Neusatzer in Nashville veröffentlicht neue CD

Bühl (jo) – Der in den USA lebende Neusatzer Musiker Thomm Jutz veröffentlicht am heutigen Freitag seine neue CD „To live in two Worlds, Volume 1“. Auf ihr sind karg gehaltenen Balladen, wohldosiertes Gitarrenspiel und beschwingte Bluegrass-Songs zu hören.

Besuch in der alten Heimat: Thomm Jutz vor vier Jahren auf der Bühne des Bürgerhauses Neuer Markt. Archivfoto: Eiermann

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Besuch in der alten Heimat: Thomm Jutz vor vier Jahren auf der Bühne des Bürgerhauses Neuer Markt. Archivfoto: Eiermann

Thomm Jutz, der in Neusatz aufgewachsene, vor Jahren in die USA ausgewanderte Musiker, Komponist und Produzent, lässt wieder von sich hören. Inmitten der Covid-19-Krise erscheint heute seine neue CD „To live in two Worlds, Volume 1“. Mit der im vergangenen Herbst vorab veröffentlichten Single „Mill Town Blues“, die den Sprung in die Top 20 der US-Bluesgrass-Charts schaffte, gelang Jutz im Vorgriff ein nationaler Radioerfolg.

Als er 2003 loszog, um sich in der Nähe von Nashville (Tennessee), der Metropole der Countrymusic, niederzulassen, hatte er einen großer Traum im Gepäck: die Kultur des amerikanischen Südens aufzusaugen, um ursprüngliche, authentische Musik zu machen. Drei Soloalben hat der vielbeschäftigte Gitarrist und Sänger in den vergangenen zehn Jahren eingespielt. „Jetzt habe ich das Gefühl, dass dies mein bisher bestes Werk ist.“

Bewusst karg gehaltene Balladen, bei denen allein seine Stimme und sein wohldosiertes Gitarrenspiel zu hören sind, korrespondieren im Wechsel mit beschwingten Bluegrass-Songs, die er mit seiner „Dreamband“ einspielen konnte: Mike Compton (Mandoline), Tammy Rogers (Fiddle), Justin Moses (Banjo) und Mark Fain (Bass). Zu hören ist mit Milan Miller auch der Gitarrist und Sänger, mit dem Jutz vor vier Jahren in der alten Heimat beim Bühler Bluegrass-Festival zu erleben war.

Alte Geschichten, neu erzählt

Ungeachtet seiner deutschen Herkunft hat es der 50-Jährige zu beachtlichen „Credits“ gebracht. Er schrieb für mehrere Interpreten bislang sechs Nummer-eins-Songs. 2017 und 2018 wurde er von der International Bluegrass Music Association (IBMA) zum Songwriter des Jahres nominiert, seine Komposition „Going back to Bristol“ 2017 zum Song des Jahres.

Nun das aktuelle Projekt „To live in two Worlds“, was hier nicht geografisch, sondern zeitgeschichtlich zu verorten ist. „Ich habe meinen Platz mit einem Fuß in einer anderen Welt und einem Fuß im Hier und Jetzt gefunden“, so Jutz. Die 14 eigenen Songs erzählen alte Geschichten neu. Jutz singt von vagabundierenden Musikern, tragischen Figuren des Amerikanischen Bürgerkriegs oder Arbeitern, die in den Baumwollspinnereien hart schufteten. In einer der Fabrikruinen entstand das Video zu „Mill Town Blues“. Die teils überlieferten, teils fiktiven Dramen und Tragödien versteht er als Gleichnisse für die Gegenwart – in einem Land, das ein narzisstischer Populist tief gespalten hat.

Der Emigrant ist musikalisch einen weiten Weg gegangen: vom Rockmusiker in jungen Jahren, der hierzulande mit der E-Gitarre und der „Rolling Dollar Blues Band“ tingelte, bis zum feinsinnig reflektierenden, gereiften Songschreiber mit eigenem Tonstudio, dessen Inspiration und Dienste sich auch viele namhafte Kollegen der Szene bedienen. Tom T. Hall, 83-jährige Legende, hält große Stücke auf den Zugewanderten. Jahrelang habe er gehofft, dass in Nashville ein junger Mann mit Gitarre aus dem Bus steigen und etwas Neues und Spannendes in die Musikszene bringen würde; sein Wunsch sollte in Erfüllung gehen: „Thomm Jutz ist in der Stadt, und die Stadt ist dafür umso besser.“ So wird einer zitiert, der elf Nummer-eins-Hits für Ikonen wie Johnny Cash oder Loretta Lynn schrieb.

Mit 11 Jahren mit Countrymusic in Kontakt gekommen

Thomm war elf Jahre alt, als er Bobby Bare im deutschen Fernsehen sah, was sein Interesse für Country- und Folkmusik begründete. Er studierte klassische Gitarre, reüssierte als Songschreiber und Produzent. Seine Lieder von „To live in two Worlds“ vermitteln auch US-Kulturgeschichte, da Jutz sich auf die Spuren von Schallplatten-Pionieren begibt wie Charlie Poole, Alfred Reed, Jimmie Rodgers, Blind Willie McTell oder Skip James („I long to hear them testify“). Sich mit der Musikgeschichte auseinanderzusetzen, insbesondere jener der 1920er Jahre, sei „extrem spannend“, so Jutz, zeuge diese frühe Epoche doch von wilder Kreativität unter dem Einfluss europäischer und afrikanischer Strömungen.

In die Historie eingehen wird, unter negativem Aspekt, auch die gegenwärtige Zeitphase. Jutz musste wegen der Ausbreitung des Virus seine Irland-Tournee abbrechen und Konzerte in den USA absagen. Dass er nebenbei Songwriting an der Belmont-Universität von Nashville unterrichtet, lässt ihn finanziell über die Runden kommen.

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Erstellt:
27. März 2020, 11:00 Uhr
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