Neues Konzept für Bühler Schlachthof

Bühl (hol) – Um den Bühler Schlachthof aus der Krise zu holen, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Es stehen nötige Investitionen an, die nur mit Zuschüssen umgesetzt werden können.

Der Maschinenpark im Bühler Schlachthof ist teilweise veraltet – die Strukturen sind es auch. Foto: Bernhard Margull

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Der Maschinenpark im Bühler Schlachthof ist teilweise veraltet – die Strukturen sind es auch. Foto: Bernhard Margull

Für den krisengeschüttelten Schlachthof in Bühl könnten die Ampeln demnächst wieder auf Grün schalten. Der Gesellschaftsvertrag ist neu gefasst worden, Anteile sollen umverteilt werden, die Gesellschafter schießen Geld zu. All das ist Voraussetzung dafür, dass für dringend nötige Investitionen in Maschinen und Gebäude öffentliche Mittel fließen können.
Die Gemeinderäte in Bühl und Ottersweier sollen in der kommenden Woche die geplanten Veränderungen absegnen. Beide Kommunen sind Gesellschafter des Schlachthofs. Die Zustimmung gilt als sicher. Schließlich haben sich Metzgereibetriebe, Landwirte und Fleischhändler aus der Region, die ebenfalls Gesellschafteranteile halten, bereits für die Neustrukturierung entschieden und entsprechende Stützungszahlungen geleistet, wie der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr betont.

Bühl und Färber geben Anteile an Vogt ab

„Es geht darum, den Schlachthof zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Schnurr. Dafür seien Investitionen nötig. Dafür brauche man öffentliche Fördermittel. Diese gibt es aber nur für Investitionen mit positiven Effekten für Klimaschutz und Tierwohl. Außerdem dürfe künftig keiner der Gesellschafter mehr als 24,9 Prozent der Anteile halten, sagt Schnurr, da nur kleinbetrieblich strukturierte Firmen öffentliche Förderung erhalten.

Für den Bühler Schlachthof heißt das konkret: Die Stadt Bühl und die Fleischhandelsfirma Färber aus Emmendingen geben Anteile ab. Bühl hat derzeit 28,19 Prozent der Anteile, Färber hält 31,54 Prozent. Beide sollen auf 24,9 Prozent reduzieren. Die Bühler Metzgerei Vogt, derzeit 10,51 Prozent, soll die frei werdenden städtischen und färberschen Anteile übernehmen. Vogt wird also dann etwas mehr als 20 Prozent der Anteile halten.

Um die finanzielle Schieflage des Schlachthofs zu beenden und Mittel für Investitionen zur Verfügung zu haben, sind zudem finanzielle Stützungen nötig. „Nach derzeitiger Finanzlage werden insgesamt etwa 300.000 Euro benötigt“, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Ottersweierer Gemeinderat. Das Geld soll von den Anteilseignern entsprechend den jeweils gehaltenen Anteilen aufgebracht werden. Für die Gemeinde Ottersweier, die nur 1,23 Prozent der Anteile am Schlachthof hält, ist die finanzielle Belastung überschaubar. Sie liegt bei 3.690 Euro. In Bühl sieht das anders aus: „Wir bringen 75.000 Euro ein“, sagt OB Schnurr. Zudem soll die Zwetschgenstadt vorerst auf Pachteinnahmen in Höhe von 12.400 Euro im Jahr verzichten, die ihr normalerweise vom Schlachthof zustehen.

Ein Drittel der nötigen Stützungen von 300.000 Euro soll als Zuzahlung in die Kapitalrücklage der Gesellschaft erfolgen. 200.000 Euro sollen von den Anteilseignern in Form von Genussrechtskapital eingebracht werden. Dieses werde wie ein Darlehen verzinst – sofern der Geschäftsbetrieb rentierlich ist. Andererseits werde Genussrechtskapital in der Bilanz wie Eigenkapital der Gesellschaft ausgewiesen, wie es in den Unterlagen heißt. Es muss somit letztlich auch herhalten, wenn der Schlachthof weiterhin Verluste erwirtschaftet.

Verluste gab es zuletzt eine ganze Menge

Verluste gab es zuletzt eine ganze Menge. „Obwohl die Schlachtzahlen in den letzten Monaten zugenommen haben, entwickelte sich die wirtschaftliche Situation sehr ungünstig“, heißt es weiter. 2019 sei ein Verlust von 73.000 Euro gemacht worden. 2020 dürfte der Jahresabschluss ein Minus von 133.000 Euro ausweisen. „Das Jahr 2021 verläuft nicht wesentlich besser. Das Eigenkapital ist aufgebraucht, obwohl andere Gesellschafter zur Sicherung der Liquidität erhebliche Einzahlungen in die Kapitalrücklage geleistet haben“, informiert die Gemeindeverwaltung Ottersweier in den Unterlagen und spricht Klartext über die Gründe: „Die Organisation der Gesellschaft und des operativen Betriebes wird den heutigen Anforderungen an einen Schlachthofbetrieb nicht mehr gerecht, die Technik ist überaltert, reparaturanfällig und dadurch ineffizient, die Personalsituation sowohl in Quantität als auch Qualität problematisch.“ Dadurch sei die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt oft gestört, was zusätzliche Kosten verursache.

Wie berichtet, hat sich deshalb eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Aspichhof-Chef Ewald Glaser und unter Zuziehung externer Berater mit der Zukunft des Schlachthofs beschäftigt. Sie ist zum Schluss gekommen, dass der Bühler Schlachthof eine Zukunft hat. „Kleine, regionale Schlachthöfe sind als Alternative zu den großen Massenschlachthöfen in den Fokus geraten. Sowohl die Tiertransporte zu diesen Schlachtzentren als auch die Arbeitsbedingungen in diesen haben im politischen Raum dazu geführt, sich mit den Überlebensmöglichkeiten kleiner Betriebe zu beschäftigen und Förderprogramme aufzulegen. Hinzu kommt, dass sich die Marktchancen des Bühler Schlachthofes verbessert haben, weil andere Schlachthöfe geschlossen wurden oder werden“, so das Fazit.

Nachbarkommunen sollen sich beteiligen

Neben den Zuschüssen und der Neuverteilung der Anteile sollen Investitionen in die Technik des Schlachthofs den künftigen Betrieb sicherstellen. 700.000 Euro sind dafür nötig, heißt es in den Unterlagen. Dank eines Landesprogramms für die Förderung von Investitionen in den Tierschutz könnte ein Zuschuss von 40 Prozent fließen. Außerdem sollen ein Aufsichtsrat gegründet und ein Betriebsleiter eingesetzt werden, der den Geschäftsführer entlastet. Derzeit führt Andreas Bohnert, der Leiter des Bühler Ordnungsamtes, die Geschäfte. In diesen Strukturen sei es „nur möglich, gerade so den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten“, heißt es.

Wenn der Schlachthof wieder auf gesunden Beinen steht, will Schnurr auch auf die Nachbarkommunen zugehen. Die Einrichtung werde schließlich von Metzgern und Landwirten aus dem Ortenaukreis und aus den Kreisen Freudenstadt und Karlsruhe genutzt. „Da werden wir anklopfen“, so Schnurr. Der Schlachthof sei schließlich keine lokale Aufgabe, sondern eine regionale.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
5. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

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