Neues Bildungsangebot für Waisenkinder

Muggensturm (mak) – Die Syrienhilfe baut in der Flüchtlingsregion im Nordwesten des Landes ein Schulzentrum für rund 600 Schüler auf. Zudem sucht eine mobile Praxis die Flüchtlingslager auf.

Das rechte Foto zeigt einen Arzt, der in der mobilen Praxis ein Mädchen untersucht. Foto: Syrienhilfe

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Das rechte Foto zeigt einen Arzt, der in der mobilen Praxis ein Mädchen untersucht. Foto: Syrienhilfe

Im Nordwesten Syriens leben aktuell rund vier Millionen Menschen, von den 2,7 Millionen Binnenflüchtlinge sind, wie Karsten Malige, Vorsitzender der Syrienhilfe mit Sitz in Muggensturm, im BT-Gespräch erläutert. Etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge leben in Lagern unter einfachsten Bedingungen: Die Zelte bestehen in den meisten Fällen aus Planen, die höchstens den Regen abhalten, aber nicht die bittere Kälte des gerade begonnen Winters. Oftmals reicht es nicht einmal, den Boden des Zeltes zu bedecken, berichtet Malige, der fast täglich von den Mitarbeitern seiner Hilfsorganisation über die Lage vor Ort informiert wird. Im vergangenen Winter hat die Syrienhilfe Decken an die bedürftigen Menschen verteilt, in dieser Saison soll es kleine Öfen mit einem Abzugsrohr geben, die gleichzeitig eine Kochgelegenheit bieten. Zum Heizen werden Rundbriketts aus gepressten Olivenkernen verwendet, ein in Syrien weitverbreitetes Brennmaterial, berichtet Malige, der in dem Land viele Jahre lang als Vermessungsingenieur gearbeitet hat.

Zehntausende Hygienepakete verteilt

Das Verteilen von Hygienepaketen, um das Ausbreitungsrisiko von Corona etwas zu minimieren, muss vor diesem Hintergrund aufgrund der knappen Finanzlage des gemeinnützigen Vereins hinten angestellt werden. „Eigentlich wäre beides wichtig, doch etwas gegen die Kälte zu tun ist momentan einfach wichtiger“, urteilt Malige. Die Syrienhilfe habe als erste Hilfsorganisation in der Region bereits ab März Zehntausende Hygienepakete verteilt und damit mehrere Hunderttausend Menschen versorgt. Jedes Paket (Kostenpunkt: 3,20 Euro) enthielt zehn Seifen, Waschpulver, Spülmittel, Desinfektionsmittel und einen Informationszettel über Corona mit Piktogrammen: „Ganz viele Menschen können nicht lesen, deshalb haben wir versucht, mithilfe von Bildern über die Corona-Pandemie aufzuklären“, verdeutlicht Malige. In den Lagern herrsche große Angst vor einer Ansteckung, doch es gebe fast keine Tests, geschweige denn irgendwelche Behandlungsmöglichkeiten im Falle einer Erkrankung: „Die meisten Flüchtlinge wissen nicht, ob sie am nächsten Tag überhaupt noch etwas zu essen haben und kämpfen täglich ums nackte Überleben“, berichtet der Vorsitzende der Syrienhilfe. Umso wichtiger ist die mobile Arztpraxis, die seit August kranke Flüchtlinge versorgt. In einem umgebauten Kleinbus sind zwei Ärzte, zwei Krankenpfleger und ein Fahrer im Grenzgebiet zur Türkei unterwegs. Aufgrund der miserablen hygienischen Verhältnisse litten viele unter schlimmen Hautkrankheiten, zudem gibt es zahlreiche Kriegsversehrte, beschreibt Malige die Lage: „Medikamente sind extrem teuer und nur sehr schwer zu bekommen, sterile Wundverbände gibt es fast gar nicht.“

Der Schulhof mit Brotbackofen kann auch für Außenklassen genutzt werden. Foto: Syrienhilfe

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Der Schulhof mit Brotbackofen kann auch für Außenklassen genutzt werden. Foto: Syrienhilfe

Den geschätzt eine Million Flüchtlingskindern in Nordwestsyrien fehlt es aber nicht nur an Nahrung und medizinischer Betreuung, sondern auch an Bildung. Wie ein Tropfen auf den heißen Stein mutet da das im Aufbau befindliche Schul- und Nachhilfezentrum für rund 600 Waisenkinder an. „Es besteht überall ein eklatanter Mangel an Schulbildung, doch Waisenkinder sind die Schwächsten “, erläutert der Muggensturmer das Auswahlkriterium. So ist die Nachfrage auch sehr hoch, bereits am ersten Tag habe es 125 Anmeldungen gegeben. Die Gebäude wurden von der Syrienhilfe gemietet und entsprechend renoviert. Nun stehen den künftigen Schülern sieben Klassenzimmer und ein großer Saal zur Verfügung. Unterricht werde es im Zwei-Schicht-Betrieb geben, berichtet Malige. 16 Mitarbeiter, vorwiegend Lehrer, sollen eingestellt werden. Unterrichtet wird bis zur achten Klasse auf ganz unterschiedlichen Niveaus, auch Analphabetenkurse wird es geben. Für das kommende Jahr sind keine neuen Projekte geplant: „Es geht vor allem darum, die bestehenden am Laufen zu halten“, verdeutlicht Karsten Malige. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Erstellt:
22. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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