Neuer Weg entsteht in Neusatz

Von Martina Fuß

Bühl (mf) – Zur 775-Jahr-Feier soll er fertig sein: der neue Spazierweg im Bühler Ortsteil Neusatz. An dem vier Kilometer langen Leader-Projekt wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Neuer Weg entsteht in Neusatz

An alten Baumriesen und durch die Natur vor der eigenen Haustür in Neusatz führt der Muhrbach-Spazierweg entlang. Foto: Martina Fuß

Der Neusatzer Ortschaftsrat hat es mit Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem trotz aller bürokratischer Hemmnisse und Bedenken geschafft, die Realisierung des Muhrbach-Spazierwegs noch 2021 anzupacken. Das Projekt hat enorm an Fahrt gewonnen. Auch deshalb, weil die Neusatzer tatkräftig an einem Strang ziehen.

Erst im Januar lagen die Voraussetzungen vor, dass der Ortschaftsrat einhellig Zustimmung zur weiteren Planung und zum ehrgeizigen Zeitplan erteilen konnte: Bis Ende Februar sollte die Stadt Bühl einen Antrag auf Förderung durch das Regionalentwicklungsprogramm Leader stellen. Der Ausbau war für diesen Sommer geplant, Ende November sollte die Maßnahme abgeschlossen sein. Schon im Vorfeld der Antragstellung machten sich Ehrenamtliche an die Arbeit und entfernten entlang der der geplanten Trasse Brombeerhecken und Äste. Aus Naturschutzgründen musste dies bis Ende Februar erledigt sein.

In der Stadtverwaltung gab es zwar Bedenken, aber schließlich auch die Vollmacht für den Ortsvorsteher, die Förderung selbst zu beantragen. „Am 28. Februar um 16 Uhr habe ich den Förderantrag bei der Leader-Geschäftsstelle eingeworfen“, sagt Juchem. „Schon am 18. März wurden die Projekte dem Auswahl-Ausschuss vorgelegt und entschieden, einen Tag später hatten wir die Zusage für eine 80-prozentige Förderung.“

Das Projekt passt exakt zu den Zielen des Regionalentwicklungsprogramms. „Die Menschen vor Ort sollen die Region, in der sie leben, selbst mitgestalten“, so die Leader-Grundidee. Gefördert werden die Vorhaben durch die EU und das Land. Für Kleinprojekte im ländlichen Raum sieht Leader eine finanzielle Obergrenze von 20.000 Euro vor. Für den Ausbau des Muhrbachwegs waren ursprünglich Kosten in Höhe von 19.400 Euro eingeplant. Nachdem sich aber der Bau einer Brücke als zu teuer erwies, wurde der Betrag auf 16.000 Euro reduziert. 80 Prozent davon liegen nun im Fördertopf bereit.

Umweltbildung und Projekte für Kinder und Jugendliche stehen im Fokus der Leader-Region. Unter diesem Aspekt wird der Muhrbachweg gefördert, denn neben Naturschutzbund (NABU) und Forst sind auch Kindergarten und Schule eingebunden. Die Neusatzer Schule ist eine Naturpark-Schule, in der Umwelt-Themen besonders großen Raum einnehmen. Der Weg entlang des Muhrbachs soll ein Schulungs-Objekt werden. Kindgerecht formulierte Texte auf Tafeln werden entlang des Weges über die natürliche Vielfalt informieren und für den Umgang mit Natur sensibilisieren. Themen gibt es genug: das Wasser selbst, die Tiere an Bach und Wiese, Brutstätten, Pflanzen und unterschiedlichste Bäume. So führt der Weg an einem uralten, besonders mächtigen Exemplar einer Eiche vorbei.

Ein dicker Ordner liegt auf dem Tisch von Juchem, der schon vor seiner Tätigkeit als Ortsvorsteher in der Arbeitsgruppe „Wanderwege“ mitgearbeitet hat. Die Gruppe ist mittlerweile auf gut zwei Dutzend tatkräftige Helfer angewachsen und dem Heimatverein angegliedert. „Wir werden auch alle Hände benötigen, denn es ist viel Eigenarbeit vorgesehen“, sagt er. Übersichtsplan, Lageplan, Hochwasserschutzplan und Fotos werden zusammengestellt, um die statt einer Brücke nun geplante Bachquerung bauen zu dürfen: Vier Trittsteine sollen im Bachbett verlegt werden.

Weg soll bis zum Kloster führen

Grundsätzliche Bedenken hat die Naturschutzverwaltung keine. Dennoch findet derzeit noch eine artenschutzrechtliche Einschätzung durch einen Fachmann statt. „Das Gutachten könnte den Trassenverlauf noch ändern“, so Juchem. Das Planungsteam um Juchem und Ortschafts- und Stadtrat Franz Fallert geht da pragmatisch vor. Die geplante Wegführung musste an einigen Stellen auch deshalb verändert werden, da der eine oder andere Anlieger Einwendungen erhoben hatte. Der überwiegende Teil habe aber nichts gegen die Wegführung einzuwenden.

Die jetzt geplante Strecke vom Schelmenloch am Ortseingang kommend bis zur Ortsmitte ist ein erster Abschnitt. Der gesamte knapp vier Kilometer lange Weg soll einmal bis zum Kloster Neusatzeck führen. „Unser Ziel ist, dass der gesamte Weg bis zur 775-Jahr-Feier im Jahr 2023 fertig ist“, so Juchem. „Es ist eine Vision, wir gehen es jetzt an. Denn wenn man nicht anfängt, dann wird man auch nicht fertig.“