Neuer Koordinator im Waldhägenich

Bühl (fvo) – Matthias Mößner ist seit 1. Dezember neuer Schutzgebietsbetreuer im Waldhägenich. Sein erklärtes Ziel: Alle Akteure beteiligen und zwischen Freizeit- und Naturschutzinteressen vermitteln.

 Spannende Aufgabe: Matthias Mößner, der neue Schutzgebietsbetreuer im Waldhägenich.  Foto: Stadt Bühl

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Spannende Aufgabe: Matthias Mößner, der neue Schutzgebietsbetreuer im Waldhägenich. Foto: Stadt Bühl

Die grüne Farbe ist ihm schon mal ganz auf den Leib geschnitten, zumindest kleidungstechnisch, und auch die Vogellaute beherrscht er aus dem Effeff. Doch das sind wahrlich nicht die einzigen Qualifikationen, die Matthias Mößner als neuer Schutzgebietsbetreuer des Waldhägenichs mitbringt. Bühls OB Hubert Schnurr ist jedenfalls froh, mit dem 47-jährigen Denzlinger nach langer Suche einen geeigneten Nachfolger für Joachim Doll gefunden zu haben. Er sei ein „absoluter Fachmann, der ein hervorragendes naturschutzfachliches und ornithologisches Wissen besitzt“. „Ein wertvolles Stück Kulturlandschaft mit viel Entwicklungspotenzial“, so umriss Mößner sein künftiges Aufgabengebiet und sprach von einer „spannenden und verantwortungsvollen Aufgabe“, sich künftig um ein echtes Filetstück kümmern zu dürfen. Sein Credo: „Schutzgebietsziele können nur durch die Partizipation und Integration aller Akteure in den Managementprozessen effektiv erreicht werden.“ Neupädagogisch gesagt also die Kunst, alle Beteiligten mitzunehmen. Und dabei übernimmt der Schutzgebietsbetreuer natürlich „die zentrale Rolle“ als Koordinator.

Konkret beinhaltet sein Job neben praktischer Landespflege, Umweltbildung und Monitoring (Flora/Fauna) auch die Organisation von Führungen, um naturräumliche Zusammenhänge zu vermitteln, sowie die Betreuung und Beratung von Landwirten und nicht zuletzt die naturschutzfachliche Weiterentwicklung des Gebiets.

Verbotsansatz hilft nicht weiter

Besonders am Herzen liegt Mößner die Vereinbarkeit von Freizeit- und Naturschutz-Interessen. „Ziel ist, allen einen Zugang zum Gebiet zu ermöglichen und zugleich mit einer guten Besucherlenkung sensible Bereiche intelligent zu schützen“, so Mößner, der in den kommenden Wochen zunächst evaluativ eine Bestandsaufnahme macht, wie die Schutzziele bisher erreicht wurden.

Seit 1. Dezember ist der Südbadener nun für das rund 550 Hektar große Natur- und Landschaftsschutzgebiet zuständig, was als Aufgabe auch „Neuland für mich“ ist, ihn aber nicht unvorbereitet trifft.

Der vierfache Familienvater hat ein Studium der Forstwissenschaften und Naturschutz/ Landschaftspflege in Freiburg absolviert mit Fokus auf ornithologischen und auerhuhnspezifischen Themen. Aktuell belegt er berufsbegleitend ein Masterstudium in Geoinformatik. Die Stelle in Bühl ist wie bisher auf 50 Prozent ausgelegt und nicht bei der Stadt, sondern bei der Naturschutzstiftung Waldhägenich angesiedelt. Die Vereidigung durch das Regierungspräsidium findet kommende Woche statt.

Bei seinen Aufgabenfeldern darf Mößner nicht zuletzt auf die Unterstützung des Fachbereichs Stadtentwicklung sowie der engagierten Mithilfe eines Bundesfreiwilligendienstlers (Bufdi) zählen. Ganz zu schweigen der Support des Regierungspräsidiums. „Allein die Tatsache, dass es hier eine amtliche Naturschutzkraft gibt und wie sie unterstützt wird, zeigt die Wertigkeit des Waldhägenichs“, betont Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung. Jetzt gehe es darum, den Besuchern zu „zeigen, warum welche Bereiche zugänglich und warum welche besonders wertig und schützenswert sind“, so die neue Philosophie.

Offenes Ohr für Bürgerwünsche

Eine partizipative Dialogkultur, die durchaus einen Paradigmenwechsel nach früherer Verbotskultur darstellt und sich auch schon bei den Absprachen im Bereich Moos und Modellflugplatz bewährt habe. Der bisherige regulative, normative Ansatz hat sich „in modernem Management jedenfalls als nicht zielführend erwiesen“, so Mößner, der für etwaige Bürgerwünsche jederzeit ein offenes Ohr hat. Ein hehres Ziel ist nicht zuletzt die Wiederansiedlung des Brachvogels, sprich die Verbesserung des Lebensraums, von dem es aktuell vor Ort keine Brutstätten gibt.

Vor ein paar Jahren hatte Mößner das Gebiet zum ersten Mal privat für bioakustische Feldaufnahmen erkundet und „war sehr angetan“ von diesem Juwel, das laut OB Schnurr mit seiner Kern- und Randzonenanordnung ja auch „Vorbildcharakter für den Naturpark Schwarzwald im Kleinen“ hat.

Bleibt zuletzt nur noch die Frage, wie viel Vogellaute der neue „Hüter des Hägenichs“ erkennungstechnisch drauf hat, immerhin schon in frühen Jahren sein Hobby. „Eigentlich alle europäischen Arten“, sagt er vor staunender Presserunde – und das sind immerhin 400.

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Erstellt:
11. Dezember 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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