Neuer Modus für Handballer in Südbaden

Baden-Baden (moe) – Die Entscheidung ist gefallen: Die Handballer gehen in Südbaden mit einem veränderten Modus in die verkürzte Saison. Die Vereine begrüßen die Entscheidung.

MuKu-Spielertrainer Benny Hofmann (am Ball) muss sich in der Vorrunde in acht Derbys beweisen – nicht nur gegen die Abwehrformation der SG Steinbach/Kappelwindeck.Foto: Seiter

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MuKu-Spielertrainer Benny Hofmann (am Ball) muss sich in der Vorrunde in acht Derbys beweisen – nicht nur gegen die Abwehrformation der SG Steinbach/Kappelwindeck.Foto: Seiter

Das Coronavirus hat vor rund vier Monaten nicht nur dafür gesorgt, dass die damals laufende Handball-Saison flächendeckend abgebrochen wurde, die Auswirkungen der Krise sind nun auch dafür verantwortlich, dass in der kommenden Runde, die am Wochenende rund um den 3./4. Oktober beginnen soll, erstmals nach einem neuen Modus gespielt wird. Das hat der Südbadische Handballverband (SHV) auf einer Sitzung am Mittwochabend entschieden, gestern nun wurde die Verfahrensänderung offiziell kommuniziert.

„Die Spielsysteme für die Südbadenligen und die Landesligen teilen die Spielklassen in der Vorrunde in je zwei regional eingeteilte Gruppen. Jede Mannschaft spielt zuerst in Hin- und Rückspiel gegen die anderen Mannschaften in der Gruppe“, heißt es in der Mitteilung des Verbands: „Die Mannschaften der oberen Tabellenhälfte qualifizieren sich dann für die Meisterrunde, die Mannschaften der unteren Tabellenhälfte für die Platzierungsrunde.“ Diese Variante ist das Ergebnis von Beratungen innerhalb einer Arbeitsgruppe aus den Spieltechnikern des Verbands, der Bezirke sowie deren Vorsitzenden.

SHV-Präsident Alexander Klinkner bezeichnete die jetzige Herangehensweise im BT-Gespräch als „die sichere Lösung, die eine höhere Wahrscheinlichkeit verspricht, dass wir am Ende zu einem sportlichen Ergebnis kommen“. Es gebe zwar weniger Spiele in der anstehenden Saison – in der 16 Teams starken Südbadenliga der Männer sind es 22 statt regulär 30 Partien –, „dafür gibt es zwei Saisonhöhepunkte: das Ende der Vorrunde und das Ende der Hauptrunde“, betont Klinkner.

Hygienekonzept soll in zehn Tagen vorliegen

Ob dieser Ansatz auch das Potenzial für eine dauerhafte Lösung hat, vermochte der oberste Funktionär Südbadens gestern selbstredend noch nicht zu sagen: „Spielen wir einfach mal und hoffen, dass alles gutgeht“, so Klinkner, der die vergangene, aber auch die anstehende Runde als „Sondersituation“ bezeichnet.

Genau aus diesem Grund waren im Vorfeld der Entscheidung die betroffenen Vereine eingebunden, die Clubs konnten bis vergangenen Freitag über eine reguläre sowie die modifizierte Variante abstimmen. Die Ergebnisse fielen laut SHV „zum überwiegenden Teil mit sehr deutlicher Mehrheit, teilweise sogar einstimmig“, für die Krisenvariante aus.

Während es aus dem Bezirk Offenburg, der allein schon aufgrund seiner schieren Größe deutlich „zerrissener“ (O-Ton Klinkner) ist, deckt sich das klare Votum mit den Reaktionen aus dem Bezirk Rastatt. Viele Clubs standen dem Konzept unter anderem deshalb so positiv gegenüber, weil in den bereits Anfang der Woche vorgestellten Vorrundengruppen Derbys am Fließband anstehen. In den Landesligen beispielsweise bestehen die regionalen Mini-Klassen ausschließlich aus Teams aus dem Bezirk Rastatt. Diesbezüglich hat es im Vergleich zur ursprünglich kommunizierten Variante nur eine kleine Änderung gegeben: Die Landesliga-Handballerinnen des ASV Ottenhöfen wechseln auf eigenen Wunsch von Gruppe zwei in Gruppe eins, dem Team von Neutrainer Stefan Junker in der Vorrunde Lokalkracher gegen sechs weitere Teams aus dem Bezirk garantiert.

Ligen werden auf Soll-Stärke zurückgeführt

Mit der jetzigen Entscheidung ist zwar eine weitere Hürde genommen, dennoch wartet auf den SHV, vor allem aber auch auf die Vereine noch jede Menge Arbeit. Während der Verband in den kommenden Tagen die Rahmenterminpläne verschicken will, damit die Hallenreservierungen erfolgen können, und die Spielplaner in den Bezirken parallel an den Rundenkalendern basteln, müssen die Vereine in Sachen Freundschaftsspiele noch etwas Geduld haben. Klinkner betont, dass der Verband bis dato noch keine Genehmigungen für Testspiele erteilen kann, weil man selbst noch auf die Vorlage „eines sicheren und praktikablen Hygienekonzepts“ warte, das vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Deutschen Handballbund (DHB) erarbeitet wird. Dieses soll, so Klinkner gestern gegenüber dem BT, bis in zehn Tagen vorliegen: „Wir kommen auch diesbezüglich bald vorwärts.“ Aber: „Es bleibt anspruchsvoll“, betont der SHV-Boss.

Das gilt freilich auch aus sportlicher Sicht. Denn nach dem coronabedingten Verzicht auf Absteiger werden nach Ende der Runde 2020/21 die Klassen „auf ihre Soll-Stärke zurückgeführt. Dies führt zu einer erhöhten Anzahl von Absteigern und wird auch dazu führen, dass es keine Relegation nach oben oder unten geben wird“.

Reaktionen der Vereine

Beim Großteil der Vereine stößt der neue Modus auf Zustimmung, Nadja Schmidt beispielsweise, die sportliche Leiterin von Phönix Sinzheim, findet gerade die Vorrunden in den einzelnen Ligen „mega attraktiv“. Das lässt sich unschwer nachvollziehen, schließlich stehen nahezu allwöchentlich Derbys auf dem Plan. Obendrein besteht aus Sicht von Schmidt bei der neuen Variante mit Blick auf eine mögliche weitere große Pandemie-Welle ein viel größeres Maß an „Sicherheit, dass nicht wieder die ganze Saison abgebrochen werden muss“. Zudem unterstreicht Schmidt die vielversprechende Aussicht, dass man „nicht mehr absteigen kann“, sollten alle Teams in der Vorrunde unter den ersten Vier landen. In erster Linie aber hat die Sinzheimer beim Festhalten am regulären Spielplan das avisierte Saisonende Mitte Juni „abgeschreckt“.

Beim TVS Baden-Baden, der mit seiner Reserve als Aufsteiger in der Südbadenliga an den Start geht – die Frauen sind als SG Baden-Baden/Sandweier in der Landesliga ebenfalls betroffen –, stand auch das Thema Sicherheit im Fokus, vor allem aus logistischer Sicht: „Bei dieser Variante können wir deutlich besser planen, es gibt deutlich mehr Puffer“, betont der sportliche Leiter Simon Riedinger. Genau dieser Aspekt kommt aus seiner Sicht bei den Planungen für den Saisonstart in der Oberliga deutlich zu kurz. Für die erste Mannschaft in der Eliteklasse geht Riedinger von einer regulären Runde aus, die wohl schon am 13. September beginnen könnte.

Bei der SG Steinbach/Kappelwindeck hat man laut Peter Gerber „lange diskutiert“, sich aber letztlich auch für den Corona-Modus entschieden. In der Vorrundengruppe zu bestehen, sei für das Männerteam in der Südbadenliga zwar eine „schwere Aufgabe“, angesichts der Krisenlage sei der jetzige Vorschlag die „beste Lösung“.

„Völlig d’accord“ geht auch Carl Josenhans, Vorsitzender der SG Muggensturm/Kuppenheim. Auch dort wurde teils kontrovers diskutiert, doch die Möglichkeit in der regional gespielten Vorrunde, mit weniger Spielen, also auch weniger Aufwand, mehr Publikumswirksamkeit zu erzeugen, habe letztlich den Ausschlag gegeben.

Bereits vor der gestrigen Entscheidung hatte auch Ralf Ludwig, Cheftrainer des TuS Helmlingen, seine Zustimmung für die Krisenvariante signalisiert. (moe)


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