Nicht alle Sender verlangen 2G

Baden-Baden (BNN) – Nach dem Aus von Ursula Cantieni bei „Die Fallers“ rücken die strengen 2-G-Regeln des SWR in den Fokus. Derweil äußert sich Harald Schmidt zu Cantieni.

Macht öffentlich keine genauen Angaben zu seinem Impfstatus: Star-Moderator Harald Schmitt. Foto: Gerald Matzka/dpa

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Macht öffentlich keine genauen Angaben zu seinem Impfstatus: Star-Moderator Harald Schmitt. Foto: Gerald Matzka/dpa

Das Aus kam überraschend. Nach 27 Jahren als Hauptdarstellerin der SWR-Serie „Die Fallers“ trennen sich Ursula Cantieni und der Südwestrundfunk. Dabei spielten nach Informationen dieser Redaktion auch Irritationen um die strengen 2-G-Regeln am Filmset eine Rolle. Der Sender dementierte das.

Ursula Cantieni selbst wollte sich zu den Hintergründen ebenso wenig äußern wie zu ihrem Impfstatus. Um Letzteres macht auch Harald Schmidt ein Geheimnis. Der frühere Star-Moderator und heutige Teilzeit-Schauspieler kokettierte in Interviews immer wieder mit seinem Corona-Impfstatus. Auslöser: Schmidt, der als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle zur Crew der ZDF-Serie „Traumschiff“ gehört, fehlte im Januar bei Dreharbeiten. Das führte zu Spekulationen, denn auf das Kreuzfahrtschiff MS Artania dürfen nur vollständig Geimpfte.

Auf BT-Anfrage teilt Harald Schmidt nun mit, dass er „ab März“ wieder beim „Traumschiff“ dabei sei. Ist er geimpft? Unlängst behauptete Schmidt gegenüber dem „Stern“, er habe „Zertifikate für Forderungen, die noch gar nicht beschlossen sind“. Ob diese Zertifikate auch für die Gegenwart gelten, lässt er auf Nachfrage offen.

Schmidt: „Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist“

Deutlicher wird der in Köln lebende Schwabe beim Thema „Fallers“ und dem überraschenden Abschied von Hauptdarstellerin Cantieni. „Natürlich“ könne er mit seiner ehemaligen SWR-Kollegin mitfühlen, so Schmidt und empfiehlt: „Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist. So wie ich nach der Tatort-Pressekonferenz.“

Der Hintergrund ist natürlich ein Witz: 2015 wurde Schmidt vom SWR in der Rolle als Kriminaloberrat Gernot Schöllhammer für den neuen „Schwarzwald-Tatort“ vorgestellt. Doch es blieb bei diesem einen Presseauftritt, Schmidt sagte später ab.

Nicht lustig findet Heinrich Schafmeister das Thema Impfen. Der aus „Wilsberg“ oder „Comedian Harmonists“ bekannte Künstler engagiert sich im Vorstand des Bundesverbands Schauspiel (BFFS), der größten deutschen Schauspieler-Gewerkschaft. Schafmeister sagt, er sei ein Fan von Harald Schmidt, aber um ihn müsse man sich keine Sorgen machen: „Wir müssen uns Sorgen machen um die Kollegen, die von Dreharbeiten abhängig sind.“

16.000 Schauspieler gebe es in Deutschland, 3.600 sind im BFFS organisiert. Der Verband spricht sich klar für die Corona-Impfung aus und findet auch die 2G-Regelung bei Dreharbeiten wie beim SWR völlig gerechtfertigt. Schafmeister: „Das was viele Schauspieler seit 2020 mitgemacht haben, ist schlimm. Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass man Corona in den Griff bekommt. Deshalb unterstützen wir die Maßnahmen.“ Mitgliedern, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, helfe man gerne.

Verständnis für schwurbelnde Promi-Kollegen kann Heinrich Schafmeister nicht aufbringen.

Protagonisten von „Alles dicht machen“ in der Kritik

Er sagt: „Ich muss mich wahnsinnig zurückhalten.“ Der Schauspieler nennt keine Namen, aber er hat auch die Protagonisten von „Alles dicht machen“ im Blick.

Aus der Riege der „Tatort“-Stars nahm bei der umstrittenen Kurzfilm-Aktion neben Jan Josef Liefers unter anderem der Stuttgarter TV-Kommissar Richy Müller teil. Von seinem Clip („Zwei-Tüten-Atmung“) hat er sich inzwischen distanziert. Zu den Corona-Maßnahmen will er sich öffentlich lieber gar nicht mehr äußern, wie das Management des gebürtigen Mannheimers klarstellt.

Auf der Arbeitgeberseite ist man sich im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk einig, dass die Corona-Maßnahmen aus Gründen des Gesundheitsschutzes und aus Verantwortung für die Gebührengelder streng sein müssen. Doch nicht alle Produktionen verlangen, wie der SWR bei „Die Fallers“, 2G-plus-Regeln und damit eine faktische Impfpflicht bei Dreharbeiten.

ARD-Sprecherin Sabine Müller teilt mit, dass nicht alle Sendeanstalten von Darstellern einen Impfnachweis oder einen Genesenenstatus verlangen. WDR-Sprecherin Stefanie Schneck verweist auf „umfassende Sicherheits- und Hygienekonzepte“ nach den aktuell geltenden Vorgaben.

„Grundsätzlich ist es keine Bedingung für die Set-Arbeit, ob jemand geimpft ist oder nicht“, heißt es beim NDR. Und Radio Bremen antwortet auf Nachfrage: „2G haben wir bislang nicht angewandt.“ Stattdessen setze man auf sorgfältige Hygiene und engmaschige Tests.

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