Neues Hotel: Der Riegelbau von Ottenau

Gaggenau (tom) – In der Großen Kreisstadt fehlen Übernachtungsmöglichkeiten. Anderthalb Jahre lang treibt das Rathaus nicht-öffentlich ein Hotelprojekt voran – jetzt ist der Ärger groß.

Direkt hinter dem Garten des Ehepaars Lierheimer würde sich der Neubau über die Länge von 57 Metern erstrecken. Klaus Lierheimer hat dessen Dimension in ein Foto montiert, um die Situation zu verdeutlichen. Foto/Montage: Klaus Lierheimer

© BT

Direkt hinter dem Garten des Ehepaars Lierheimer würde sich der Neubau über die Länge von 57 Metern erstrecken. Klaus Lierheimer hat dessen Dimension in ein Foto montiert, um die Situation zu verdeutlichen. Foto/Montage: Klaus Lierheimer

Nachdem der avisierte Neubau eines Hotels auf dem Gelände des ehemaligen Bad Rotenfelser Freibads scheiterte, steht nun ein neues Vorhaben vor der Genehmigung. Doch es regt sich Widerstand in der Nachbarschaft.

Wenn Gerlinde Stolle nicht nachgefragt hätte, dann wäre das Thema wohl noch immer nicht so richtig öffentlich. So aber war die Überraschung groß, als die SPD-Stadträtin sich im Bau- und Umweltausschuss nach dem bevorstehenden Hotel-Neubau in Ottenau erkundigte.

Erst gegen Ende Juli hatte das Rathaus die Angrenzer über den vorliegenden Antrag auf ein Baugenehmigungsverfahren informiert. „Neubau eines Hotelgebäudes (27 Zimmer) in Modulbauweise“ war in dem Schreiben zu lesen und dass Angrenzer und Nachbarn vier Wochen Zeit haben, dagegen Einwände vorzutragen. Doch die Überlegungen im Rathaus waren schon lange vorher konkret. In der Sitzung am Montag versicherte Bürgermeister Michael Pfeiffer, dass der Gemeinderat dem Verkauf des bis dato städtischen Grundstücks zugestimmt habe – „unter klarer Vorgabe, was dort entstehen soll.“ Fakt ist, dass der Gemeinderat nicht-öffentlich mehrheitlich ein Votum für das Hotel abgegeben hatte. Für die damals zwei städtischen Grundstücke habe es drei Bewerber gegeben. Für die Entscheidung war ein Kriterienkatalog herangezogen worden.

Beim Penny-Kreisel in Ottenau soll das einfache „Hotel in Modul-Bauweise“ entstehen. Foto: Thomas Senger

© tom

Beim Penny-Kreisel in Ottenau soll das einfache „Hotel in Modul-Bauweise“ entstehen. Foto: Thomas Senger

57 Meter lang, 25 Parkplätze

„Was dort entstehen soll“ ist rund 57 Meter lang, ein einfacher Gebäuderiegel mit 25 oberirdischen Parkplätzen – und eine Frechheit in den Augen der Angrenzer. Zum Beispiel von Klaus und Heike Lierheimer. Das Grundstück ihres Eigenheims grenzt direkt an das Hotel-Grundstück. Man sei sich im Klaren darüber, dass diese als Mischgebiet ausgewiesene Fläche irgendwann bebaut werden würde. Aber warum, so fragen sie, wurden örtliche Handwerksbetriebe abgelehnt? Diese würden zwar auch für Geräusche sorgen – „aber nachts und an Wochenenden wäre größtenteils Ruhe“. Bei einer Unterkunft der geplanten Kategorie hingegen seien sieben Tage rund um die Uhr Emissionen „jeglicher Art“ zu erwarten. Hinzu kommt: „Die Gäste können uns Tag und Nacht direkt in den Garten gucken“. Auch die nächtliche Beleuchtung sei eine Beeinträchtigung.

Auch Lierheimers Nachbar Manfred Herrmann ist gegen das Bauvorhaben. „Wenn das ein ruhiges kleines Hotel garni geben würde, hätte ich nichts dagegen. Aber wenn da überhaupt kein Verantwortlicher vor Ort ist, wenn man übers Internet buchen kann, dann wird es Probleme geben.“ Es sei zu befürchten, dass das „eine Absteige“ werde, und mit dieser Befürchtung sei er nicht alleine. „Ohne uns was zu sagen, wurde das Gelände schon verkauft. Also können wir nur noch abnicken“, schimpft Herrmann. Am Dienstag habe er mit Lierheimer einen Termin bei Bürgermeister Pfeiffer. Man habe jetzt schon Verkehr durch die Spedition Duvenbeck, durch Penny, Krug und den Recycling-Hof. Das Hotel werde zusätzlichen Verkehr und Lärm bringen.

Als Bauherrin wird von der Stadt die WMM Immobilien GmbH aus Mindelheim (Allgäu) genannt. Betrieben werden soll das Hotel aber wahrscheinlich von der WMM Hotel Betriebs GmbH aus dem benachbarten Bad Wörishofen. Auf deren Internetseite stehen 30 ähnliche Häuser, in die man sich online einbuchen kann. Das Unternehmen befindet sich eigenen Angaben zufolge auf Expansionskurs. Ein wichtiger Standortfaktor für die Häuser sei die gute Erreichbarkeit.

Rathaus sieht keine Beeinträchtigung

Auf BT-Anfrage äußert sich die Stadtverwaltung zu dem Hotelvorhaben.

„Eine konkrete Benennung, dass ein Hotelneubau beabsichtigt ist, erfolgte im Rahmen der Beschlussfassung des Gemeinderats über den Verkauf des Grundstücks. Der Beschluss wurde in nicht-öffentlicher Sitzung am 9. März 2020 gefasst.“

Bauherr sei die WMM-Immobilien AG, sie „spricht im Wesentlichen Dienstreisende an“. Nähe zu den Arbeitsstätten der Gäste und gute Verkehrslage sprächen für Ottenau. Die WMM AG investiere bundesweit in Industriestandorten. Die Fläche in Ottenau sei seit 2012 eingeschränktes Gewerbegebiet: „Damit sind hier sämtliche Gewerbebetriebe bauplanungsrechtlich zulässig, die maximal einen Störgrad aufweisen, wie er auch in einem Mischgebiet zulässig wäre.“ Dazu zähle auch der Hotelneubau. „Aufgrund der Stellung des Baukörpers und der südlich davon angeordneten Erschließung und Stellplätze ist davon auszugehen, dass von dem Neubau keine Beeinträchtigungen auf die nördlich anschließende Wohnbebauung ausgehen. Stattdessen wirkt das geplante Gebäude nach Norden zur Wohnbebauung hin selbst als Lärmschutz.“

Zur WWM-Homepage geht es hier.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.