Neuer Dirigent beim Harmonika-Spielring Kuppenheim

Kuppenheim (sawe) – In aller Stille hat sich coronabedingt der Stabwechsel beim Akkordeonorchester Kuppenheim vollzogen. Dirigent Heinz R. Huber hörte nach 37 Jahren auf, Nachfolger ist André Thoma.

Neuer Dirigent beim Harmonika-Spielring: André Thoma gibt seit Juli den Takt an. Foto: R. Metzger

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Neuer Dirigent beim Harmonika-Spielring: André Thoma gibt seit Juli den Takt an. Foto: R. Metzger

Der Harmonika-Spielring Kuppenheim hat einen neuen Dirigenten. Seit dem 1. Juli gibt dort André Thoma aus Haueneberstein den Takt an. Der langjährige Dirigent Heinz R. Huber hatte Ende März sein Engagement beim Akkordeonorchester beendet, weil er grundsätzlich etwas kürzer treten will, wie der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Hörig berichtet. Der Wechsel vollzog sich coronabedingt in aller Stille. Eigentlich sollte Huber, der das Orchester seit 1983 leitete, mit einem großen Konzert am 4. April in der neuen Veranstaltungshalle verabschiedet werden, doch die Pandemie machte alle Pläne zunichte. Dabei hatte der 62-Jährige, der sich eigentlich schon 2019 zurückziehen wollte, extra noch ein Jahr drangehängt, um nach vielen Jahren in der Wörtelhalle einmal ein Konzert im neuen Musentempel der Stadt dirigieren zu können. Damit der Abschied nicht sang- und klanglos vonstattengeht, hatten ihn Orchesterspielspieler am 4. April in seinem Wohnort Untergrombach mit ihrem Besuch überrascht und ihm ein Geschenk überreicht. Huber sei kein Mann, der Laudationen möge, erläutert Hörig, der den langjährigen Dirigenten als einfallsreich und reisefreudig bezeichnet.

Anspruchsvolle Kirchenkonzerte


Sehr anspruchsvoll seien stets die Kirchenkonzerte gewesen, die das Akkordeonorchester alljährlich mit Chören aus Kuppenheim, Raon L’ Etape und Bruchsal bestritten habe. Kirchenkonzerte wurden auch in Oberstdorf und Staufen zugunsten eines brasilianischen Waisenhauses gegeben, zudem fanden Open-Air-Konzerte in Schloss Favorite und 2017 sowie zuletzt 2019 im Südtiroler Ort Völs statt. Höhepunkt und bis heute unvergessen ist freilich die Konzertreise durch Neuseeland 1994/95 mit acht Konzerten und 60 Personen.

Heinz R. Huber war nach seinem Studium an der Musikhochschule Karlsruhe viele Jahre als Fachbereichsleiter an der Musikschule Mannheim sowie als Akkordeonist bei verschiedenen Rundfunksinfonieorchestern (SWR, HR, SRF), der Oper in Frankfurt, dem Ensemble Modern und als Manager des Barockensembles „Camerata Köln“ tätig und zudem Mitglied im Salon-Orchester „Schwanen“. Seit 2006 beteiligte er sich maßgeblich am Aufbau des Heisenberg-Privatgymnasiums Bruchsal und Ettlingen und zeichnet als künstlerischer Leiter seit 2015 für die Lehrerbigband im Regierungsbezirk Karlsruhe verantwortlich, berichtet Hörig.

Musiker und Triathlet

Für Hubers Nachfolger habe es zwei Kandidaten gegeben, nach einem Probedirigat im Oktober 2019 hätten sich die Musiker für André Thoma entschieden. Seit dem 3. Juli probt der Harmonika-Spielring nun mit dem vielseitig ausgerichteten neuen musikalischen Leiter und Musikpädagogen im Bauhofgelände am Kanaldamm. Thoma ist Jahrgang 1975. Mit acht Jahren erhielt er seinen Akkordeonunterricht im Akkordeonorchester Bernbach, in dem er auch später spielte. Mit 14 Jahren kam der E-Bass für die Rock- und Pop-Musik dazu. Thoma hat eine Kirchenorgelbauerausbildung und Dirigentenausbildung für Akkordeonorchester und sein Studium am Hohner-Konservatorium Trossingen für Akkordeonlehrer absolviert. Hinzu kamen berufsbegleitende Lehrgänge an der Bundesakademie in Trossingen für elektronische Tasteninstrumente (Keyboard, Recording) und für Popmusik an Musikschulen (mit Hauptfach E-Bass; Bandcoaching).

Thoma kann zudem auf jahrelange Erfahrung in Coverbands, Jazzcombos, Bigbands, Kirchenbands, Kleinkunstveranstaltungen oder als Theatermusiker zurückblicken. Derzeit ist er Akkordeonist der Band Tikibar. Seit Juni 2016 dirigiert er das Akkordeonorchester Harmonikaring Busenbach und seit September 2017 den Harmonikaring Wöschbach. Und wenn neben der Musik noch Zeit bleibt, widmet er sich dem Triathlon-Sport.

Großes Interesse an Probenarbeit

Bevor die Probenarbeit wieder aufgenommen werden konnte, hat der Vereinsvorsitzende ein Hygiene- und Abstandskonzept erstellt. Das Interesse der Musiker nach vier Monaten Zwangspause sei überwältigend gewesen, „ich war regelrecht geflasht“, freut sich der 63-Jährige über derlei Tatendrang. Auch der Einzelunterricht ist genehmigt und läuft seit Juli wieder, davor hat Ausbilderin Andrea van Boxel online unterrichtet. Gleichwohl bleibt der Blick in die Zukunft ungewiss. Bis auf den Kinderkleiderflohmarkt im Februar sind bislang wegen Corona alle Veranstaltungen abgesagt worden und damit wichtige Einnahmenquellen weggebrochen, wie auch das beliebte Bockbierfest. Und ob der Kinderkleiderflohmarkt im September stattfinden kann, steht derzeit noch in den Sternen. „Die finanzielle Situation ist noch ausreichend, aber schwierig“, urteilt Hörig. Für etwas Entlastung hätten Spenden der Sparkasse aus dem PS-Sparen, einem Förderprogramm der Volksbank sowie die übliche Vereinsförderung der Stadt Kuppenheim gesorgt. Wenn aber nächstes Jahr keine großen Einnahmen generiert werden können, dann liege der 1936 gegründete Verein ziemlich am Boden, stellt der Vorsitzende auch klar.

Apropos: Der neue Dirigent hat bereits seinen Einstand gegeben: Eigentlich hätte er bereits im Mai anfangen sollen, begann dann aber erst im Juli. Dieses Entgegenkommen habe dem Verein zwei Monate Honorar gespart.

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Erstellt:
23. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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