Neustart im Festspielhaus vor 500 Besuchern

Baden-Baden (cl) – Das Festspielhaus Baden-Baden kann den Neustart im Juli größer planen: Das Land hat den Modellantrag genehmigt, bei den Sommerfestspielen dürfen mindestens 500 Gäste Platz nehmen.

Bei den Sommerfestspielen ab 2. Juli kann das Festspielhaus Baden-Baden nach einer Prüfung durch das Gesundheitsamt eventuell noch mehr Gäste zum Beethoven-Zyklus einlassen.  Foto: Uli Deck/dpa

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Bei den Sommerfestspielen ab 2. Juli kann das Festspielhaus Baden-Baden nach einer Prüfung durch das Gesundheitsamt eventuell noch mehr Gäste zum Beethoven-Zyklus einlassen. Foto: Uli Deck/dpa

Nach dem Startsignal der Landesregierung können mehrere große Bühnen in Baden-Württemberg an diesem Samstag endlich die Corona-Zwangspause für beendet erklären und erste Stücke aufführen. Unter anderem in Ötigheim, Schwäbisch Hall und Stuttgart werden jeweils Hunderte Besucher erwartet. Allerdings sind für die größeren Theaterpremieren auch noch Karten zu haben. Außerdem wurde der Modellantrag, den das Festspielhaus Baden-Baden kurz nach Pfingsten gestellt hatte, genehmigt.

Im 2.500-Plätze-Haus sind bereits zum Neustart Anfang Juli Konzerte vor mindestens 500 Besuchern pro Veranstaltung erlaubt. Momentan sei noch ein zweiter Antrag in der Genehmigungsphase, um eventuell noch mehr Besucher empfangen zu können, erklärte der Kommunikationsdirektor des Festspielhauses, Rüdiger Beermann, nun auf BT-Anfrage. Dazu stehe derzeit noch die Prüfung des Hygienekonzepts durch das Gesundheitsamt Rastatt aus, was zeitnah erfolgen solle. „Wir trauen uns zu, auch mehr als 500 Besucher sicher in den Saal zu lassen“, fügte Beermann hinzu.

Bereits zum Start der Sommerfestspiele am 2. Juli im Festspielhaus kann das Kartenkontingent nach der jetzigen Entscheidung des Landes, zumindest auf 500 Besucher pro Aufführung erhöht werden. Das baden-württembergische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration genehmigte dem größten deutschen Opernhaus einen entsprechenden Modellprojekt-Antrag. „In konstruktiven Gesprächen konnten wir die Fachbehörden davon überzeugen, dass unser Hygiene-Konzept im 2.500-Plätze-Saal im Herbst 2020 mit 500 Gästen aufgegangen ist“, teilte Intendant Benedikt Stampa mit.

Festspielhaus nimmt Scanner an den Eingängen in Betrieb

„500 Gäste bedeutet bei uns 25 Prozent Platzauslastung. Das ist das Minimum, mit dem wir die Konzerte und Opernaufführungen im Sommer kalkulieren können. Es gibt in Baden-Württemberg und in Deutschland kein vergleichbares Haus. Daher fielen wir bei den jüngsten Öffnungs-Szenarien ein wenig unglücklich durchs Raster.“

Wie Festspielhaus-Intendant Stampa kürzlich im BT-Interview erklärte, hätte das Haus bereits im vergangenen Oktober sehr viel gelernt, wie unter Corona-Auflagen gespielt werden könne, und wie die Teststation, die jetzt eingerichtet würde, noch vergrößert werden kann. „Wir haben uns eine medizinische Begleitung durch die Universität Heidelberg gesichert, die alles kontrolliert und mitbegleitet“, so Stampa. „Wichtig ist für uns und unsere Besucherinnen und Besucher, dass wir ein sehr großes Vorderhaus haben. Da sehe ich, im Gegensatz zu anderen Häusern im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig viel Luft.“ Außerdem nimmt das Festspielhaus zum Neustart Scanner an den Eingängen in Betrieb, die die personalisierten Eintrittskarten einlesen können, damit der Einlass flüssig vonstatten gehen könne.

Für die Sommerfestspiele (2.-10. Juli) mit dem Beethoven-Zyklus des Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin sowie dem Liederabend zu Schuberts „Winterreise“ mit Joyce DiDonato gibt es Wartelisten, insofern kann flexibel auf eine eventuelle Erhöhung der Sitzplätze reagiert werden. Ende Juli folgt dann der zweite Teil der Sommerfestspiele mit dem Gastspiel des Mariinsky-Theaters unter Valery Gergiev und der Puccini-Oper „Tosca“.

Auf etlichen großen Bühnen im Land läuft der Neustart bereits an diesem Samstag an. „Endlich“, heißt es unter anderem bei den Volksschauspielen Ötigheim, die bereits seit längerer Zeit als eines der frühzeitig genehmigten Modellprojekte des Landes mit 875 Zuschauern planen dürfen. Zur Premiere auf Deutschlands größter Naturbühne wird die Komödie „Das Haus in Montevideo“ am frühen Nachmittag gezeigt.

Staatstheater Stuttgart feiert am Samstag erste Premiere

Unter freiem Himmel wird am Samstag nach der öffentlichen Generalprobe auch in Schwäbisch Hall gespielt. Dort steht TV- und Theaterschauspieler Walter Sittler im Lessing-Drama „Nathan, der Weise“ auf der Großen Treppe (20.30 Uhr). Die Freilichtspiele hatten sich als Modellprojekt beworben, um mehr Zuschauer zulassen zu können. Nun dürfen 750 statt 500 Zuschauer mit dabei sein. „Natürlich sind wir aufgeregt, dass es endlich wieder losgeht“, sagt Chefdramaturg Franz Burkhard. Der Landkreis Schwäbisch Hall hatte im April noch als einer der größten deutschen Hotspots für Schlagzeilen gesorgt.

„Eigentlich grenzt es schon fast an ein Wunder, dass die Wiedereröffnung der Theater doch noch vor der Sommerpause Realität wird“, sagt auch der Intendant des Schauspiels Stuttgart, Burkhard C. Kosminski, vor der ersten größeren Premiere unter dem Dach der Staatstheater Stuttgart. „Wir sind absolut bereit!“. Zum Start wird „Der Würgeengel“ nach dem Film von Luis Buñuel am Samstagabend gleich zwei Mal gezeigt (17/20 Uhr). Erlaubt sind zunächst je 170 Zuschauer, ab dem kommenden Wochenende dann bis zu 330 nach dem sogenannten Schachbrettmuster im Zuschauerraum.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt, M. Oversoh.

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Erstellt:
11. Juni 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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