Neuer KSC-Scoutingleiter Freis im Interview

Karlsruhe (pepu) – Früher ging er für den Karlsruher SC in der Bundesliga auf Torejagd, nun hat er das Auge für vielversprechende Talente: Sebastian Freis ist neuer Scoutingleiter bei den Badenern.

Früher für den Karlsruher SC auf Torejagd, mittlerweile zuständig für das Scouting der Badener: Sebastian Freis. Foto: Oliver Hurst/GES

© GES-Sportfoto

Früher für den Karlsruher SC auf Torejagd, mittlerweile zuständig für das Scouting der Badener: Sebastian Freis. Foto: Oliver Hurst/GES

Eines war Sebastian Freis schon immer klar: Nach der aktiven Karriere wollte er im Fußballgeschäft bleiben. In welcher Funktion – das würde sich herausstellen. Einen Trainerjob jedenfalls strebte er nicht an. In welche Richtung es gehen sollte, wurde ausgelotet. Scouting war dabei für den mittlerweile 36-Jährigen immer schon ein sehr interessantes Thema.

„Ich habe bei allen Clubs, für die ich spielte, in deren Scoutingabteilung hineinschauen dürfen“, sagt der ehemalige Stürmer. Der einst pfeilschnelle und torgefährliche Angreifer spielte in der ersten Bundesliga für den Karlsruher SC, den 1. FC Köln und den SC Freiburg. In Liga zwei ging er für Greuther Fürth und Regensburg auf Torjagd. Freis hat daher ein enormes Netzwerk aufgebaut, das er als neuer Leiter der Scoutingabteilung nun im Sinne seines Heimatvereins KSC prima nutzen kann, wie der ehemalige Angreifer mit BWL-Bachelor im Interview mit Peter Putzing erklärt.

BT: Herr Freis, seit rund einem Jahr beobachten Sie als Scout potenzielle Spieler für den KSC. Jetzt hat man Ihnen einen größeren Zuständigkeitsbereich gegeben. Wie lautet Ihre Arbeitsplatzbeschreibung?
Freis: Die Scoutingabteilung wurde zur neuen Saison deutlich ausgebaut. Ich bin für die Koordination und den gezielten Einsatz aller KSC-Scouts zuständig. Und ich pflege alle daraus resultierenden fundamentalen Erkenntnisse in unser SAP-System ein. Danach arbeite ich die Ergebnisse so auf, dass sie für die Kaderplanung nützlich sind, wobei ich meine langjährige Erfahrung im Profifußball einfließen lasse.

Es geht um Fragen wie: Eignet sich ein Spieler für eine sofortige Verpflichtung oder braucht er noch eine Phase der Entwicklung, ehe er dem KSC helfen kann? Zudem ist es mir wichtig, noch enger mit dem Nachwuchsleistungszentrum zusammenzuarbeiten. Dort gibt es mit Sandro Sitter einen sehr guten hauptamtlichen Scout. Ich werde diese Schnittstelle pflegen, denn es kann durchaus sein, dass er einen Spieler scoutet, der mit seinem Anforderungsprofil mittelfristig für unseren Profikader interessant wird.

„Können Deutschland und das angrenzende Ausland sinnvoll abdecken“

BT: Das heißt: Sie sind nur für Spielerbeobachtung, nicht für Spielbeobachtung zuständig?
Freis: Dafür gibt es ein eigenes Team. Wenn ich zufällig den kommenden KSC-Gegner eine Woche zuvor gesehen habe, tausche ich mich natürlich mit Cheftrainer Christian Eichner aus. Die Hauptaufgabe lautet aber: Neue Spieler für den KSC finden.

BT: Wie viele Scouts gibt es und wo werden die eingesetzt?
Freis: Wir haben jetzt vier Regionalscouts plus Lothar Strehlau. Und auch ich bin zusätzlich vorwiegend im Südwesten Deutschlands unterwegs. Somit können wir Deutschland und das angrenzende Ausland sinnvoll abdecken. Auch unser technischer Leiter Sport scoutet Spieler.

BT: Sie haben Lothar Strehlau erwähnt. Der war bisher der Scoutingchef. Wie sieht das jetzt aus?
Freis: Er ist weiter Chefscout, an seiner Arbeit verändert sich nichts. Ich bin froh, von seiner Erfahrung profitieren zu dürfen. Meine Position im von uns beiden gemeinsam entwickelten neuen Scoutingkonzept ist ergänzend und unterstützend. Zum Beispiel dahingehend, dass ich die wöchentliche Koordination und Kommunikation mit den Scouts übernehme. Lothar kann sich ganz auf das Scouting konzentrieren.

BT: Auf was legen Sie als ehemaliger Bundesligaprofi das Hauptaugenmerk beim Scouting?
Freis: Beim Livescouting neben Basics wie zum Beispiel die Technik besonders auf Aktionen des Spielers abseits des Balls. Konkret: Laufwege, Konzentration und Antizipation auf Situationen im Umfeld, Kommunikation mit Mitspielern.

Schwerpunkt Liga drei

BT: Angenommen Sie haben ein Toptalent gescoutet. Wie weit geht Ihre Entscheidungsbefugnis hinsichtlich dessen Verpflichtung?
Freis: Ich entscheide, wo wir unsere Scoutingressourcen einsetzen. Eine Verpflichtung fällt nicht in den Kompetenzbereich des Scoutings. Wir geben Empfehlungen, haben aber keinen direkten Einfluss auf die weiteren Entscheidungen bis hin zu einer Verpflichtung.

BT: Haben Sie schon Vorschläge hinsichtlich der aktuellen Neuzugänge gemacht?
Freis: Ich habe schwerpunktmäßig in Liga drei gescoutet, von da kamen Leon Jensen und Lucas Cueto. Inwieweit meine Scoutingergebnisse Verpflichtungen beeinflusst haben, kann ich aber nicht abschließend beurteilen. In der Regel fließen immer mehrere verschiedene Einschätzungen zusammen, um einen Spieler zu verpflichten.

BT: Ihre nächsten Ziele?
Freis: Mit viel Fleiß Erfahrungen sammeln und mir Wissen im Scouting aneignen. Ich darf in dieser Position Verantwortung fürs komplette Scouting übernehmen und möchte meine eigenen Ideen einbringen, um den KSC dort weiterzuentwickeln. Ein weiteres persönliches Ziel: Es gibt seit einem Jahr vom DFB einen Lehrgang für Sportmanager. Ich werde versuchen, nach der Corona-Krise an diesem als Teilnehmer dabei zu sein. Thomas Kessler, Marcel Schäfer, Christian Gentner – alles Ex-Mitspieler von mir – haben daran teilgenommen und waren begeistert.

„Im Idealfall finanzieller Mehrwert“

BT: Der KSC hat in den vergangenen fünf Jahren keinen Spieler entdeckt und verpflichtet, der nur in einer tieferen Liga als der KSC aktiv war und in der Folge im Wildpark Stammspieler wurde. Zuvor waren solche Treffer mit Grischa Prömel oder Manuel Torres gelungen. Beide hatten vor dem Wechsel zum KSC nur Regionalliga-Erfahrung. Warum wird das jetzt mit Sebastian Freis wieder besser?
Freis: Wir können mit unserer neuen Struktur und mehr Manpower jetzt intensiver und flächendeckender scouten. Ziel beim KSC muss sein, Spieler zu scouten, zu verpflichten und zu entwickeln, damit für den Verein im Idealfall auch ein finanzieller Mehrwert herausspringt. Aber: Das Scouting ist nur der wichtige Anfang des Prozesses, dann muss der Trainer mit den neuen Spielern gut arbeiten, danach der Manager erfolgreich verhandeln.

BT: Apropos erfolgreich. Haben Sie eine Erfolgsbeteiligung?
Freis: Nein, das wäre Unsinn. Und Erfolg ist auf diesem Gebiet auch nicht unmittelbar nachweisbar. Zudem könnte so etwas sehr schnell zu Interessenskonflikten führen. Ein schöner Erfolg wäre es für mich, wenn ich auch nach meiner aktiven Karriere ein zweites Mal meinen Beitrag dazu leisten kann, dass der KSC seine sportlichen Ziele in Zukunft erreicht.

Zum Artikel

Erstellt:
5. September 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 54sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.