Neuer Pferdetrainer auf Iffezheimer Rennbahn

Iffezheim (ket) – Fabian Xaver Weißmeier hat seine Arbeit als Trainer auf der Pferderennbahn in Iffezheim aufgenommen. Mit seinem Rennstall „FX Weißmeier“ hat er große Pläne für die Zukunft.

Neu in Iffezheim: Fabian Xaver Weißmeier mit Gattin Nadine. Foto: Privat

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Neu in Iffezheim: Fabian Xaver Weißmeier mit Gattin Nadine. Foto: Privat

Am liebsten, so jedenfalls sagt es Fabian Xaver Weißmeier, würde er dort weitermachen, wo er aufgehört hat. Man kann dieses Begehren durchaus verstehen. Das Ende, von dem Weißmeier da spricht, war schließlich ein gutes, das beste, das man sich vorstellen kann sogar. Zwei Siege hat es ihm beschert. Vor knapp zwei Wochen gewann er in Honzrath erst im Sattel von Sussex Solo, gleich darauf auch noch mit Frosted Lass. Es war Freitag, der 1. Oktober. Und es waren seine beiden letzten Ritte als Jockey. Nur drei Tage später fing der 31-Jährige sein neues Leben an, zumindest beruflich.

Seit 4. Oktober ist Weißmeier Trainer mit eigenem Stall. Rennstall FX Weißmeier hat er diesen genannt, weil ja auch er in der Szene der Einfachheit halber FX gerufen wird – und weil im Fabi als Abkürzung seines Vornamens noch nie gefallen hat. „FX ist mein Markenzeichen“, sagt Weißmeier. Zumindest in seiner Jockey-Zeit, in der 282 Rennen gewonnen hat und 2008 Nachwuchschampion in Deutschland geworden ist, war das so. Nun will er F und X auch zu einem Marken- und Gütezeichen für seine Trainer-Arbeit machen. Vor allem deshalb hat er jenen Stall in Iffezheim angemietet, der bis vor kurzem noch als „Nummer sieben“ firmierte und die Pferde von Lennart Hammer-Hansen beherbergte. „Ich möchte hier kontinuierlich wachsen und erfolgreich sein“, nennt das neueste Mitglied der Iffezheimer Trainingszentrale seine Ziele für die Zukunft.

Zahl an Pferden und Personal soll aufgestockt werden

13 Pferde stehen aktuell in den Boxen, bis Ende des Jahres sollen es noch fünf bis sechs mehr sein. Entsprechend soll auch das Personal aufgestockt werden. Zu den beiden Angestellten, die sich schon jetzt zusammen mit FX und Gattin Nadine um die Tiere kümmern, sollen zwei weitere Kräfte hinzustoßen, um die Pferde so individuell trainieren und betreuen zu können, wie Weißmeier sich das vorstellt.

Sein Grund-Credo dabei: „Wir wollen glückliche Pferde.“ Soll heißen: „Wir versuchen, die Pferde so lange und so gut wie möglich gesund zu erhalten.“ Dazu gehöre es auch, die richtigen Rennen für den jeweiligen Vierbeiner zu finden und nicht für solche zu melden, die über dessen Leistungsgrenze hinausgehen. „Wir suchen nicht auf Teufel komm‘ raus die Gruppe-Rennen, sondern gehen lieber eine Klasse tiefer“, erklärt FX.

Ausbildung im elterlichen Betrieb

Der Mann, das wird schnell klar, hat eine genaue Vorstellung, für was er als Trainer stehen möchte. Und ein bisschen ist es die Quintessenz seines bisherigen Lebens, das schon immer von Pferden begleitet wurde und geprägt war, so wie es eben ist, wenn schon die Frau Mama, Regine Weißmeier, eine erfolgreiche Galopptrainerin ist. „Das erste Mal auf dem Pferd saß ich passiv im Bauch meiner Mutter und aktiv ab dem dritten Lebensjahr“, erzählt FX entsprechend lachend. Nicht viel anders erging es Bruder Marian Falk und Schwester Ester Ruth. Letztere ist immer noch als Amazone aktiv, Ersterer hat schon etwas früher ins Trainerfach gewechselt und trainiert in Mühlheim mittlerweile rund 70 Pferde.

Der Weg in den Galoppsport war für FX also vorgezeichnet, auch die kurze Verirrung, als Jugendlicher das Schlosserhandwerk erlernen zu wollen, bald zu den Akten gelegt. Stattdessen wurde es doch eine Ausbildung zum Pferdewirt im elterlichen Betrieb in Sonsbeck. Was FX dort nicht lernte, eignete er sich später als Jockey in anderen Ställen an. In Frankreich arbeitete er mit Elie Lellouche zusammen, in England mit Sir Mark Prescott. Nur der Liebe wegen ging es schließlich zurück nach Deutschland und kurzzeitig weg von den schnellen Pferden. Für ein halbes Jahr arbeitete FX als Verkäufer im Opel-Autohaus seiner damaligen Schwiegereltern in spe, sogar zum „Verkäufer des Monats“ hat er es dort einmal gebracht.

Jahrelanges Lernen

Kaum war die Liebe verflogen, waren die Pferde wieder da. Markus Klug holte FX 2011 in sein Team nach Röttgen, zwei Jahre später folgte der Wechsel zu Schlenderhan, wo Wilhelm Giedt tätig war. Und überall, wo FX war, hat er ganz genau hingesehen und versucht zu lernen. „Das war mir immer wichtig“, sagt er nun im Rückblick.

2013 waren die Lehr- und Wanderjahre vorüber und FX kehrte in den elterlichen Betrieb zurück, in dem er ein Jahr später die Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister ablegte – zusammen mit Bruder Marian, Henk Grewe und Marco Klein. Dass er sich nun selbstständig gemacht hat, hat auch mit einem Sturz Anfang des Jahres zu tun, der ihm Zeit zum Nachdenken gab. „Schon zuvor hatte mir mein Körper immer mal wieder signalisiert: Junge, es ist bald Schluss. Es reicht“, erzählt FX, dessen Jockey-Laufbahn von zahlreichen Stürzen samt schweren Verletzungen geprägt war. Nun war es tatsächlich so weit.

„Neue Trainingsbahn ist Weltklasse“

Gespräche wurden geführt, die Idee, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, recht bald schon verworfen, schließlich stand fest: Ein eigener Stall in Iffezheim soll es stattdessen werden. Gleich mehrere Gründe gaben hierfür den Ausschlag. „Iffezheim ist das Aushängeschild von allen Rennbahnen in Deutschland“, nennt Weißmeier einen. „Die Nähe zu den französischen Provinzbahnen“, wo sich gutes Geld verdienen lässt, fügt er sogleich einen anderen an. Auch die neue Trainingsbahn war ein Pluspunkt, der ihn in die Renngemeinde lockte. „Die ist Weltklasse“, sagt FX. Und last but not least konnte er damit den Wunsch seiner Frau Nadine erfüllen, die zurück in ihre badische Heimat wollte. Gleich um die Ecke, in Malsch, leben ihre Eltern.

Dass er mit seinem Schritt auch ein nicht geringes Wagnis eingegangen ist, dessen ist sich der 31-jährige Familienvater bewusst. Corona hat schließlich auch den Galoppsport gebeutelt. „Es ist in diesen Zeiten sicher mutig bis dumm, so etwas zu machen“, sagt FX trocken. Und fügt noch trockener an: „Aber einfach kann jeder.“

Wie schwer es tatsächlich wird, muss die Zeit zeigen. An diesem Freitag beginnt für den Trainer FX zumindest jene der Rennen – und das auch noch auf dessen neuer Hausbahn. Zwei Pferde wird Weißmeier am ersten Tag des Iffezheimer „Sales & Racing“-Festivals satteln. Im dritten Rennen schickt er Al Muthanna an den Start, im sechsten Sussex Solo.

Vor zwei Wochen hat FX diesen in Holzrath noch selbst zum Sieg geritten, morgen soll seine Schwester Ester Ruth dies an seiner statt tun. Es wäre eine wunderbare Geschichte – und der beste Start, den man sich als Trainer vorstellen kann.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
13. Oktober 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 18sec

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