„Neuer Rekord“: Roller auf 110 km/h frisiert

Gernsbach (ham) – Ein Gernsbacher hat sich das frisierte Kleinkraftrad eines Bekannten ausgeliehen und in Scheuern einen Unfall verursacht – danach flüchtete er und wurde heute wegen Unfallflucht auf Bewährung verurteilt.

Mit dem Roller geht es normalerweise gemächlich voran – nicht jedoch mit einem „frisierten“ Kleinkraftrad in Scheuern. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa

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Mit dem Roller geht es normalerweise gemächlich voran – nicht jedoch mit einem „frisierten“ Kleinkraftrad in Scheuern. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa

„110 Stundenkilometer mit einer Peugeot sind neuer Rekord“, zeigt sich Ekkhart Koch beeindruckt, obwohl der Amtsgerichtsdirektor in Gernsbach schon einiges erlebt hat und nicht mehr so leicht in Erstaunen versetzt werden kann. „Dazu muss man schon über technische Raffinesse verfügen“, zollt der Richter der Leistung eines Roller-„Tuners“ gewissen Respekt.

Letzteren ließ ein Angeklagter zunächst vermissen. Der 22-Jährige hatte bereits zum zweiten Mal einen Verhandlungstermin beim Amtsgericht verschwitzt. Nach einem Anruf auf dem Handy schwang sich der Gernsbacher jedoch während seiner Arbeitszeit in Bad Rotenfels auf das Fahrrad und strampelte flott die Murg hinauf zur Sitzung, während Richter wie Staatsanwaltschaft geduldig ausharrten.

Dass der Mann noch mindestens acht Monate seine Künste auf dem Drahtesel einsetzen muss, liegt an seiner Fahrerflucht. Das besagte „Rekord“-Kleinkraftrad hatte er zwar nicht selbst „frisiert“, sondern sein Kumpel lieh ihm sein rasantes Gefährt für „eine Runde“ aus. Doch wegen des rasanten Tempos gab es am 15. Oktober 2019 Ärger: Der Angeklagte unterschätzte in Scheuern den Bremsweg und krachte in der Friedrichstraße auf zwei geparkte Fahrzeuge. Bei einem Auto verschob sich eine Tür, der zunächst vermeidlich kleinere Sachschaden belief sich so dann doch auf stattliche 5 000 Euro. Der 22-Jährige machte sich nach dem Unfall aus dem Staub, ist aber mittlerweile geständig.

Weitere Bewährungsstrafe nach Unfallflucht

Eine Geldstrafe ersparte ihm Koch auch deshalb – hinzu kommt, dass der Angeklagte die 5 000 Euro in Raten an die Versicherungen der Autohalter erstatten muss. Kein leichtes Unterfangen bei einem Gehalt von nur 1 200 Euro. Neben der Wiedergutmachung des Schadens brummte Koch dem Zweirad-Raser zusätzlich 50 Arbeitsstunden auf.

Weitere Ungemach droht dem Täter aber vor allem vom Amtsgericht Rastatt. Dort war der Gernsbacher wegen schwerer Körperverletzung zu sechs Monaten Jugendhaft auf Bewährung und Schmerzensgeld verknackt worden, weil er vor eineinhalb Jahren bei einer Schlägerei einen Mann zusammengeschlagen hatte. „Vier Monate Bewährung oben drauf“ gab es nun von Koch. Ob dies zu einer Haft im Jugendgefängnis in Adelsheim führt, entscheidet das Amtsgericht Rastatt. Sicher ist bis dahin eines: Acht Monate lang muss der 22-Jährige noch sein Fahrrad nutzen, vorher darf er laut dem gestrigen Urteil keine Fahrerlaubnis beantragen.

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Erstellt:
9. Juni 2020, 19:00 Uhr
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