Neuer Brandfühler für den Michaelstunnel in Baden-Baden

Baden-Baden (hol) – Der Michaelstunnel bekommt einen neuen Brandfühler. Deshalb wird die Röhre ab 8. November für eine Woche gesperrt sein. Die Bauarbeiten sollen rund um die Uhr laufen.

Referatsleiter Jürgen Ganthner erklärt am Schaubild, was im Michaelstunnel repariert werden muss. Foto: Harald Holzmann

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Referatsleiter Jürgen Ganthner erklärt am Schaubild, was im Michaelstunnel repariert werden muss. Foto: Harald Holzmann

In der zweiten Novemberwoche ist der Michaelstunnel komplett gesperrt. Autofahrer müssen dann auf andere Strecken ausweichen. Grund ist eine Nachrüstung des Brandmeldesystems in der Röhre.

Unscheinbar sieht es aus, das dünne rote Kabel, das an der Decke des Michaelstunnels hängt. Doch das Metallband ist eminent wichtig für die Sicherheit in der Röhre, denn es ist kein normales Stromkabel, sondern ein Brandfühler. 2019 hat das Linienbrandmeldekabel – so die offizielle Bezeichnung – jedoch viel Ärger gemacht, was öfter zu Tunnelsperrungen führte. Jetzt wird das defekte Teil ausgetauscht. Das Thema im Überblick:

Wann genau ist der Tunnel gesperrt?
Die Sperrung beginnt am Montag, 8. November, und dauert, wenn die Arbeiten planmäßig verlaufen, eine Woche. Die Fachleute vom Regierungspräsidium (RP) rechnen mit einer Öffnung der Röhre am Sonntag, 14. November – spätestens am Montagmorgen.

Welche Bauarbeiten stehen in dieser Zeit an?
Eine Spezialfirma wird fünf Kilometer neues Brandmeldekabel verlegen. Dafür sind die ersten drei Tage geplant. Am Donnerstag werden die Anschlüsse an die Schaltschränke und die Auswerteeinheiten in der Technik-Zentrale des Tunnels hinterm Festspielhaus erneuert. Am Freitag wird getestet, ob alles funktioniert – Samstag stehen dann zwei Brandversuche auf dem Plan, bei denen an zwei unterschiedlichen Stellen im Tunnel jeweils 20 Liter Benzin auf einer Fläche von vier Quadratmetern verbrannt werden. Schlägt das System an und ortet die Brände richtig, kann das alte Kabel (3.800 Meter) am Sonntag abgerissen werden.

Eine Woche für ein neues Kabel

Geht das nicht schneller?
Nein. Projektleiter Dennis Seldern vom RP betont, dass der Plan „eng getaktet“ sei. „Da darf nichts dazwischenkommen.“ Gearbeitet wird von Montag bis Sonntag übrigens rund um die Uhr in drei Schichten.

Wieso ist das Kabel überhaupt kaputt?
Das wissen die Fachleute nicht genau. Das Bauteil ist vor knapp zehn Jahren bei der großen Sanierung des Michaelstunnels eingebaut worden. 2019 tauchte der Fehler erstmals auf: Immer, wenn das Sicherheitssystem im Tunnel beispielsweise für die turnusgemäße Reinigung der Röhre komplett heruntergefahren wurde, ließ es sich nicht mehr starten, schildert der städtische Tunnelkontrolleur Harry Braunwart. Deswegen kam es zu etlichen stunden- und auch tagelangen Sperrungen, was zu massiven Verkehrsproblemen in der Stadt führte. 2020 fuhr man das System nicht komplett herunter – deshalb hielten sich die Störungen im vergangenen Jahr in Grenzen. Wo genau das Problem liegt, ist aber bis heute nicht bekannt.

Sicherheit wird im Michaelstunnel groß geschrieben. Foto: Harald Holzmann

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Sicherheit wird im Michaelstunnel groß geschrieben. Foto: Harald Holzmann

Ist der Austausch des Kabels ein Garantiefall?
Nein. Die Kosten für die Nachrüstung der Röhre in Höhe von rund 450.000 Euro bezahlt der Bund aus Steuergeldern. „Die Garantie für eine solche Anlage wird vom Hersteller in der Regel für fünf Jahre übernommen“, sagt RP-Referatsleiter Jürgen Ganthner. 2019 war das Kabel aber schon acht Jahre im Tunnel.

Wie funktioniert der Brandfühler eigentlich?
Das Kabel registriert ständig die Temperatur im Tunnel. Bei plötzlichen Temperaturänderungen in der Röhre schlägt die Anlage spätestens eine Minute nach Ausbruch eines Feuers Alarm und meldet der Feuerwehr auf wenige Meter genau, wo die Brandstelle liegt. Außerdem veranlasst die Software in der Technik-Zentrale des Tunnels automatisch eine auf den Brandort abgestimmte Be- und Entlüftung des Tunnels.

Auf welche Routen können Autofahrer während der Bauzeit ausweichen?
Die Sperrung des Michaelstunnels verursacht immer große Verkehrsprobleme in der Kurstadt. Deshalb sollte man, wenn möglich, in der fraglichen Woche die Innenstadt weiträumig übers Murgtal oder das Rebland umfahren. Die offizielle Umleitungsstrecke führt in beiden Richtungen über Waldsee-, Katzenstein-, Fremersberg- und Bertholdstraße. Viele Fahrer nutzen auch den Schleichweg über Schlossbergtangente, Sophien- und Stephanienstraße.

Ärgerlich, aber unumgänglich


BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert
Lang lief es recht störungsfrei im Michaelstunnel. Baden-Badens Kfz-Stent kanalisiert die Blechlawine auf der B 500 zwischen Verfassungsplatz und Lichtental unter dem Michaelsberg hindurch und um die Herzkammer der historischen und denkmalgeschützten Innenstadt herum. Wie es sich jetzt herausstellt, lag das aber nicht etwa an einer Wunderheilung der störungsanfälligen Technik, sondern daran, dass man seit Monaten durch einen technischen Trick die Störung umgeht. Und so dürften es viele Baden-Badener fast vergessen haben, dass die Brandmeldeanlage des Michaelstunnels vor gut zwei Jahren für eine Menge Ärger sorgte. Zur Erinnerung: Immer wieder kam es zu überraschenden Ausfällen und tagelangen Sperrungen. Irgendwann platzte dann auch Bürgermeister Alexander Uhlig die Hutschnur und er bestellte Vertreter der österreichischen Herstellerfirma ein, um mit ihnen über die Ursache der Probleme zu sprechen. Das bliebt freilich ohne Ergebnis, denn bis heute wissen die Fachleute nicht, wo genau der Fehler liegt. Also wird die ganze im Brandfall lebenswichtige Anlage mal eben auf Verdacht ausgetauscht. Die Kosten dafür – 450.000 Euro – sind kein Pappenstiel. Zahlen müssen wir Steuerzahler. Denn die Garantie für das Bauteil war 2019 leider schon abgelaufen. Eine ärgerliche Angelegenheit, die so mancher Verbraucher auch aus seinem Alltag kennt. Auch da kennen Hersteller und Händler kein Pardon, wenn ein Bauteil am Auto oder ein Küchengerät kurz nach Ablauf der Garantie ausfällt. Ärgerlich – aber im Falle des Brandfühlers ist der Austausch einfach unumgänglich. Auf Kosten der Sicherheit im Tunnel sollte schließlich nicht gespart werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Maßnahme denn auch tatsächlich das Problem behebt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
28. Oktober 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 39sec

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