Neues Zuhause für Alpensegler in Bühl

Bühl (sga) – Der neue Rückzugsort für den Alpensegler ist am Neubau der Sparkasse in Bühl angebracht worden. Oberbürgermeister Hubert Schnurr freut sich über vier weitere Brutkästen.

Die meiste Zeit verbringt der Vogel in der Luft. Foto: Lukas Thiess

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Die meiste Zeit verbringt der Vogel in der Luft. Foto: Lukas Thiess

Sesshaft sind sie noch nicht. Aber die vier neuen Brutkästen haben die Alpensegler schon gefunden, „sie sind schon fleißig drumherum geflogen“, wie der Biologe Martin Boschert beobachtet hat. Vielleicht dauert es also nicht mehr lang, bis sich die Vögel mit dem stromlinienförmigen Körper am Dach der Sparkasse einrichten.

Denn an der erst kürzlich frisch sanierten Zentrale in der Eisenbahnstraße sollen künftig mehrere Rückzugsorte für einen Wohlfühleffekt bei den Alpenseglern sorgen. Die haben sich nämlich bereits 2013 in Bühl angesiedelt und brauchen Unterstützung, damit sie dauerhaft Fuß fassen können.

Hilfe gibt es dabei von Manfred Weber vom Offenburger Naturschutzbund. Insgesamt hat er vier Nistkästen gebaut, die am oberen Teil des Gebäudes befestigt wurden – nebeneinander, denn „der Alpensegler ist ein soziales Tier“ und hat gerne Gesellschaft, wie Boschert weiß. Matthias Reinschmidt kann ihm als Direktor des Karlsruher Zoos nur zustimmen, schließlich kennt auch er sich gut mit Alpenseglern aus. Während Corona hat er einige Spaziergänge durch den Tierpark der Fächerstadt gemacht und dabei viele verschiedene Vogelarten entdeckt. „Der Alpensegler müsste die 51. Spezies gewesen sein.“

Deutliches Zeichen für den Klimawandel

Ursprünglich besiedelten die gefiederten Tiere weite Teile des südlichen Europas. Dass sie sich allerdings auch in der Zwetschgenstadt sehr wohlzufühlen scheinen, ist für Oberbürgermeister Hubert Schnurr eine besondere Freude und „sehr beeindruckend“. In Bühl gebe es bereits (jeweils rechts und links neben dem Bankgebäude) den einen oder anderen Brutkasten. Sparkassendirektor Frank König bietet da gerne eine weitere Unterschlupfmöglichkeit. Auch, weil bei dem Bau des Gebäudes unter anderem Themen wie Naturschutz und Nachhaltigkeit „eine große Rolle“ gespielt haben. Und unabhängig davon sei es ja auch eine gewisse Form von Lebensqualität, wenn sich die Tiere in der Stadt aufhalten.

Halten schon Ausschau: Matthias Reinschmidt, Martin Boschert und Frank König (von links). Foto: Sarah Gallenberger

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Halten schon Ausschau: Matthias Reinschmidt, Martin Boschert und Frank König (von links). Foto: Sarah Gallenberger

Dass sich Vögel und Co. mittlerweile auch gerne in Siedlungen aufhalten und dort neue Rückzugsorte gefunden haben, ist laut Reinschmidt heute nicht mehr ungewöhnlich. Der Zoodirektor führt die biologische Vielfalt in der Stadt auf die mehr und mehr „ausgeräumten“ Landschaften zurück. Biologe Boschert stimmt zu und findet es auch logisch, dass sich der Alpensegler immer weiter im Südwesten Deutschlands verbreitet: „Das ist eine hervorragende Anzeige für den Klimawandel.“ Dieses Jahr habe sich beispielsweise auch die Brutzeit durch das Wetter nach hinten verschoben. Nachdem das gefiederte Tier im März beziehungsweise April angereist ist, werde es vielleicht sogar bis Oktober hier verweilen, bevor es wieder in sein Winterquartier fliegt, das sich nördlich der Sahara befindet.

Als einer der größten Segler braucht die seit längerer Zeit in Bühl gesichtete Spezies gar nicht so viel Platz, wie vielleicht vermutet wird. Die vier Kästen jedenfalls sind nicht sehr ausladend, für einen Laien vielleicht sogar noch nicht mal als solche zu erkennen.

Weitere Standorte in Planung

Trotzdem übernimmt die Artenschutzstiftung des Karlsruher Zoos die Finanzierung der Nistangebote und möchte dieses auch künftig noch weiter ausbauen. Boschert berichtet von einer Liste, die seitens der Stadt extra für weitere Rückzugsmöglichkeiten des Alpenseglers angefertigt worden ist. Im Eigentum von Bühl befänden sich noch andere Gebäude, die sich für Brutkästen eignen könnten. Denn diese können „nicht einfach an jedem Haus“ angebracht werden, im Gegenteil: „Da gibt es einige Faktoren zu berücksichtigen.“ Ein wichtiger Aspekt sei beispielsweise, dass der Alpensegler zwar Füße habe, diese allerdings nur selten (und dann auch eher ungelenk) einsetzt. Damit Abflug und Landung trotzdem gut funktionieren, sei eine Fallhöhe von rund acht Metern von Vorteil. Wo genau künftig noch mehr der Alpensegler ihre Brutzeit verbringen könnten, wird sich laut dem Biologen im Herbst zeigen, wenn die nächsten Orte ins Visier genommen werden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
5. August 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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