Neuland für alle

Karlsruhe (red) – Der Karlsruher SC will sein erstes Saisonspiel vor leeren Rängen strikt handhaben. Gegen den SV Darmstadt 98 an diesem Samstag (13 Uhr/Sky) darf aufgrund der aktuellen Corona-Situation das Wildparkgelände nur betreten, wer dort auch etwas Wichtiges zu tun hat. „Wir werden nur Personen reinlassen, die einen konkreten Arbeitsauftrag haben“, sagte Geschäftsführer Michael Becker am Donnerstag. „Inklusive Spieler werden das unter hundert Personen sein. Mehr werden es nicht werden“, führte er aus.

KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer beim Geisterspiel im August 2012 gegen den VfL Osnabrück.

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KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer beim Geisterspiel im August 2012 gegen den VfL Osnabrück.

Es sei auch für ihn „Neuland“ sagt Christian Eichner, wie sollte es auch anders sein. Ein Fußballspiel ohne Zuschauer, das hat der 37-Jährige weder in seiner langen Zeit als Profi erlebt noch in der kurzen als Trainer, morgen ab 13 Uhr wird ihm dieses zweifelhafte Vergnügen zu teil. Wegen des Coronavirus wird die Partie des Karlsruher SC gegen Darmstadt 98 als sogenanntes Geisterspiel ausgetragen, also vor leeren Rängen.

Was seine Mannschaft dabei in etwa erwartet, hat Eichner sich unter der Woche zumindest im Fernsehen angeschaut. „Das hat sich nicht wirklich gut angefühlt“, berichtete er gestern. „Das Zusammenspiel zwischen Platz und Tribüne macht doch den Reiz einer Partie aus“, findet er. Mehr noch, gerade im speziellen Fall, also jenem des Tabellenvorletzten KSC: „Für Mannschaften im Abstiegskampf ist es elementar wichtig, dass sie bei Heimspielen von den Fans unterstütz werden.“

Morgen gegen Darmstadt wird diese Unterstützung fehlen. Dass das auch für eine ganze Reihe Spieler der Badener gilt – Djuricin, Röser, Ben-Hatira und Kobald fallen definitiv aus, hinter Fink, Carlson, Lorenz und Möbius steht zumindest ein Fragezeichen –rückt bei alledem fast schon in den Hintergrund.

Die bange Frage: Wie wird es weitergehen?

Es sind nunmal nicht die Tage des Fußballs, sondern von Corona. Und ins Zentrum rückt auch für den KSC immer mehr die bange Frage: Wie wird es weitergehen? Die end- und allgemeingültige Antwort kann derzeit niemand geben, auch KSC-Geschäftsführer Michael Becker nicht. „Wir sind in ständigem Austausch mit der DFL“, sagte Becker gestern. Kommenden Montag wird er zusammen mit Sportdirektor Oliver Kreuzer zu jenem Krisengipfel zum Thema fahren, zu dem die Deutsche Fußball Liga kurzfristig alle 36 Bundesligavereine nach Frankfurt eingeladen hat. „Da wird die DFL verschiedene Szenarien und Handlungsalternativen vorstellen“, benennt Becker seine Erwartungen an die Zusammenkunft. Solange, so der KSC-Geschäftsführer, tue man als einzelner Verein gut daran, „nicht vorab in irgendwelche Richtungen zu argumentieren“, sondern erstmal zu schauen, wie die DFL sich verhält, „um dann zusammen mit den anderen 35 Profivereinen eine Lösung zu finden“.

Selbst eine Tendenz, in welche Richtung es gehen könnte, verkniff sich Becker gestern. „Es kann sein, dass am Montag eine finale Entscheidung gefällt wird. Es kann aber auch sein, dass man sagt, man wartet noch ab und beobachtet weiterhin die die Situation.“ Nicht zuletzt die Eindrücke vom anstehenden Wochenende könnten dabei ausschlaggebend sein.

Wie wird mit den finanziellen Verlusten umgegangen?

Derzeit vorstellbar sind drei Lösungsvarianten. Variante eins: Es gibt erneut und ligaweit weitere Geisterspieltage. Variante zwei: Die Saison wird zumindest, wie in Spanien, zeitweise ausgesetzt, also unterbrochen. Variante drei: Sie wird, wie im deutschen Eishockey, abgebrochen. „Bei einem Saisonabbruch müsste man erstmal genauer beleuchten, was das im Detail bedeutet“, sagt Becker. Also Fragen klären wie diese: Wer steigt ab? Wer steigt auf? Wer kommt ins internationale Geschäft?

„Sollte niemand absteigen, wäre das für uns natürlich erstmal gut. Aber was sagen die Teams, die auf Platz vier stehen und noch aufsteigen können?“, fragt Becker rein rhetorisch. Und fügt an: „Deshalb muss es eine Entscheidung her, die von einer relativ großen Mehrheit der Vereine getragen wird.“

Diskutiert werden muss dann wohl auch, wie mit den wirtschaftlichen Verlusten der Klubs umzugehen ist, die es auf jeden Fall geben wird. Den finanziellen Ausfall eines Geisterspiels wie dem morgigen gegen Darmstadt bezifferte Becker gestern auf „im worst case 500 000 Euro“. Abhängig sei das auch davon, „wieviele Fans, Partner und Sponsoren von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch machen.“ Was das für den Fall eines Saisonabbruchs bedeuten würde, lässt sich bei nach diesem Spieltag noch vier ausstehenden KSC-Heimspielen relativ leicht errechnen.

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Erstellt:
13. März 2020, 10:40 Uhr
Lesedauer:
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