Neues Anti-Virus-Eis schützt nicht vor drangvoller Enge bei Eisdiele

Rastatt (ema) – Gelatiere Giuseppe Cimino hat mal wieder ein neues Eis in Corona-Zeit kreiert. Und sieht sich Kritik ausgesetzt angesichts des Andrangs vor seiner Eisdiele in Plittersdorf.

Letztes Jahr die Klopapier-Eistorte, dieses Jahr das Anti-Virus-Eis: Giuseppe Cimino tüftelt gerne und hat im Ried großen Andrang unter Corona-Bedingung zu bewältigen. Foto: Frank Vetter

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Letztes Jahr die Klopapier-Eistorte, dieses Jahr das Anti-Virus-Eis: Giuseppe Cimino tüftelt gerne und hat im Ried großen Andrang unter Corona-Bedingung zu bewältigen. Foto: Frank Vetter

Wünsche, Ansprüche und Wirklichkeit in Coronazeiten: An kaum einem anderen Ort beim gerade ausbrechenden Frühling dürften Interessengegensätze so aufeinanderprallen wie vor den Eisdielen. Giuseppe Cimino vom „Rimini“ in Plittersdorf weiß das nur zu gut. Einerseits ist er heilfroh, dass er seit einer Woche wieder seine Produkte verkaufen kann und es mit seinem „Anti-Virus-Eis“ samt Spritze gerade ins Fernsehen geschafft hat. Andererseits sorgen die Menschentrauben vor seinem Laden für manch Frust bei anderen Menschen.

Die Krise hatte der Gelatiere schon im vergangenen Jahr zum Anlass genommen, um mit einem neuen Produkt Aufmerksamkeit zu erregen. Er entwickelte eine Eistorte in Gestalt einer Klopapierrolle – ein Renner angesichts der Vorliebe der Deutschen, das Hilfsmittel für den Toilettengang zu horten. Als der 48-Jährige vor einer Woche das „Rimini“ im Rieddorf nach der Winterpause eröffnete, startete er abermals mit einer Neukreation in die Saison, die mit der Virus-Plage zu tun hat: ein Anti-Virus-Eis. Der Clou: In der Art Fruchtsorbet in Waffel oder Becher steckt eine Ein-Weg-Spitze, die mit einem „erfrischend scharfen“ Ingwer-Orange-Cocktail gefüllt ist, so der Gelatiere. Das von Cimino dazu formulierte Motto: „Hier werden Sie geimpft, ohne warten zu müssen.“ Der umtriebige Eismacher hatte es mit seinem neuen Produkt gleich ins SAT1-Frühstücksfernsehen geschafft, wie er stolz berichtet.

„Da fehlt mir jedes Verständnis“

Weniger Vergnügen bereiten die Begleitumstände zum Start in die Eissaison. Ein verärgerter BT-Leser schickte der Redaktion ein Foto, das eine Menschentraube am Samstag vor dem „Rimini“ zeigt. Die Schlange zieht sich bis zum Parkplatz. Der Beobachter beklagt sich schon über einen „neuen Corona-Hotspot“ in Plittersdorf, was „niemanden zu interessieren“ scheine, wie er schreibt. Für ihn doppelt ärgerlich: Zum einen aus Gründen des Infektionsschutzes; zum andern, weil er selbst Verkäufer in einem Geschäft mit mehreren hundert Quadratmetern Fläche ist, in das man niemanden hereinlassen dürfe: „Da fehlt mir jedes Verständnis.“

Der Eismacher selbst verweist darauf, dass er sich an die Vorschriften hält. Das heißt: Kunden, maximal zwei gleichzeitig, dürfen nur mit Maske die Eisdiele betreten, in der es keine Bestuhlung gibt. Vor dem Laden seien Markierungen aufgetragen, die den Mindestabstand von 1,50 Meter sichtbar machen. Was draußen passiere, liege „nicht in meiner Verantwortung“, erklärt Cimino und verweist darauf, dass sich derzeit vor allen Eisdielen Schlangen bilden: „Die Leute sind froh, dass die Sonne scheint, und wollen raus.“

Dafür hat natürlich auch der Plittersdorfer Ortsvorsteher Mathias Köppel Verständnis. Eine Kontrolle sei schwierig, zumal es ziemlich viele Menschen nach Plittersdorf wegen der Rheinpromenade und des Hochwasserdamms ziehe. Man müsse eben immer wieder „an die Vernunft appellieren“, sagt Köppel. Und gegebenenfalls einschreiten – wie kürzlich, als eine Gruppe Eisgenießer dicht gedrängt auf der Treppe des gegenüber liegenden Rathauses verharrte und des Platzes verwiesen wurde.

Generell kontrolliert der kommunale Ordnungsdienst die Einhaltung der Corona-Verordnung immer wieder stichprobenartig und lässt sich dabei auch die Hygienekonzepte zeigen und erklären – so auch bei den Eisdielen, heißt es aus dem Rathaus. Am Samstag habe man dabei um die Mittagszeit auch das „Rimini“ aufgesucht. Die Einschätzung der Kontrolleure: „Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Gäste alle an die Abstandsregeln gehalten.“


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