Neues Leben in Zehntscheuern Gernsbach

Gernsbach (BT) – Gernsbach ist in das Förderprogramm des Landes „Frei-Räume“ aufgenommen worden. Damit sind zunächst mehrere Veranstaltungen im September in den historischen Zehntscheuern möglich.

Sollen sich zu einem kulturellen Treffpunkt entwickeln: die Zehntscheuern in Gernsbach. Foto: Stadt Gernsbach

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Sollen sich zu einem kulturellen Treffpunkt entwickeln: die Zehntscheuern in Gernsbach. Foto: Stadt Gernsbach

Im Jahr 2020 bewarb sich die Stadt Gernsbach erfolgreich um Aufnahme in das Förderprogramm „Frei-Räume“ mit dem Ziel, die Gernsbacher Zehntscheuern zu einem kulturellen Treffpunkt in der Region zu etablieren. Das Förderprogramm des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst steht dafür, neue Kultur- und Begegnungsorte zu schaffen.

Verschiedene Veranstaltungen, Führungen und Aktionen, die in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Gernsbach und insgesamt elf Kooperationspartnern organisiert werden, machen die Zehntscheuern in der Altstadt zugänglich und somit erlebbar.

Den Auftakt bildet der „Kulturseptember in den Zehntscheuern“. An fünf Veranstaltungen haben Besucher die Möglichkeit, spannenden und informativen Gesprächen, Lesungen und Vorträgen zu lauschen und dabei die besondere Atmosphäre der Zehntscheuern zu erleben.

Auftakt am 3. September

Die Eröffnungsveranstaltung findet am Freitag, 3. September, mit einem Dialog aus der Gesprächsreihe „Unsere Räume“ des Arbeitskreises Stadtgeschichte statt. Das Thema lautet „Die Stadt als Wohnzimmer“. Gernsbach lässt sich lesen wie ein Buch. Aus Häusern und Plätzen, Wegen, Blicken und Geschichten haben sich die Menschen die Stadt als ihren Lebensraum geformt.

Über konkrete Beispiele und die tragenden Ideen unterhalten sich im lockeren Austausch Gerhard Schäuble und Ulrich Maximilian Schumann. Schäuble war 1972 bis 2003 Leiter des Städtischen Bauamts und verantwortlich unter anderem für Renovierung und Restaurierung des Alten Rathauses und des Waldbachs mit der Stadtmauer. Schumann stammt aus Kuppenheim. Er ist Dozent für Europäische Stadt und Kultur (Straßburg, Karlsruhe), Vorsitzender der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft und Mitglied im Arbeitskreis Stadtgeschichte.

Weiter geht es am Mittwoch, 8. September, mit einer Lesung aus dem Historienroman „Der Ring des Kaisers“ von Cornelia Renger-Zorn. Die Autorin nimmt die Zuhörer mit auf eine spannende Reise in das Murgtal und die Welt im 11. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Heinrich, Kaiser des römisch-deutschen Reiches, der seinen eigenen Gang nach Canossa antritt und mit Fürsten und Päpsten kämpft. Die Herren von Michelbach und Eberstein nutzen derweil die Gunst der Stunde zur Erweiterung ihrer Macht.

„Drei Jahrhunderte jüdisches Leben in Gernsbach“

Zudem gibt es eine Vortragsreihe mit drei Veranstaltungen. Dabei handelt es sich nach Angaben der Stadtverwaltung Gernsbach um eine Vortragsreihe des Stadtarchivs. 2021 leben nachweisbar seit 1.700 Jahren Juden im Gebiet des heutigen Deutschlands. Aus diesem Anlass finden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen statt. Im Vorfeld einer Veranstaltungsreihe für ganz Mittelbaden stellt die Serie „Drei Jahrhunderte jüdisches Leben in Gernsbach“ eine dreiteilige Annäherung über Biografien und Bilder dar. Die drei bildgestützten Vorträge veranschaulichen anhand exemplarisch geschilderter Lebensschicksale die ab dem späten 17. Jahrhundert belegte jüdische Existenz in Gernsbach.

Cornelia Renger-Zorn referiert am Freitag, 10. September, über Friederike Fries und Simon Kaufmann, eine Christin und ein Jude, die heiraten wollen – in der Zeit um 1800 ein Skandal, der weite Kreise zieht. Der Vortrag beleuchtet eine Zeitspanne, in der mit dem Religionsedikt von 1809 aus „Schutzjuden“ erstmals badische Staatsbürger wurden – auch wenn die vollständige rechtliche Gleichstellung nochmals mehr als ein halbes Jahrhundert dauern sollte.

Dr. Ulrich Maximilian Schumann präsentiert am Freitag, 17. September, den Vortrag über Berthold Auerbach und Gernsbach – moderne Literatur, jüdisches Leben. Auerbach, einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit, verbindet eine besondere Beziehung mit Gernsbach. In seinen Büchern, die in viele Sprachen übersetzt werden, porträtiert er auch das Leben in der Murgtalstadt und ihrer Umgebung.

Abschluss mit Vortrag über Moritz Stern

Den Abschluss des Kulturseptembers bildet am Freitag, 24. September, der Vortrag über Moritz Stern. Der Referent Wolfgang Froese beleuchtet das Leben des Gernsbacher Ladeninhabers, der im Ersten Weltkrieg vom badischen Großherzog für besondere Tapferkeit ausgezeichnet wird und zu den überzeugten Demokraten gehört, die die Weimarer Republik mitgründen und zu verteidigen helfen. Im Jahr 1942 wird er im fernen Riga Opfer der Shoah und mit unbekanntem Todesdatum ermordet.

„Die Aufnahme in dieses Förderprogramm ist ein großer Gewinn für unsere Stadt. Mit den generierten Mitteln erhalten wir zusätzlichen Rückenwind für den Altstadtentwicklungsprozess. Ein großes Dankeschön daher an alle, die jetzt die spannenden Veranstaltungen in den Zehntscheuern umsetzen“, so Bürgermeister Julian Christ.

Eine Übersicht aller Veranstaltungen sowie wichtige Infos gibt es im neu erschienenen Flyer, der in Kürze in der Tourist-Info Gernsbach bereitliegt und dann auch auf der Homepage der Stadt Gernsbach hinterlegt ist. Die Tickets kosten zehn Euro pro Person auf allen Plätzen und sind ab Montag, 16. August, bei der Tourist-Info erhältlich. Die Plätze sind begrenzt. Bei den Veranstaltungen gelten die zum jeweiligen Zeitpunkt gültigen Corona-Vorschriften.

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Erstellt:
11. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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