Neuer Chef im Papierzentrum

Gernsbach (stj) – Von Berlin ins Murgtal: Rechtsanwalt Andre Müller ist seit 1. Juli neuer Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums Gernsbach.

Andre Müller. Foto: Stephan Kaminski

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Andre Müller. Foto: Stephan Kaminski

Die Einarbeitungszeit hat sich Andre Müller etwas anders vorgestellt: Der 44-Jährige ist seit sieben Monaten im Papierzentrum in Gernsbach beschäftigt, zunächst war er als Geschäftsführer bei der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) tätig, am 1. Juli hat er die Nachfolge von Stephan Meißner als Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums angetreten. Als dieser möchte er die Erfolgsgeschichte fortführen und den Betrieb mit seinen rund 100 Angestellten weiterentwickeln.

Schon während seiner Zeit in Berlin, wo Müller neun Jahre lang bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in der Abteilung Lohn- & Tarifpolitik (die letzten fünf Jahre als Leiter) gewirkt hat, pflegte er enge Kontakte nach Gernsbach. Die VAP ist Mitglied der BDA. Als der Abschied von Stephan Meißner abzusehen war, ist Müller gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, die Nachfolge anzutreten. So kam der zugelassene Rechtsanwalt, der in Bocholt (Nordrhein-Westfalen) aufgewachsen ist und sein Jura-Studium an den Universitäten Heidelberg, Bonn und Löwen (Belgien) absolvierte, von der Hauptstadt ins beschauliche Murgtal. Hier fühlt er sich sehr wohl, wie er im BT-Gespräch betont – auch wenn die Corona-Krise das Einleben erschwert habe. Noch wohnt er im Papierzentrum, doch zum 1. September bezieht er eine eigene Wohnung in Gernsbach.

Tarifrunde für die Papierindustrie startet am 9. September

Die beruflichen Herausforderungen zum Start als Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums könnten kaum größer sein. Die Branche ist aus einem „schwachen Jahr 2019“ ins Corona-Jahr geschlittert. Von diesem profitierten zwar zwischenzeitlich einige Produktionsstränge wie etwa der Bereich Lebensmittelverpackungen, andere aber rutschten in den Keller – zum Beispiel Verpackungsmaterialien für die Automobilindustrie. Der Hype um manche Artikel (Stichwort Hamsterkäufe) sei mittlerweile auch wieder abgeebbt, die Lager seien voll. „Insgesamt blicken wir auf ein sehr schlechtes erstes Halbjahr“, betont Müller, der sich allerdings „vorsichtig optimistisch“ zeigt, was die weitere Entwicklung anbelangt. Diese sei coronabedingt jedoch nur sehr schwer vorherzusagen: Keine einfachen Voraussetzungen für die am 9. September startende Tarifrunde für die Papierindustrie.

Von einem Krisenjahr müsse man auch bezüglich des operativen Geschäfts im Papierzentrum selbst sprechen. Der Lockdown im März hat den Schul- und Seminarbetrieb viele Wochen lang komplett stillgelegt. Der Bildungscampus, auf dem sich sonst junge Menschen aus ganz Deutschland und der Schweiz tummeln, war leer gefegt; Müller selbst wochenlang der einzige Gast im Tagungshotel. Auch als die Papiermacherschule Gernsbach – Schulzentrum Papiertechnik wieder loslegen konnte, blieb die Kapazität eingeschränkt – etwa im Internatsbereich, wo Vierbettzimmer nur einzeln oder zu zweit belegt werden dürfen. Alle größeren Veranstaltungen sind erst mal abgesagt. Der ganze Seminarbetrieb sei schwieriger zu planen und zu organisieren. „Da müssen wir uns noch digitaler bewegen“, nennt Müller eine Herausforderung für die nahe Zukunft.

Gut bestelltes Feld vorgefunden

Derzeit gehe es erst mal darum, die Corona-Krise zu meistern. Einen Corona-Fall habe es bisher nicht gegeben. Das zeige, dass man auf dem richtigen Weg ist, betont der Jurist, der gerade angesichts der Krisensituation froh ist, in Gernsbach ein gut bestelltes Feld vorgefunden zu haben. Er spüre die Dankbarkeit der Mitarbeiter, „hier einen sicheren Arbeitsplatz zu haben“, und erläutert: „Wenn eine Organisation in der Krise funktioniert, funktioniert sie auch sonst.“

Diese Voraussetzungen stimmen den Hauptgeschäftsführer positiv, was die Zukunft des Papierzentrums anbelangt. Man werde weiter in die Substanz der insgesamt 15 Gebäude investieren, um den Standort stets auf dem neuesten Stand zu halten, „schließlich steigen auch bei uns die Ansprüche der Gäste. Wir sind wie ein normaler Beherbergungsbetrieb mit Bildungsangebot: Das Seminar kann noch so gut sein – wenn das Essen nicht schmeckt, erinnert man sich später nur noch daran.“

Bezüglich des geplanten Neubaus eines Gästehauses an der Loffenauer Straße betont Andre Müller, dass dieses auf jeden Fall komme, man könne nur noch nicht sagen, wann. Die Genehmigung liege vor, aber „in so einer Krisensituation mit einem solchen Bauprojekt zu beginnen, haben wir als schwierig empfunden“, erklärt Müller: „Aber wir könnten jederzeit anfangen.“


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