Neusatzeck: Weg frei für Verkauf des Klosterensembles

Bühl (hol) – Die Ordensschwestern lassen den Deal übers Mutterhaus mit dem Baden-Badener Investor platzen. Nun steht ein Rechtsstreit ins Haus.

Schmuckstück: Aus dem Josef-Bäder-Haus werden die Nonnen bis zum Sommer ausziehen. Foto: Harald Holzmann

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Schmuckstück: Aus dem Josef-Bäder-Haus werden die Nonnen bis zum Sommer ausziehen. Foto: Harald Holzmann

Die Lage könnte schöner nicht sein, der bauliche Zustand ist gut. Trotzdem gestaltet sich die Vermarktung des aus Josef-Bäder-Komplex und Mutterhaus bestehenden Klosterensembles bei Neusatzeck schwierig. Die Dominikanerinnen, die das Mutterhaus an den Baden-Badener Investor Bernd Matthias verkaufen wollten, haben diesen Deal vergangene Woche überraschend platzen gelassen. Nun wird ein Verkauf des gesamten Ensembles am Stück immer wahrscheinlicher.

Hintergrund

Es war eine faustdicke Überraschung, die Oberbürgermeister Hubert Schnurr am Mittwoch am Ende der Gemeinderatssitzung verkündete: Die Schwestern seien vom Verkaufsvertrag zurückgetreten. Angeblich, weil es Investor Bernd Matthias mit seiner Firma Aurelia Concept noch nicht geschafft habe, die Bestätigung einer Bank vorzulegen, dass der Preis von einer Million Euro für das Mutterhaus finanziert werden könne. Nun sei ein Rechtsstreit zwischen den Dominikanerinnen und Aurelia Concept zu erwarten.

Der OB hatte davon am Nachmittag erfahren, und ihn dürften die News nicht erfreut haben. Schließlich hatte sich Schnurr in der Vergangenheit stets für den Investor stark gemacht und auch den zuerst skeptischen Gemeinderat, der Zweifel an der Seriosität der Planungen für das Seniorenzentrum im Mutterhaus hatte, in einer beispiellosen Kraftprobe auf seine Seite gezogen. Am Ende hatte das Gremium mehrheitlich dem Bebauungsplan fürs Mutterhaus zugestimmt – und manches Ratsmitglied dürfte dabei Bauchgrimmen gehabt haben. Der OB nicht: „Ich habe Vertrauen. Er hat uns gegenüber immer mit offenen Karten gespielt“, sagt Schnurr auch jetzt noch über Bernd Matthias. Und: „Er hat mir den Namen der Firma gesagt, die das Seniorenzentrum künftig betreiben sollte. Ich habe mich darauf verlassen, dass das klappt.“

„Wir haben die Reißleine gezogen“

Nun: Es hat nicht geklappt. Das künftige Betreiberunternehmen hat mitten in der finalen Planungsphase Insolvenz angemeldet. „Coronabedingt“, wie Bernd Matthias sagt. Deshalb habe er kürzlich bei der Bühler Stadtverwaltung einen Bearbeitungsstopp erbeten – „die Verwaltung muss ja nicht an Plänen arbeiten, die ohnehin so nicht kommen“, so der Investor. Er habe nun „acht weitere mögliche Betreiber an der Hand“, von denen er sich bis Mitte April mit einem einigen will. „Dann werde ich die geänderten Pläne einreichen – und es kann weitergehen“, so Matthias weiter.

Doch diese Verzögerung im Fortgang der Dinge wollten die Schwestern offenbar nicht mehr mittragen. „Wir haben die Reißleine gezogen“, sagt Ralf Olbrück, Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltungsfirma Prosecur, die die Immobilien in Neusatzeck im Auftrag des Ordens vermarktet. Und Olbrück macht deutlich: „Das Vertrauen in den Investor fehlt uns und den Schwestern schon seit längerer Zeit.“ Bernd Matthias habe alle Verzögerungen bei dem Bauprojekt stets zulasten der Schwestern abgewickelt. Mittlerweile bestünden „erhebliche Zweifel an der Bonität“ des Investors. „Wieso findet er keine Bank, die ihm die Finanzierung absichert?“, fragt Olbrück.

Deal geplatzt: Die Schwestern sind vom Verkaufsvertrag für das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck zurückgetreten. Foto: Bernhard Margull

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Deal geplatzt: Die Schwestern sind vom Verkaufsvertrag für das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck zurückgetreten. Foto: Bernhard Margull

Bei alledem gehe es um die Absicherung der Ordensschwestern. „Die brauchen das Geld. Der Umzug nach Freiburg steht an. Dort müssen die Schwestern Miete zahlen und anfallende Pflegekosten tragen.“ Die einzige Möglichkeit, die Probleme zu heilen, sei für Aurelia Concept, „den Kaufpreis schnell zu zahlen“. Wenn der Investor aber nun einen Rechtsstreit über das Projekt führen wolle, sehe er dieser Sache sehr gelassen entgegen.

Dass die Schwestern den Rückzieher gemacht haben, erleichtere ihm die Arbeit der Immobilienvermarktung erheblich. Prosecur werde jetzt mit Interessenten verhandeln, die beide Gebäudekomplexe diesseits und jenseits der Kreisstraße gemeinsam kaufen wollen. „Viele Interessenten für das Josef-Bäder-Haus waren zurückhaltend, weil sie erstmal schauen wollten, was sich denn drüben im Mutterhaus tut“, erklärt Olbrück. Die neue Situation hingegen biete mehr Chancen. Zumal jetzt für das Mutterhaus auch Baurecht bestehe. Für das Josef-Bäder-Haus gebe es viele Interessenten. Unter ihnen sei aber nicht die Baden-Badener Aurelia Concept. „Von dort liegt uns kein Angebot für das Josef-Bäder-Haus vor“, sagt Olbrück. Gegenüber dem BT hatte Bernd Matthias im vergangenen Jahr angekündigt, ein solches Angebot abgeben und im Josef-Bäder-Haus ein Hospiz und ein Senioren-Hotel unterbringen zu wollen.

OB Schnurr: „Wir sind in einer guten Position“

Auch Oberbürgermeister Hubert Schnurr ist davon überzeugt, dass für Bühl nichts verloren ist. „Im Gegenteil: Wir sind doch in einer guten Position“, sagt er. Es bestehe schließlich ein rechtskräftiger Bebauungsplan. Dass dieser vom Gemeinderat verabschiedet wurde, sei „der richtige Schritt gewesen, um die Realisierung eines Projekts zu ermöglichen“. Überhaupt sei eine gemeinsame Vermarktung beider Immobilien nicht das Schlechteste, meint Schnurr: „Wenn das Mutterhaus und das Josef-Bäder-Haus am Ende in einer Hand wären, dann wäre das sicher der Idealzustand.“

Der Baden-Badener Investor, der bei der Nachricht vom Rücktritt des Ordens von dem Verkaufsvertrag aus allen Wolken gefallen ist, wie er sagt, sieht das naturgemäß anders. Er gibt das Mutterhaus noch nicht verloren und will per Gericht erreichen, dass die Schwestern den Verkaufsvertrag erfüllen müssen. Die Vorgänge von vergangener Woche hätten einen „erheblichen Imageschaden“ für seine Firma verursacht, sagt er. „Ich hatte gedacht, ich habe es mit seriösen Leuten zu tun.“ Matthias geht davon aus, dass es Prosecur und dem Orden einzig darum geht, beide Immobilien an einen gemeinsamen Investor zu verkaufen und dank der Tatsache, dass beim Mutterhaus mittlerweile Baurecht besteht, ein höheres Sümmchen zu erzielen. Da will er aber nicht mitspielen. „Die Abrissarbeiten am Mutterhaus werden im Oktober beginnen“, sagt er. „Und sie werden vom jetzigen Investor erledigt“, ist er fest davon überzeugt, dass er vor Gericht bessere Karten hat. „Und wenn die Baugenehmigung rechtskräftig ist, damit ist im September zu rechnen, bekommen die Schwestern auch ihr Geld.“ So sei es auch vereinbart gewesen.

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Erstellt:
30. März 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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