Neues Geschäftsfeld mit Prototypen aus 3D-Drucker

Ötigheim (mak) – Roland Götz hat aus kleinen Anfängen eine Maschinenbaufirma aufgebaut, die Kunden in aller Welt beliefert. Seine Söhne Philipp und Lukas sind mittlerweile ebenfalls Geschäftsführer.

Die drei Geschäftsführer von Götz Maschinenbau – Philipp, Roland und Lukas Götz (von links) – haben kräftig in den Ausbau des Standorts in Ötigheim investiert. Foto: Markus Koch

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Die drei Geschäftsführer von Götz Maschinenbau – Philipp, Roland und Lukas Götz (von links) – haben kräftig in den Ausbau des Standorts in Ötigheim investiert. Foto: Markus Koch

Roland Götz hat sich 1980 mit einer Werkzeugmaschine als Ein-Mann-Unternehmen in Steinmauern selbstständig gemacht, heute ist der gelernte Maschinenbaumeister mit seinem Unternehmen in Ötigheim und beschäftigt rund 120 Mitarbeiter, davon zehn Auszubildende. Die Söhne Philipp (34) und Lukas (28) übernehmen seit 2017 als Geschäftsführer Verantwortung im Familienunternehmen Götz Maschinenbau GmbH & Co. KG. Das mittelständische Unternehmen in der Industriestraße ist in den vergangenen 40 Jahren langsam, aber beständig gewachsen. Bereits nach zehn Jahren reichte der Platz in Steinmauern nicht mehr aus: „Weil ich kein Grundstück zur Erweiterung bekam, bin ich 1991 mit der Firma nach Ötigheim“, berichtet Roland Götz im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. Das Tochterunternehmen Edelstahlhandel Ötigheim GmbH wurde im gleichen Jahr gegründet, die Geschäftsführung liegt in den Händen von Dominik Kambeitz. Im Jahr 2007 wurde eine Produktionshalle mit Hochregallager gebaut, vier Jahre später eine Halle für das neue Dreh- und Fräszentrum. 2013 kam dann eine rund 1.000 Quadratmeter große Montagehalle für die Baugruppenfertigung hinzu: „In dem Gebäude war früher die legendäre Disco Trianon“, berichtet Philipp Götz beim Firmenrundgang. Im Jahr 2017 nahm die Geschäftsführung einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand und ließ eine 3.500 Quadratmeter große Fertigungshalle mit acht Fräszentren und einem Bürogebäude errichten.

Kunden vorwiegend in Deutschland

Neun weltweit agierende Großkunden, deren Namen Philipp Götz aus geschäftlichen Gründen nicht nennen will, werden von dem Ötigheimer Mittelständler beliefert. Gefertigt werden für die vorwiegend im deutschsprachigen Raum ansässigen Kunden Teile für Medizintechnik sowie den Maschinen- und Fahrzeugbau. Götz verschickte seine Produkte aber auch rund um den Globus.Im Jahr 2015 eröffnete sich mit der Anschaffung von zwei 3D-Druckern ein neues Geschäftsfeld. In der Zwischenzeit laufen acht solcher Drucker bei Götz – und zwar Tag und Nacht. „Bei der Weiterentwicklung von Prototypen ist das wesentlich günstiger als der Spritzguss, hier wird 3D immer mehr nachgefragt“, verdeutlicht Lukas Götz. Die Ötigheimer können zwischen fünf verschiedenen Fertigungsverfahren wählen, um Prototypen für Werkzeuge herzustellen, Konzeptmodelle für den Automotive-Bereich oder auch Kleinserien auszuführen. Die Zusammenarbeit mit Stratasys, nach eigenen Angaben Marktführer bei 3D-Druckern, hat sich in den vergangenen Jahren stark intensiviert, was daran liegt, dass Philipp Götz seine Verbesserungsvorschläge von Anfang direkt mit den Entwicklern von Stratasys diskutiert hat, das seine Europazentrale auf dem Baden-Airpark hat. Wenn Stratasys Anfragen von Kunden bekommt, dann wird mittlerweile Götz gefragt, ob das technisch auch tatsächlich möglich ist. So steht beispielsweise seit Januar in Ötigheim der Prototyp einer Maschine, die erst im November auf den Markt kommt: „Vor vier Monaten habe ich sie online vor rund 200 internationalen Fachjournalisten vorgestellt“, berichtet Philipp Götz. Die Höhe des Jahresumsatzes möchte er nicht veröffentlicht sehen, der Umsatz verteilt sich aber wie folgt: Maschinenbau rund 70 Prozent, Stahlhandel 25 und 3D-Druck fünf Prozent.

Es mangelt an Fachkräften

Götz Maschinenbau ist ein echtes Familienunternehmen: Roland Götz (70) teilt sich die Geschäftsführung mit seinen beiden Söhnen, hat sich aber aus dem operativen Geschäft weitgehend zurückgezogen und kümmert sich um Großprojekte. Außerdem ist er für die Preiskalkulation zuständig. Seine Ehefrau Madeleine hat von 1987 bis 2020 in der Buchhaltung gearbeitet. Philipp Götz hat Maschinenbau studiert und ist seit zehn Jahren in der Firma tätig. Er ist für das operative Geschäft zuständig, akquiriert neue Kunden und ist Ansprechpartner für die Lieferanten. Außerdem ist er für den 3D-Bereich verantwortlich. Lukas Götz ist Handwerksmeister in Feinwerkmechanik und für die Bereiche Fertigung und Konstruktion zuständig. Außerdem verantwortet er die Lehrlingsausbildung. Zu den großen Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren zählen Lukas und Philipp Götz den zunehmenden Fachkräftemangel. Götz könnte sofort eine Handvoll qualifizierter Mitarbeiter einstellen, wenn es der Arbeitsmarkt hergäbe. Und auch im Hinblick auf Auszubildende ist die Situation alles andere als einfach: „Wir bekommen unsere Azubis seit vielen Jahren vorwiegend durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Wenn das mal nicht mehr funktioniert, wird’s problematisch“, meint Lukas Götz. Ein weiteres Problem ist der harte Preiskampf, da in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen ihre Produktion nach Osteuropa verlagert haben: „Das ist aber ein Problem für die ganze Region“, meinen die beiden Brüder, die gleichzeitig darauf hinweisen, dass man sich nach wie vor qualitativ abhebe von den Mitbewerbern im Osten.


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