Neustart bei der Jugendarbeit

Bietigheim (mak) – Der Gemeinderat verabschiedete am Dienstag eine neue Konzeption zum Betrieb des kommunalen Jugendraums. Außerdem bestellte das Gremium neue Mitglieder für den Jugendbeirat.

Im Jugendraum gibt es einen Billardtisch und weitere Angebote zur Freizeitbeschäftigung. Foto: Gemeinde Bietigheim

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Im Jugendraum gibt es einen Billardtisch und weitere Angebote zur Freizeitbeschäftigung. Foto: Gemeinde Bietigheim

„Ihr wart unsere Pioniere“, meinte Bürgermeister Constantin Braun, als er die vier Jugendbeirat-Mitglieder Lenny Orazulike, Tim Behringer, Dennis Dietrich und Jule Epple verabschiedete. „Es war sehr, sehr angenehm, mit euch zu arbeiten. Ich und der Gemeinderat wünschen euch alles Gute.“ Von den Gründungsmitgliedern macht Leo Schmitt weiter, neu dabei sind Francis Matz, Vanessa Pfeilstricker, Justin Droll, Emelie Bültena, Lenja Bültena, Vildan Hasanova und Raissa Geiselhardt. Der Jugendbeirat war aus dem ersten Jugendforum hervorgegangen, das die Gemeinde im März 2017 veranstaltet hatte, blickte Braun zurück. An dem Forum hatten 60 Kinder und Jugendliche teilgenommen, die sich in acht Projektgruppen aufgeteilt hatten. „Eine Gruppe wollte unbedingt mehr Beteiligung für Jugendliche erreichen, das war der Grundstein für den Jugendbeirat, der im März 2019 bestellt wurde“, erläuterte der Bürgermeister. Der Jugendbeirat habe sich unter anderem bei Fragen der Schulentwicklung eingebracht, ein Klimaschutzprojekt an der Grundschule angestoßen, sich beim Ferienspaß engagiert und eine Ostereiersuche mit über 100 Kindern organisiert. „Euer letztes Projekt war, dass ihr euch darum gekümmert habt, dass welche in eure Fußstapfen treten“, so Braun.

Neuer Jugendbeirat hat bereits einige Ideen


Die Neuen seien bereits seit dem Herbst aktiv und hätten eigentlich in einer Präsenzsitzung vorgestellt werden sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden sie nun im Rahmen der virtuellen Sitzung willkommen geheißen und offiziell bestellt. Zu deren ersten Ideen zählen ein Walderlebnispfad und ein Dirtbike-Parcours auf dem Hartplatz beim SV Germania. „Wir haben bei den Germanen angefragt, ob wir den Hartplatz umnutzen dürfen, der Parcours wäre mit verhältnismäßig geringen Geldmitteln realisierbar“, verdeutlichte Braun. Die Jugendlichen haben bereits Skizzen entworfen, nächsten Montag findet ein erstes Gespräch mit einem Planer statt. „Das sind jedoch erst mal nur Überlegungen, wir müssen uns danach noch einmal mit dem SV Germania unterhalten“, betonte der Rathauschef. Dieser hatte für den neuen Jugendbeirat eine ganze Reihe von Geschenken mit Symbolcharakter parat: Vom T-Shirt mit Jugendbeirat-Logo über einen Block für gute Ideen bis hin zu Puzzleteilen: „Ihr seid ein wichtiges Puzzleteil für Bietigheim.“ Dr. Wolfgang Bernart (FW) bedankte sich beim Jugendbeirat für die geleistete Arbeit: „Habt viel Erfolg draußen in der Welt. Ihr seid jederzeit wieder herzlich willkommen in Bietigheim.“ Rolf Westermann (CDU) begrüßte die Neuen: „Es ist heutzutage nicht selbstverständlich, dass sich Jugendliche so einbringen in eine Gemeinde.“ Samuel Engelhard (SPD) meinte: „Es ist phänomenal, was ihr in dieser kurzen Zeit etabliert habt.“ Dem neuen Jugendbeirat sicherte er die Unterstützung des Gremiums zu. Jörg Monschau (SPD) appellierte an die Jugendlichen, sich auch Gedanken darüber zu machen, wie man die Skateranlage und den geplanten Soccercourt vor Vandalismus schützen könnte: „Vielleicht mit einer feierlichen Eröffnung, damit viele Jugendliche sehen, wie wertvoll diese Anlagen sind?“

Jugendraum wird neu gestaltet

Das zweite Jugend-Thema der Ratssitzung drehte sich um die offene Jugendarbeit und die Neukonzeption des kommunalen Jugendraums im Bürgerzentrum „Alter Tabakschuppen“. Dieser wurde seit 2008 von der Ohlebusch-Gruppe aus Baden-Baden betrieben. Nachdem der Jugendraum pandemiebedingt mehrere Monate geschlossen werden musste und ein Betreuerwechsel stattgefunden hatte, überdachten Verwaltung und Rat das Thema Jugendraum neu, wie Bürgermeister Constantin Braun ausführte. Das Gremium beschloss daraufhin im September in nichtöffentlicher Sitzung, die Jugendarbeit zu kommunalisieren. Mit der Sozialpädagogin Martina Schauer vom Jugend-, Familien- und Seniorenbüro verfügte die Gemeinde bereits über eine Fachkraft, die überdies bereits den Jugendraum betreut hatte. „Deshalb haben wir es uns auch zugetraut, die Betreuung des Jugendraums mit eigenem Personal zu stemmen“, so der Rathauschef. Zum 1. Februar hat die Gemeinde Bietigheim die pädagogische Fachkraft Dilara Corneli eingestellt. Die 24-Jährige aus Karlsruhe-Durlach arbeitet zu 50 Prozent im Jugendraum und zu 30 Prozent im Jugend-, Familien- und Seniorenbüro. Zum Auftakt entwickelte sie gemeinsam mit Martina Schauer eine 17-seitige Konzeption für den Jugendraum unter dem Titel „La Vida Loca 2.0“, die sie am Dienstag dem Gemeinderat präsentierte. Der offene Treff im Jugendraum soll mit niederschwelligen Angeboten Jugendliche einladen. Daneben werde es auch gezielte Angebote sowie eine Beratung und Begleitung der Teenager geben. Die Kooperation mit den örtlichen Vereinen sei ihr wichtig. „Wir möchten die Jugendlichen in allen Lebenslagen unterstützen und kreative Räume schaffen. Wir möchten sie auch zu Sport und Ehrenamt motivieren“, erläuterte Corneli. Sie arbeitet zudem als Streetworkerin und wird die Heranwachsenden an den Plätzen im Ort ansprechen, an denen sie sich gerade aufhalten. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt soll der Jugendraum neu gestaltet werden, auch eine Ferienfreizeit werde geplant. „Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit, es gibt keine Garantie, dass die Angebote auch angenommen werden“, betonte Corneli. Ihr Konzept stieß bei allen Fraktionsvorsitzenden und bei Bürgermeister Braun auf große Zustimmung. Samuel Engelhard (SPD) meinte: „Wow, das ist ein richtig guter Start. Das ist genau das, was wir hier brauchen.“

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Erstellt:
4. März 2021, 14:00 Uhr
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