Neuer Blitzer in Rastatt erfasst auch Lastwagen – und irritiert Autofahrer

Rastatt (ema) – Der neue mobile Blitzer der Stadt Rastatt kann mehr, als nur Temposünder zu erwischen. Und das löst unter Autofahrern Irritationen aus.

Der neue mobile Blitzer in Rastatt kann nicht nur Temposünder, sondern auch Lkw-Fahrer ins Visier nehmen, die verbotenerweise die Ortsdurchfahrt nutzen. Foto: Stadt Rastatt

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Der neue mobile Blitzer in Rastatt kann nicht nur Temposünder, sondern auch Lkw-Fahrer ins Visier nehmen, die verbotenerweise die Ortsdurchfahrt nutzen. Foto: Stadt Rastatt

Beim Thema Radarmessungen schießt der Blutdruck vieler Nutzer in digitalen Netzwerken meist blitzartig nach oben. Das war in diesen Tagen nicht anders, als die Stadt Rastatt ihr neues mobiles Radargerät in der Bahnhofstraße positionierte. Mancher Aufschrei, man sei geblitzt worden, obwohl man doch das Tempo-30-Limit beachtet habe, könnte durchaus seine Berechtigung haben. Das liegt an einer Zusatzkompetenz des Geräts, die die Bußgeldstelle erstmals getestet hat.
250.000 Euro hatte die Stadt Rastatt in die semistationäre Radaranlage investiert, die seit Mitte November in Betrieb ist. Der Clou: Die Technik ist in einem Anhänger verbaut, kann flexibel am Straßenrand abgestellt werden und rund um die Uhr ihren Kontrolldienst verrichten.

Dass die Radaranlage Temposünder ins Visier nimmt, ist ihr allseits bekannter Daseinszweck. Und vom 13. bis 16. Dezember hatte der mobile Blitzer in der Bahnhofstraße ordentlich zu tun. 14.503 Fahrzeuge wurden erfasst – 935 Fahrer hatten gegen das Tempo-30-Limit verstoßen.

Das Gerät kann auf Wunsch aber noch mehr, wie Bußgeldstellenleiter Bernd Münster unserer Zeitung verriet. Erstmals hat die Stadtverwaltung mit der neuen Technik die Möglichkeit, Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen zu erfassen. Das spielt gerade in der Rastatter Ortsdurchfahrt eine Rolle, die für Lkw, die mehr als 7,5 Tonnen auf die Waage bringen, gesperrt ist. Das technische „Auge“ am Straßenrand, so erläutert Münster das Messprinzip, könne den Abstand zwischen Vorderachse und Hinterachse messen, woraus man schließen könne, ob ein Lkw mit entsprechender Gewichtsklasse vorbeigefahren ist.

100 Euro werden normal fällig

Erstmals probierte die Bußgeldstelle die neue Testvariante für die Brummis zwischen dem 14. und 15. Dezember aus. Innerhalb von 24 Stunden löste der Blitzer 592 Mal aus. Neben den Temposündern wurden 210 Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dokumentiert, davon 142 Linienbusse. Wäre es kein Testlauf gewesen, hätte die Bußgeldstelle die Ignoranz des Brummi-Durchfahrtsverbots mit jeweils 100 Euro geahndet.

Doch die Angelegenheit hat Haken. Bei der Auswertung müssen die Mitarbeiter des Ordnungsamts jene Fahrzeuge aussortieren, die quasi eine Sondererlaubnis besitzen. Was etwa bei Bussen und Müllautos noch relativ einfach zu klären ist, wird beim Anlieferverkehr schon schwieriger. Deshalb sind vor allem die geblitzten Lkw in den Abendstunden interessant, wenn Anlieferer in der Regel nicht mehr unterwegs sind. Münster: „Nachts gibt es keine Ausrede.“

Recherchebedarf besteht auch, weil in der Ortsdurchfahrt nur Lkw über 7,5 Tonnen verbannt sind. Welche der geblitzten großen Fahrzeuge in diese Gewichtsklasse fallen, müsste die Bußgeldstelle aus den Fahrzeugdaten herauslesen.

Weitere Einsatzgebiete für das Lkw-Auge sieht Bußgeldstellenleiter Münster etwa in der Oberwaldstraße oder der Plittersdorfer Straße. Vordergründig geht es um die Achtung des Durchfahrtsverbots. Das, so Münster, bedeute aber zugleich, dass man etwas zum Schutz der Bürger vor Lärm tue.

Bleibt die Frage, ob die Aufregung in den digitalen Netzwerken wegen vermeintlich falsch ausgelöstem Radar möglicherweise einen berechtigten Grund hat. Bernd Münster will das nicht ausschließen. Denn der mobile Blitzer könne zwei Spuren erfassen, wie es in der Bahnhofstraße der Fall ist. Und so ist es denkbar, dass ein Autofahrer, der sich brav ans Tempo-30-Limit hält, einen Blitz wahrnimmt, der aber in Wirklichkeit einem Lastwagen über 3,5 Tonnen auf der Nachbarspur galt.


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