Nicht alle feiern Weihnachten in Baden-Baden

Baden-Baden (sga) – Zu Besuch bei zwei Familien, die aus Syrien und Georgien nach Deutschland geflüchtet sind: Wie erleben sie in Baden-Baden die Weihnachtszeit?

Genießen den Advent: Yussef, Ahmed, Latifa, Mahmoud, Jamal und Mohammad (von links). Foto: Jamal Al Omar

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Genießen den Advent: Yussef, Ahmed, Latifa, Mahmoud, Jamal und Mohammad (von links). Foto: Jamal Al Omar

Es duftet nach frisch Gebackenem, als Tamar Chapichadze an diesem kalten Dezembertag die Haustür öffnet. Die gebürtige Georgierin hat etwas aus ihrer Heimat vorbereitet: einen Teig, der Käse und Eier ummantelt. Tochter Mariami läuft schon das Wasser im Mund zusammen.

Seit 2016 lebt Familie Gotiashvili/Chapichadze in Deutschland, „und wir fühlen uns sehr wohl“. Damals findet Mama Tamar keine andere Möglichkeit, als ihre Heimat zu verlassen. Ihr Sohn ist krank, und „zu Hause konnte niemand eine Diagnose stellen“. Sie liebe ihr Land, doch hier in Baden-Baden sei es auch „wunderschön“. Und das, obwohl die Traditionen ganz andere sind.

Denn im Dezember, wenn Lebkuchen genascht und Christbaumkugeln ausgepackt werden, bereitet sich Familie Gotiashvili/Chapichadze noch nicht auf ein besinnliches Fest vor. „Wir feiern Weihnachten im Januar“, erzählt die gebürtige Georgierin in fließendem Deutsch. Sie habe die Sprache nie über einen Kurs gelernt, sondern sich alles während ihrer Ausbildung selbst beigebracht.

Viele Stunden in der Kirche

Die besinnliche Beleuchtung werde von den Orthodoxen erst in der Nacht auf den 7. Januar ausgepackt, denn dann komme an jedes Fenster in der Wohnung eine Kerze: „Wir wollen damit sagen: ,Jesu, komm uns besuchen‘.“ Am Abend gehe dann die ganze Familie in die Kirche, und das gleich für mehrere Stunden, „es wird viel gesungen“. An Ostern sei das ähnlich.

Und was ist mit Geschenken? „Die gibt es am 30. Dezember vom Nikolaus.“ Die Kinder finden das schön, sie kennen es nicht anders. Eines darf aber auch bei Familie Gotiashvili/Chapichadze nicht fehlen: „Wir lieben Essen“, grinst Tamar. Vom 28. November bis zum 7. Dezember werde zwar bei ihnen gefastet, „aber danach gibt es sehr viel Verschiedenes“. Ehemann Sergi und die drei Kinder freuen sich schon darauf.

Und nicht nur diese Familie verbringt das Weihnachtsfest anders als viele Deutsche. Familie Al Omar/Alteibi kommt aus Syrien; Vater, Mutter und der Nachwuchs leben seit 2015 in Baden-Baden, inzwischen hat die Familie vier Söhne und eine Tochter. Als Muslime haben auch sie keine Verbindung zu dem christlichen Weihnachten, wie es in Deutschland zumeist gefeiert wird. Stattdessen werde beispielsweise das Zucker- oder Opferfest ausgerichtet. In ihrem ersten Jahr in Baden-Baden hat die Familie noch nicht wirklich etwas von dem Trubel um den bärtigen Mann im roten Mantel mitbekommen. Geschenke gab es trotzdem von den Ehrenamtlichen: zwei Kinderfahrräder für Latifa und Mahmoud.

Bei Sergi, Mariami, Tamar (von links) und Ioane (vorne) findet erst im Januar ein Fest statt. Foto: Tamar Chapichadze

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Bei Sergi, Mariami, Tamar (von links) und Ioane (vorne) findet erst im Januar ein Fest statt. Foto: Tamar Chapichadze

Mittlerweile spiele die Weihnachtszeit aber eine Rolle – weil der Nachwuchs die Schule und den Kindergarten besuche: Dort wird gebacken und gesungen, es werden Geschenke verteilt und Tochter Latifa wichtelt in ihrer Klasse mit den anderen Kindern. Als Angestellter bei einem Möbeleinrichtungshaus kann auch Papa Jamal der Adventszeit nicht entkommen. Solche Traditionen mache er jedoch gerne mit, denn „das bedeutet für mich Integration“. Seiner Frau gefallen an Weihnachten besonders die Lichter und die geschmückte Stadt.

Auch wenn ein Fest zu Heiligabend bei Familie Al Omar/Alteibi nicht stattfindet, hat sie einen Wunsch. Weil ihre jetzige Bleibe für sieben Personen viel zu klein ist, suchen sie bereits ständig nach einer anderen Lösung. Deshalb steht auf ihrem Zettel an den Weihnachtsmann dieses Jahr trotzdem etwas: Sie wünschen sich endlich eine eigene Wohnung.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
25. Dezember 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
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