu sehen. Kurz darauf entsteht an dieser Stelle der Aussichtspunkt. Foto: Sarah Reith

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Noch am Montag ist von der Kohlbergstraße aus nur Wald zu sehen. Kurz darauf entsteht an dieser Stelle der Aussichtspunkt. Foto: Sarah Reith

Die Freude bei Wanderern, Auto- oder Radfahrern ist aber nicht die einzige Voraussetzung, die man im Bühler Forstbezirk für die Schaffung eines Aussichtspunktes im Hinterkopf hat: So wurde laut Damm für die Stelle in Bühlertal an der Kohlbergstraße gezielt ein felsiger Bereich ausgewählt. Indem man diesen freilegt, wird er zu einem wertvollen Lebensraum für wärmeliebende Arten wie Eidechsen.

„Hier oben können wir noch Aussichtspunkte schaffen“, sagt Damm mit leichtem Bedauern in der Stimme. „Unten in der Vorbergzone gehen sukzessive Aussichtspunkte verloren“, erläutert der Forstbetriebsleiter. Dort verbusche die Landschaft immer mehr, landwirtschaftliche Flächen könnten nicht mehr gepflegt werden. Das betreffe Streuobstwiesen ebenso wie Rebflächen: „Wir haben etliche Betriebe, die aufgeben und sagen: Das rechnet sich nicht mehr.“

Forstunternehmer Peter Kraus setzt die Kettensäge an – und fällt in Minutenschnelle zahlreiche Bäume. Foto: Sarah Reith

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Forstunternehmer Peter Kraus setzt die Kettensäge an – und fällt in Minutenschnelle zahlreiche Bäume. Foto: Sarah Reith

Zumindest im Waldbereich in den höheren Lagen kann man gegensteuern – und das ist auch notwendig: Mehr als 20 Jahre ist es mittlerweile her, dass Orkan Lothar in der Region wütete und Zehntausende Bäume entwurzelte. Die so entstandenen Sichtverbindungen wachsen naturgemäß wieder zu. Um den Wanderern weiterhin etwas bieten zu können, hat man sich im Bühler Forstbezirk auf eine ganze Reihe von Aussichtspunkten verständigt, die wieder freigelegt beziehungsweise freigehalten werden sollen.

Alle zehn Jahre wird eine Zielsetzung erarbeitet, bei der es unter anderem um die Erholungsfunktion des Waldes und folglich um für Besucher wichtige Punkte geht. Zuletzt wurden vor etwa sechs Jahren 18 Punkte vereinbart, an denen spezielle Maßnahmen getroffen werden sollten.

Beim Abarbeiten der Punkte ist man laut Damm gut vorangekommen: Zahlreiche zugewachsene Aussichten wurden mittlerweile wieder freigelegt – etwa am Mehliskopfturm, oberhalb des Wiedenfelsens, an der B 500 im Bereich des Adenauer-Brunnens, an der Kapelle Maria Frieden und am Schartenberg. Im vergangenen Jahr war dann der Bühler Stein in der Nähe der Burg Windeck an der Reihe. Und auch in Zukunft dürfte es den Forstleuten nicht langweilig werden: Schließlich wachsen die Aufgaben im Wald immer wieder nach.

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Erstellt:
31. März 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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