Neuer Trainer, neue Bisons, neue Liga

Bühl(red) – Mit Uwe Dienst als neuem Trainer und einer neuformierten Mannschaft starten die Volleyballer des TV Bühl nach zwölf Jahren Bundesliga an diesem Samstag in die 3. Liga.

Tainer Uwe Dienst (rechts) und die neue Drittliga.Mannschaft des TV Bühl. Foto: Frank Seiter

© Toto

Tainer Uwe Dienst (rechts) und die neue Drittliga.Mannschaft des TV Bühl. Foto: Frank Seiter

Der Vergleich mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes klingt Uwe Dienst dann doch etwas überzogen, einfach zu negativ. Klar, er war weg, ein paar Jährchen sogar, aber deswegen war er ja nicht gleich verloren, nie. Und überhaupt: Viel wichtiger ist doch, dass er jetzt wieder da und der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist. Dass dem so ist, davon ist nicht nur Uwe Dienst überzeugt.

Erstmals im Ernstfall unter Beweis stellen kann der neue Cheftrainer der Bühler Volleyballer das heute Abend (19.30 Uhr). Beim TV Rottenburg tritt der TVB an. Das ist gleich mal ein Brocken zum Auftakt. Vergangene Saison war es noch ein Bundesliga-Duell. Indes: Bundesliga war gestern für den TV Bühl. Zwölf Jahre lang. Heute ist Liga drei. Dem ein oder anderen mag das vorkommen wie eine Reise in die Vergangenheit, zurück zu den Wurzeln – und vielleicht haben sie ja auch deshalb einen Trainer zurückgeholt, der aus dieser Zeit stammt und weiß, wie Volleyball in Bühl lange vor Liga eins war: anders, natürlich. Aber weiß Gott nicht schlechter.

1996, in der sechsten Klasse, fing Dienst mit dem Pritschen und Baggern an. Gerd Zaepernick schickte ihn, wie das damals üblich war, vom Unterricht im Windeck zum TV Bühl. Daniel Daul hieß sein erster Trainer, in der Halle tummelten sich über 100 Kinder und Jugendliche. Die „Erste“ spielte in der Regionalliga und bestand aus einem Haufen junger, wilder Spieler aus Bühl und Umgebung, verfeinert mit zwei Jungs aus Russland (Vladimir Bondar und Visthur Lagzdins), angeführt von einem nicht minder wilden Trainer namens Dieter Habich. Gespielt wurde in der Schwarzwaldhalle, die in Volleyballkreisen in dem Ruf stand, ein Hexenkessel zu sein.

„Damals habe ich meine Liebe zum Volleyball entdeckt“, sagt Dienst, und spätestens jetzt steht fest, dass er ein waschechtes Bühler Eigengewächs ist. Als Außenangreifer spielte er bis 17 und in der Oberliga, dann beendete eine schwere Knieverletzung seine aktive Karriere. „Ab da war ich nur noch Trainer“, blickt Dienst zurück.

Beruflich nach Kanada

In der Landesliga fing er mit der Bühler „Zweiten“ an, bis in Liga drei führte er das Team. „Das war eine tolle Zeit“, erinnert er sich. Weniger toll ging sie zu Ende: Obwohl die „Zweite“, mittlerweile in einer SG mit Offenburg, in der Saison 2013/14 ungeschlagen Drittliga-Meister geworden war, wurde ihr der Aufstieg von Vereinsseite untersagt, die „Erste“ spielte mittlerweile schließlich schon erstklassig.

„Da war die Luft raus“, erzählt Dienst. Nicht nur bei den Spielern, auch bei ihm. Da er beruflich ohnehin bei Siemens in Karlsruhe angestellt war (und ist), wechselte er zum SSC. Auch dort war er Trainer der „Zweiten“, auch dort führte er das Team nach oben – von der Regionalliga auf Platz drei der dritten Liga. Dann, nach zwei Jahren, zog es ihn 2018 beruflich nach Kanada.

Ohne Volleyball hielt es der 35-Jährige auch dort freilich nicht lange aus. Übers Beachvolleyball kam er an die Trent University in Peterborough, die einen Co-Trainer suchte. Dienst nahm an – und war nach nur einem Jahr Headcoach, allerdings von den Prügelknaben der Liga. Die Trent University war noch recht neu dabei und mit einem eher bescheidenen Budget aufgestellt. Überhaupt führt Volleyball in Kanada ein noch größeres Schattendasein als hierzulande. Auch die Ligenlandschaft ist äußerst begrenzt. Die Universitätsspielrunde ist die höchste, die es gibt, eine weiterführende Profiliga nicht existent.

Also hat Dienst erneut getan, was er offenbar ganz gut kann: Eine Mannschaft besser machen. „Ich habe versucht, Gewinnermentalität einzuimpfen“, sagt er im Rückblick. Es scheint ihm gelungen. Als seine Zeit in Kanada Anfang des Jahres zu Ende war, hatte sein Team nicht nur die ersten Spiele gewonnen, sondern war für den Rest der Liga zu einem ernst zu nehmenden Gegner geworden, mit dem man besser nicht mehr, so wie zuvor, mit der zweiten Garnitur antritt.

Jetzt also Bühl. Der Sohn ist zurück. Mit den TVB-Verantwortlichen war sich Dienst schnell einig. „Wir haben uns zusammengesetzt und besprochen, wo der TVB hin will“, sagt Dienst. Auch die Regionalliga war Thema, allerdings nur kurz. „Wenn wir uns nicht für die dritte Liga entschieden hätten, hätten wir viele Sponsoren und Zuschauer verloren“, sagt Dienst – und wohl auch den ein oder anderen Spieler. So aber ist es immer noch Liga drei. „Die heißt immer noch Bundesliga“, stellt der Trainer fest.

Das hat dazu geführt, dass zumindest ein Teil jener Jungs, die 2018 deutscher U-20-Meister geworden sind, geblieben ist. Das ist schon mal keine schlechte Basis. Hinzugekommen sind in dem Schweden Tim Jonathan Johansson und dem Polen Kacper Kalucki zwei junge Talente aus dem Ausland sowie in den beiden Kanadiern Alexander Duncan-Thibault und Thomas Martin zwei schon etwas etablierte Spieler. Ersterer fungiert zudem als Co- und Jugendtrainer, letzterer als Zuspiel-Coach für alle TVB-Teams. „Wir haben die Aufgaben ein bisschen verteilt. Sonst wäre es für mich kaum möglich, neben Familie und Beruf auch noch den Trainerjob zu machen“, sagt Familienvater Dienst.

„Die Playoffs sind Pflicht“

Mitte Juni fand das erste Training der neu zusammengestellten Bison-Herde statt. Viel Zeit, eine Mannschaft zu formen, war also nicht. Andererseits, so Dienst, sei es auch „gar nicht so schwierig“ gewesen, „weil alle Bock darauf hatten“. Von Anfang an habe er vor allem darauf geachtet. „Ich wollte nicht den absolut besten Volleyballer holen, sondern Leute, die das Konzept verstehen und die richtige Einstellung mitbringen“, sagt Dienst.

Diese kommen zumindest teilweise immer noch in den Genuss von Erstligaverhältnissen, wenn auch in abgespeckter Form, als da wären: tägliches Training für die Profis, Arzt und Physio, Krafttraining im Workout, eine Ballmaschine und nicht zuletzt ein Spielanalyst.

Wohin das führen soll? „Die Playoffs sind Pflicht“, sagt Dienst, schon um nicht in den Druck des Abstiegskampfes zu kommen. „Danach“, sagt Dienst, „ist egal, was passiert.“

Zum Artikel

Erstellt:
2. Oktober 2021, 05:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 04sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.