New Pop: Alvaro Soler bringt Festspielhaus zum Beben

Baden-Baden (sga) – Alvaro Soler singt auf Spanisch, doch beim New Pop am Donnerstagabend versteht sein Publikum im Festspielhaus trotzdem, was er sagen möchte.

Weiß genau, wie er seine Reize einsetzen muss: Alvador Soler punktet mit halb offenem Hemd, engen Jeans und herzerwärmender Stimme. Foto: Frank Vetter

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Weiß genau, wie er seine Reize einsetzen muss: Alvador Soler punktet mit halb offenem Hemd, engen Jeans und herzerwärmender Stimme. Foto: Frank Vetter

Alvaro Soler schwitzt. Und wie. Bereits nach dem ersten Song ist sein Hemd durchnässt, doch er greift am Donnerstagabend nur zwei Mal zum Wasserglas. Aufhören? „Wir haben gerade erst angefangen“, ruft der Halbspanier ins Publikum. Dann geht die Show richtig los.

Es ist heiß, als an diesem Abend 1.150 Menschen im Festspielhaus Platz nehmen, um den Popsänger endlich live erleben zu können. Und es wird noch heißer, als er schließlich von rechts auf die Bühne springt und in die Menge grinst. Das Hemd halb aufgeknöpft, greift er zum Mikrofon und beobachtet, wie sein Publikum die Hände nach ihm ausstreckt und die Band mit langgezogenen Tönen die Spannung zum ersten Song aufbaut. Dann öffnet er den Mund, seine Stimme ertönt – und Baden-Baden bebt.

Soler singt, als würde er sonst nichts anderes tun. Das Publikum tanzt, als hätte es nie etwas anderes gemacht. Hüften kreisen, Arme schwingen, Füße tippen und die Hütte brennt. Nicht nur, weil das feurige Rot der Scheinwerfer die Bühne in warmes Licht taucht. Der Popsänger weiß ganz genau, was er tun muss, um seine Fans zum Schweben zu bringen – und die Frauen zum Kreischen. „Geht es euch gut?“, ruft er ihnen entgegen. Und antwortet selbst: „Ich fühle mich von euch umarmt. Ihr seid großartig.“

Während es draußen immer dunkler wird und die Laternen die Straßen erhellen, holt Soler drinnen den Sommer auf die Bühne. Er verliert keine Zeit, rutscht von einem in den nächsten Song, „normalerweise spiele ich länger“, aber gehetzt fühlt sich keiner. Und es merkt auch niemand, dass er „gar nicht gerne“ vor dem Publikum steht, wie er es an diesem Abend „muss“ – weil er es „ohne Abstand“ und „mittendrin“ viel schöner findet. Deshalb sitzt er auch mal am Bühnenrand, wenn er seine Balladen auspackt. Denn ja, Soler kann nicht nur laut, sondern auch leise. Und das sogar verdammt gut. Bei „Esperandote“ wird das Licht gedimmt, doch die Taschenlampen funkeln wie Tausende von Sternen. Der Halbspanier singt nicht ununterbrochen, es gibt auch textfreie Momente, doch die Musik macht den Rest. Freunde liegen sich in den Armen, Liebende schauen sich innig an, Frauen schmelzen dahin – und Soler schließt die Augen, während er, verbunden mit der Einsamkeit, die Wirklichkeit sucht („Punto Con la Soledad Ae perlige la verdau“).

„Es ist ein krasses Gefühl, in eure Augen zu schauen“

„Ich liebe es, in Kontrasten zu spielen“, und das merkt man spätestens dann, als er nach den sanften Tönen wieder aufsteht und mit lauter Stimme bei „Sofia“ fragt, wieso sie ihm nicht die Wahrheit sagt (Y pr Aue No Ae dickes la verdau?). Das Publikum fühlt mit und hat Gänsehaut, als er sich an das Klavier setzt und seine Fans nahezu hören lässt, wie sein Herz Zeile für Zeile etwas mehr zu brechen scheint.

Doch an diesem Donnerstagabend muss niemand traurig sein und sich schon gar nicht fremd fühlen, „ich hab hier schon mal gespielt“, und „es ist ein krasses Gefühl, euch in die Augen zu schauen“. Natürlich seien seine Lieder nicht auf Deutsch. Doch er wisse ganz genau, das jeder weiß, was er mit seinen spanischen Worten sagen möchte: „Musik ist eine internationale Sprache, die jeder versteht.“ Dass er Recht hat, beweist das bunte Publikum. Jung und Alt, Groß und Klein, sie alle tanzen gemeinsam eine Stunde lang zu den raumfüllenden Klängen und wollen gar nicht mehr aufhören, als Soler zum letzten Lied anstimmt. Als der letzte Ton verstummt, jubelt die Menge minutenlang weiter. Erst, als die Deckenleuchten wieder angehen, verlassen die Zuschauer ihre Plätze – mit leuchtenden Augen und Herzen voller Wärme.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
18. September 2021, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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