Neusatzeck: „Aurelia Concept ist raus“

Bühl (hol) – Weil der Mutterhaus-Verkauf des früheren Klosterkomplexes Neusatzeck gescheitert ist, will Prosecur die Vermarktung des gesamten früheren Kloster-Areals angehen.

Für das ehemalige Mutterhaus (rechts) ist noch immer kein Geld geflossen. Die Kölner Prosecur will es jetzt gemeinsam mit dem Josef-Bäder-Haus (links) vermarkten. Foto: Archiv/Willi Walter

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Für das ehemalige Mutterhaus (rechts) ist noch immer kein Geld geflossen. Die Kölner Prosecur will es jetzt gemeinsam mit dem Josef-Bäder-Haus (links) vermarkten. Foto: Archiv/Willi Walter

Im Tauziehen zwischen dem Baden-Badener Projektentwickler Bernd Matthias von Aurelia Concept und der Kölner Vermögensverwaltungsfirma Prosecur um das ehemalige Mutterhaus des früheren Klosterkomplexes Neusatzeck ist eine Entscheidung gefallen. Weil die Kaufsumme von einer Million Euro nicht wie vereinbart bis Weihnachten geflossen ist, wird nun Prosecur das Areal vermarkten.

So bringt es jedenfalls Geschäftsführer Ralf Olbrück auf Nachfrage dieser Zeitung auf den Punkt. „Der Kaufpreis wurde nicht bezahlt“, sagt er. Vertraglich vereinbart war zwischen beiden Seiten, dass die Summe bis spätestens 23. Dezember fließen sollte. Dies kam nicht zustande. Die Bühler Schwestern, deren Interessen Prosecur vertritt, seien deshalb erneut von dem Kaufvertrag mit Aurelia Concept zurückgetreten, sagt Olbrück. „Und damit sind wir wieder vollkommen frei. Aurelia Concept ist definitiv raus.“

Nach Ende der Weihnachts- und Silvesterruhe will Prosecur nun daran gehen, den gesamten Klosterkomplex in Neusatz zu vermarkten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Die Immobilie besteht aus dem denkmalgeschützten Josef-Bäder-Haus nördlich der Schwarzwaldstraße und dem ehemaligen Mutterhaus auf der anderen Straßenseite. Auf dem Areal des Mutterhauses ist der Bau eines Seniorenheims vorgesehen – dafür gibt es auch einen gültigen Bebauungsplan. Über die künftige Nutzung des alten Gebäudekomplexes gegenüber gibt es dagegen noch keine exakte Vorstellung. Von einem Hospiz, einem seniorengerechten Hotel und den Plänen für eine Yoga-Schule war zuletzt zu hören.

„Belastbare Finanzierungszusagen“ von allen Interessenten

„Wir gehen zunächst an diejenigen Interessenten, die an beiden Seiten zusammen Interesse haben“, sagt Olbrück. Davon gebe es mehr als einen. Zudem habe man auch noch mehrere Interessenten an der Hand, die lediglich einen der beiden Gebäudekomplexe erwerben und nutzen wollen. Mit denen werde man Kontakt aufnehmen, wenn sich kein gemeinsamer Käufer finde. „Dann werden wir hoffentlich rasch vorankommen“, so der Prosecur-Chef. „Ein Jahr will ich jedenfalls nicht mehr brauchen.“ Von allen Interessenten gebe es bereits „belastbare Finanzierungszusagen“ für das Projekt, betont er.

Nach einem jahrelangen baurechtlichen und kommunalpolitischen Hin und Her um Neusatzeck hatte es 2021 schließlich auch einen Rechtsstreit gegeben. Auf der einen Seite: Aurelia Concept. Das Unternehmen hatte das Vorhaben eines 90-Betten-Pflegeheims im ehemaligen Mutterhaus gemeinsam mit einem Investor bis zur Baureife vorangetrieben. Im März traten die Neusatzer Schwestern aber von einem 2018 abgeschlossenen und viermal verlängerten Verkaufsvertrag zurück, weil sie bis dahin keinen Cent des vereinbarten Kaufpreises von einer Million Euro gesehen hatten. Auf der anderen Seite: Die Vermögensverwaltungsfirma Prosecur aus Köln, die von den Neusatzer Schwestern nach dem Vertragsrücktritt beauftragt wurde, die Immobilie zu verkaufen.

Vorvertrag platzt kurz vor dem 23. Dezember

Vor der Zivilkammer des Baden-Badener Landgerichts kamen beide Seiten im Oktober überein, dass es eine letzte Frist geben würde, bis zu der die Kaufsumme fließen sollte: Diese Frist endete am 23. Dezember 2021. Zuletzt sah es auch danach aus, dass der Deal klappen könnte. Mit den Bühler Schwestern vom in der Zwetschgenstadt gelegenen Kloster Maria Hilf hatte Aurelia Concept sogar ein Vorvertrag geschlossen über den Betrieb des Pflegeheims im ehemaligen Mutterhaus. Doch in den letzten Tagen vor dem entscheidenden Datum lief für den Projektentwickler einiges nicht nach Plan.

Die Trägergesellschaft (TGE) der Bühler Schwestern stieg wieder aus dem Vorvertrag aus – überraschend, wie Bernd Matthias auf Nachfrage dieser Zeitung sagt. Er habe erst am 20. Dezember davon erfahren und dann in der Kürze der Zeit einen neuen Betreiber finden müssen. Zudem habe Prosecur darauf bestanden, dass die Kaufsumme überwiesen wird, ohne dass im Gegenzug eine sogenannte Auflassungsvormerkung ins Grundbuch eingetragen wird, die der Absicherung des Käufers dient. Das war in der Vereinbarung zwischen beiden Seiten im Oktober genau so festgehalten und unterschrieben worden, „aber das macht doch kein Mensch“, sagt Matthias. Deshalb wolle er jetzt diese „Zwangsvereinbarung, die auf Druck von Prosecur zustande kam“, noch einmal juristisch überprüfen lassen. Das Geld sei am 23. Dezember zwar bereitgelegen. Doch die Überweisung sei unter diesen Bedingungen nicht zustande gekommen, räumt er ein.

Nervenaufreibende Zeiten

Es seien nervenaufreibende Zeiten gewesen – für ihn und die ehemaligen Schwestern von Neusatzeck, die den Kauferlös für ihren Lebensabend brauchen, sagt Olbrück. „Wir haben so etwas noch nie erlebt.“ Letztlich sei er aber „nicht überrascht gewesen“, dass der Deal am 23. Dezember scheiterte. „Das lag und liegt an der mangelnden Bonität von Aurelia Concept“, so die Einschätzung des Prosecur-Chefs. Das Baden-Badener Unternehmen habe versucht, die Kaufsumme durch einen schnellen Weiterverkauf der Immobilie zu bekommen und sei nicht zur Bank gegangen, um das Projekt vorzufinanzieren, glaubt er. Und dieser Plan sei wohl gescheitert.

Weshalb die Bühler Schwestern so kurzfristig aus dem Vorvertrag mit Aurelia Concept ausgestiegen sind und so das Scheitern des Deals verursacht haben, ist nicht zu erfahren. Von der im bayerischen Neumarkt sitzenden TGE gab es auf mehrere Nachfragen dieser Zeitung die Info, dass man zu dem Thema „noch keine Rückmeldung“ geben könne.

Zum Thema

1855 wurde das Kloster auf der Höhe zwischen der Zwetschgenstadt und Bühlertal von zwölf jungen Ordensschwestern auf dem Areal des Eckhofs im damals noch selbstständigen Örtchen Neusatz gegründet. Dort entstand auch das erste Waisenhaus des Landes. Später kam eine Schule zur Fortbildung für Mädchen nach dem Schulabschluss dazu, dann das erste Exerzitienhaus in der Erzdiözese Freiburg. Die Klosterkirche St. Agnes wurde gebaut und 1864 eingeweiht, 1917 formierten sich die Frauen zur Ordensgemeinschaft der Schwestern vom III. Orden des Heiligen Dominikus in der Erzdiözese. Bis 1971 betreuten die Nonnen den Kindergarten in der ehemaligen Neusatzecker Schule, später waren sie im Kindergarten St. Borromäus aktiv. Zudem wurde das Kloster zum wichtigen Arbeitgeber in Neusatz. Es gab Äcker, Wiesen und Wälder. Knechte halfen im Kuh- und Schweinestall. Eine eigene Mühle hat das Mehl gemahlen, in der Küche wurde für alle gekocht. Im Gästehaus wurden Kurse und Exerzitien abgehalten. Zudem besaßen und betrieben die Schwestern das Marienkrankenhaus in Karlsruhe und unterstützten hilfsbedürftige Menschen. Während in Spitzenzeiten fast 250 Schwestern der Gemeinschaft angehörten, lebten zuletzt nur noch 16 Frauen im Kloster. Ihr Durchschnittsalter betrug 85 Jahre. Im Sommer 2021 zogen dann die letzten von ihnen aufs Altenteil ins Kloster St. Lioba nach Freiburg und ins Kloster Hegne am Bodensee.

Verzockt und verschwiegen

BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert
Es sieht ganz danach aus, als sei es das jetzt gewesen. Kurz vor Weihnachten ist die letzte Frist verstrichen, ohne dass der vereinbarte Kaufpreis für das ehemalige Mutterhaus von Neusatzeck an die Schwestern geflossen ist. Damit ist der Baden-Badener Projektentwickler Aurelia Concept aus dem Spiel. Bis zuletzt hatte das Unternehmen erbittert darum gekämpft, das von ihm bis zur Baureife getriebene Projekt eines Seniorenzentrums auf der Höhe zwischen Bühl und Bühlertal verwirklichen zu können. Stehaufmännchen Bernd Matthias, Sprecher des Unternehmens, hat während des jahrelangen Streits und des anfänglichen politischen Kuddelmuddels um das Thema auch gesundheitlich einen hohen Preis zahlen müssen. Am Ende hatte Aurelia Concept sich aber verzockt. Es fehlte offensichtlich an der nötigen finanziellen Potenz. Zudem hatte man es zuletzt auch noch mit der Kölner Prosecur und damit mit einem geradezu übermächtigen Gegner zu tun, der bundesweit seit Jahren mit der katholischen Kirche geschäftlich verbunden ist, dort einen guten Namen hat und sicherlich auch – wenn es nötig scheint – die richtigen Strippen ziehen kann, um ans Ziel zu kommen. Das hat augenscheinlich auch in diesem Fall geklappt. Anders ist es nämlich kaum zu erklären, wieso der katholische Betreiber TGE, der mit Aurelia Concept schon einen Vorvertrag über den Betrieb des Seniorenzentrums abgeschlossen hatte, kurz vor knapp ausgestiegen ist und auf diese Weise das ganze Kaufkonstrukt ins Wanken gebracht hat. Fragen zum Thema hat das verschwiegene Unternehmen aus der Oberpfalz von Anfang an nicht beantwortet. Und so sind der Spekulation Tür und Tor geöffnet. So liegt es nahe, dass die TGE auch bei Prosecur Interesse angemeldet hat und nun für den gesamten Gebäudekomplex zum Zuge kommt. Die nächsten Wochen werden da mehr Klarheit bringen. Und wer weiß: Vielleicht gibt sich Aurelia Concept auch noch nicht geschlagen.

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BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
3. Januar 2022, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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