Neuer Papierkram bei Bargeldeinzahlungen

Baden-Baden/Bühl (tas) – Privatkunden, die mehr als 10.000 Euro zu ihrer Bank bringen, müssen nun die Herkunft des Geldes nachweisen. Ab 8. August gibt es hier strengere Vorschriften.

Einen großen Batzen Bargeld bei der Bank einzahlen: Ab 8. August gibt es hier strengere Vorschriften. Foto: Matthias Balk/dpa

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Einen großen Batzen Bargeld bei der Bank einzahlen: Ab 8. August gibt es hier strengere Vorschriften. Foto: Matthias Balk/dpa

Auch wenn das Zahlen mit Plastikgeld und via Smartphone immer wichtiger wird – die Deutschen lieben ihr Bargeld. Laut der Deutschen Bundesbank wird auch heute noch die Mehrheit aller Transaktionen an der Ladenkasse mit Scheinen und Münzen abgewickelt, vor allem bei kleinen Beträgen.

Dass Bares den Bürgern wichtig ist, zeigt auch eine Studie von Barkow Consulting im Auftrag der Bank ING Deutschland. Der zufolge haben die Haushalte in der Republik bis Ende 2019 insgesamt 253 Milliarden Euro an Bargeld gehortet, Tendenz steigend. Denn die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Bestände aufgrund der Konsumunlust weiter wachsen werden.

Doch der Europäischen Union ist Bargeld eher ein Dorn im Auge – vor allem große Beträge, die kriminelle Organisationen gern über Immobiliengeschäfte oder Autokäufe zu waschen versuchen. Und auch bei Bargeldeinzahlungen auf Girokonten und beim Kauf von Edelmetallen oder dem Umtausch von Fremdwährungen zieht der Gesetzgeber nun die Daumenschrauben an.

Wer beispielsweise künftig Münzen am Bankschalter eines Instituts ohne entsprechendes Kundenkonto kaufen und bar bezahlen will (Gelegenheitsgeschäft), der wird ab kommender Woche bereits ab einem Betrag von 2.500 Euro einen Nachweis über die Herkunft des Geldes mitbringen müssen. Darauf weist die Sparkasse Bühl hin und macht auf aktuelle „Anwendungshinweise“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) aufmerksam. Grundlage ist das Geldwäschegesetz in seiner Fassung vom 15. Januar 2021. Dasselbe gilt beim Verkauf von Edelmetallen an die Bank. Auch hier erwartet das Institut einen Nachweis darüber, wo die entsprechenden Werte zuvor erworben wurden.

Nachweisgrenze bei 10.000 Euro

Bei der Einzahlung von Bargeld aufs Giro- oder Sparkonto liegt die Nachweisgrenze ab 8. August bei 10.000 Euro. Wer also fünfstellige Summen von den Eltern oder Großeltern bekommen hat, sollte die Schenkung auch nachweisen können. Das gilt ebenso für den Verkauf eines Fahrzeugs, hier reicht der schriftliche Kaufvertrag aus. „Falls der Kunde den Herkunftsnachweis nicht sofort erbringen kann, hat er einen Zeitraum von vier Wochen, diesen zu erbringen“, heißt es von der Sparkasse Bühl auf BT-Nachfrage. Auch Barauszahlungsquittungen anderer Institute werden akzeptiert, genauso wie Testamente, Erbscheine, Kontoauszüge oder ähnliche Nachweisdokumente. Gewerbliche Kunden sind von dieser neuen Regelung ausgenommen.

Nicht nur für die Verbraucher, die ihre Unterlagen über Käufe, Verkäufe, Schenkungen oder das Erbe gut aufbewahren müssen, sondern auch für die Geldhäuser bedeuten die neuen Bafin-Vorschriften zusätzliche Bürokratie. Allerdings will beispielsweise die Volksbank Karlsruhe Baden-Baden den Aufwand hier möglichst gering halten. Eingescannt werde ein Nachweisdokument nicht, sagt Volksbank-Sprecher Thomas Nusche auf Nachfrage des BT. „Der Berater verfasst einen entsprechenden Vermerk im EDV-System.

In Einzelfällen, in denen tatsächlich kein Nachweis vorgelegt werden kann – zum Beispiel langfristig Erspartes –, dies jedoch nachvollziehbar ist, erfassen die Beraterinnen und Berater anhand der mündlichen Angaben des Kunden die Herkunft des Geldes.“ Ergänzt werde jedoch, dass kein Herkunftsnachweis existiere und die Angaben auf mündlichen Aussagen des Kunden beruhten. Für die erforderlichen Nachweise haben die Kunden des genossenschaftlichen Instituts bis zu sieben Tage Zeit. Nusche: „Gleiches gilt für Einzahlungen an den Selbstbedienungsgeräten. Hier werden die Kundinnen und Kunden angeschrieben.“

Großvolumige Bargeldtransaktionen über 10.000 Euro kommen bei der Volksbank gar nicht so selten vor. Laut Nusche gibt es zumindest im Durchschnitt täglich acht bis zehn derartige Bewegungen. Solche Transaktionen über die Stücklung in kleineren Einzelbeträgen zu verschleiern, dürfte schwierig werden. Denn hier werden die Institute durch Moderne IT unterstützt: Die Banken und Sparkassen prüfen über Monitoring-Systeme, ob ein meldepflichtiger Vorgang vorliegt oder nicht.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
2. August 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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