Neuer Landrat: Matchplan führt an die Landkreis-Spitze

Rastatt (sie) – Christian Dusch tritt am Mittwoch sein Amt als Rastatter Landrat an. In den vergangenen Wochen hat er sich bereits in einige Themen eingearbeitet.

Neuer Arbeitsplatz: Christian Dusch tritt sein Amt als Landrat des Landkreises Rastatt an. Die Mehrheit der Kreistagsmitglieder hatte ihn am 12. Oktober gewählt. Foto: Holger Siebnich

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Neuer Arbeitsplatz: Christian Dusch tritt sein Amt als Landrat des Landkreises Rastatt an. Die Mehrheit der Kreistagsmitglieder hatte ihn am 12. Oktober gewählt. Foto: Holger Siebnich

Der Titel könnte vermuten lassen, der Landkreis Rastatt werde künftig mit harter Hand geführt. „Staat und Strafe“ steht über der Dissertation, die den künftigen Landrat Christian Dusch (CDU) vor zehn Jahren zum Doktor gemacht hat. Auch als Schiedsrichter hat der 43-Jährige in der Vergangenheit bis in höhere Ligen gezeigt, dass er die Kontrolle behalten kann. Wegbegleiter beschreiben ihn trotzdem als ausgleichende Persönlichkeit.
Dass der Jurist jemand ist, der Argumente mit der notwendigen Sorgfalt abwägt, zeigt schon das Fach, in dem er 2011 promovierte: Philosophie. Sein Einstieg in die Themen Politik und staatliche Verantwortung waren Ende der 90er Jahre vergleichsweise bodenständig. Als Zivi arbeitete er im Kehler Stadtteil Auenheim in einem Jugendkeller und war der Meinung, dass seine Heimatstadt Rheinau so etwas auch benötige.

„Ich habe mich auf die Suche gemacht, wo man sich dafür einsetzen kann“, sagt er. So landete er im selben Jahr auf der Liste der CDU für die Wahl des Gemeinderats. Die politische Färbung war damals eher Zufall. Die SPD gab in dem Gremium mit absoluter Mehrheit den Takt an. Ihre Liste war voll, „die CDU hatte noch Platz“.

Im ersten Anlauf klappte es allerdings nicht. 2004 holte er aber genug Stimmen, um in den Gemeinderat einzuziehen. Zwei Jahre später wurde er Fraktionsvorsitzender. In dieser Position lag es auf der Hand, dass er im Gespräch als Kandidat für die Bürgermeisterwahl seiner Heimatstadt war, die ebenfalls 2006 stattfand.

Zügig geht es nach oben

Zu dieser Zeit studierte Dusch Jura und Philosophie in Freiburg. Die Möglichkeit, die Geschicke in Rheinau zu übernehmen, war für ihn damals eine „faszinierende Option“. Am Ende ging er nicht ins Rennen. Es sei eine Vernunftentscheidung gewesen, die Politik vorerst nicht zum Beruf zu machen, sondern eine Karriere in der Verwaltung anzustreben: „Das Fenster war nicht offen, auch aus privaten Gründen.“

Nach Promotion und zweitem Jura-Staatsexamen kletterte er die Leiter ab 2011 zügig nach oben. Vom Finanzbeamten in Rastatt bis zum Baudezernenten im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald dauerte es nur zwei Jahre. In derselben Behörde leitete er auch den Abfallwirtschaftsbetrieb. Es folgte eine Professur an der Verwaltungshochschule in Kehl.

Seine Zielstrebigkeit hat auch Annette Fritsch-Acar stets beeindruckt. Sie war im Gemeinderat viele Jahre seine Stellvertreterin als Sprecherin der CDU/FWG-Fraktion, seit 2018 hat sie seine Nachfolge angetreten. „Ich habe Christian Dusch als gewissenhaft, fleißig und verträglich kennengelernt“, sagt sie.

Für sie sei er immer ein guter Diskussionspartner und Ratgeber gewesen: „Andere Meinungen hört er interessiert an, geht in die Diskussion und überprüft dabei auch seine eigene Haltung.“ Dusch versucht laut der Honauer Ortsvorsteherin seinen Diskussionspartner zu gewinnen, aber nicht zu besiegen.

Er selbst spricht sich gefestigte Grundüberzeugungen zu, auch was Rolle und Aufgabe des Staats angeht. Er findet es richtig, dass der öffentlichen Hand eine ordnende und koordinierende Funktion zukommt. „Ich bin ja nicht umsonst Schiedsrichter geworden“, sagt er und lacht.

Der Hauptgrund dafür war allerdings mangelndes Talent am Ball. Sein Vater war Fußballer und hätte sich gefreut, wenn es auch der Sohn geworden wäre. „Aber beim ersten Training hat er gesehen: Ich werde es nicht“, sagt Dusch. Stattdessen griff er zur Pfeife und leitete zehn Jahre lang Spiele bis hoch in die Verbandsliga. „Das hat mich gelehrt, wie man mit berechtigter oder auch unberechtiger Kritik umgeht“, sagt er.

Reiner Dehmelt, der ehemalige Bürgermeister von Hügelsheim und selbst Schiri, beurteilt im Fußballbezirk Baden-Baden die Leistung der Referees. Er hat Dusch seit dessen Jugendjahren beobachtet: „Er ist authentisch, hat eine klare Linie und einen guten Matchplan.“ Auch in der Politik kreuzten sich ihre Wege oft. Bevor sich Dusch als Landrat bewarb, fragte er Dehmelt um Rat. Dieser ist überzeugt: „Wir kriegen einen sehr guten Landrat.“

Ob Dusch auch für Dehmelts Heimatgemeinde Hügelsheim schnell etwas erreichen und Bewegung in die festgefahrene Diskussion über den A5-Anschluss für den Baden-Airpark bringen kann, bezweifelt der ehemalige Bürgermeister allerdings: „Das ist ein verdammt dickes Brett.“

Dusch will sich trotzdem bemühen, einen schon lange angekündigten runden Tisch mit Vertretern des Regierungspräsidiums und des Verkehrsministeriums zu terminieren, „möglichst schnell, Anfang 2022“. Auch in andere Großbaustellen des Landkreises hat er sich eingearbeitet.

Die Zukunft der Entsorgungsanlage „Hintere Dollert“ will er zur Chefsache machen. Bereits in zwei Wochen muss er am 14. Dezember die Sitzung des Kreistags leiten, in der die Mitglieder über die mögliche Schließung der Geburtsstation im Rastatter Krankenhaus entscheiden.

Dabei stand er noch bis Dienstag als Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein in Freiburg in der Pflicht. Es ist ein nahtloser Übergang in den neuen Job, ohne einen Tag Urlaub. Der Umzug in den Landkreis gemeinsam mit seiner Partnerin und dem einjährigen Sohn muss deshalb voraussichtlich bis 2022 warten: „Wir werden in aller Ruhe suchen.“ Der erste Blick auf den Immobilienmarkt in Mittelbaden habe aber bereits gezeigt: „So leicht wird das nicht.“ Bei der Eigenheimsuche könnte eine Eigenschaft nützlich sein, die er in der Politik für ganz entscheidend hält: Durchhaltevermögen. Die offene Jugendarbeit, wegen der er sich 1999 für den Gemeinderat in Rheinau bewarb, führte die Stadt schließlich 2007 ein.

JG 04.12.202102:10 Uhr

sehr guter und informativer Artikel


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