Lkw-Parkplatz: „Nicht bei uns vor der Haustür“

Gaggenau (tom) – Die Gaggenauer SPD wendet sich gegen Ausbaupläne für des Lkw-Parkplatz am Amalienberg. Gegevorschlag ist eine Fläche beim A5-Anschluss Rastatt-Nord.

Der Parkplatz Amalienberg an der B462: Unterhalb der Böschung ein Firmenparkplatz des Benzwerks; am linken Bildrand die Baustelle des Ottenauer Sportplatzes. Foto: Peter Kraft

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Der Parkplatz Amalienberg an der B462: Unterhalb der Böschung ein Firmenparkplatz des Benzwerks; am linken Bildrand die Baustelle des Ottenauer Sportplatzes. Foto: Peter Kraft

Lebensader des Murgtals ist die B462 – aber auch eine Belastung für Anwohner. Pläne zum Ausbau des Parkplatzes am Amalienberg stoßen deshalb auf Widerstand. Der SPD-Ortsverein Gaggenau rückt stattdessen Flächen bei der Autobahnanschlussstelle Rastatt-Nord ins Blickfeld.

Man muss schon fast rufen, wenn man hier beisammensteht und sich unterhalten will. Unablässig rauschen Autos vorbei, donnern schwere Lkw Richtung Freudenstadt oder hinunter zur A 5. Der Parkplatz Amalienberg bei Ottenau ist kein Ort, an dem man gerne länger bleibt, geschweige denn die Nacht verbringt. Für viele Lkw-Fahrer ist die Asphaltfläche direkt an der Bundesstraße aber oft die letzte Möglichkeit, überhaupt einen Schlafplatz zu finden. Dies wiederum sorgt bei manchen Ottenauern für Unmut, die nur einen Steinwurf unterhalb der Straßenböschung wohnen: Sie klagen unter anderem über nächtlichen Lärm durch laufende Kühl-Aggregate, „Rückwärts-Piepsen“ der Lkw beim Rangieren oder nervendes Türenklappern.

Der SPD-Ortsverein um dessen stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Striebich – der seit ein paar Jahren an dieser Stelle wohnt – wendet sich deshalb gegen Pläne, den Parkplatz von acht auf insgesamt 15 Lkw-Stellplätze zu erweitern und mit einer WC-Anlage auszustatten.

Am Mittwoch hatte die Gaggenauer SPD nun eine Verkehrsexpertin zum Vor-Ort-Termin geladen: Isabel Cademartori aus Mannheim, Mitglied im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags. Ihr präsentierten die Parteifreunde drei Konfliktbereiche, die aus ihrer Sicht gegen den Parkplatzausbau sprechen:

Belastung für Ottenau

Es fehlt – anders als vom Stuttgarter Verkehrsministerium 2018 zugesagt – immer noch eine Standortanalyse. Mit nur 15 Plätzen werde der Parkplatz keinen nennenswerten Beitrag leisten können, um die vorhandenen Probleme der Lkw-Fahrer lösen zu können.

Den bundesweit gestiegenen Bedarf untermauert eine Statistik des Bundesverkehrsministeriums über die Anzahl der nachts abgestellten Lkw in Deutschland:

2008: rund 68.100 Lkw
2013: rund 71.300 Lkw
2018: rund 94.100 Lkw

Für Isabel Cademartori ist der Ausbau am Amalienberg eine „Scheinlösung“ angesichts von 20.000 Lkw-Plätzen, die bundesweit fehlten. Dies machte sie in der abendlichen Diskussion in der Sportgaststätte der SV Ottenau deutlich.

Klar sei: Es müssten Stellplätze geschaffen werden, bekräftigte Cademartori. „Aber was nicht geht, ist, dass jeder Bürgermeister sagt: ,Bei mir nicht.‘“ Mit dem Amalienbergparkplatz präsentiere Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann eine „Scheinlösung“. Der Bund hingegen habe nur über finanzielle Förderung eine Einflussmöglichkeit auf das Entstehen von zusätzlichen Parkplätzen (Stichwort).

„Irgendwo muss er sich hinstellen“

Als Mann der Branche sprach Vito Bentivegna. Er ist in Gaggenau aufgewachsen und absolvierte bei der Spedition Roos in Durmersheim eine Ausbildung. Seit Oktober 2020 ist er Inhaber der Firma mit rund 250 Lkw und etwa 500 Mitarbeitern europaweit. „Meine Fahrer haben ein Verbot, auf so einen Parkplatz zu fahren“, betonte er am Mittwoch. Nicht nur fehlende Toiletten und Duschen sei ein Manko. Denn fußläufig sind keine Einkaufsmöglichkeiten für die Fahrer erreichbar. Der Spediteur kritisierte auch das „Kabinenschlafverbot“ für Lkw-Fahrer (Stichwort) und gab zu bedenken: Mittlerweile sei ein Lkw-Fahrer nirgends mehr gerne gesehen, „aber irgendwo muss er sich hinstellen“, um Ruhezeiten einzuhalten.

Dies bekräftigte auch Manfred Striebich. „Lkw-Fahrer brauchen adäquate Stellplätze. Aber eben nicht unbedingt bei uns vor der Haustür.“ Er erneuerte seinen Vorschlag: „Wäre der Campingplatz bei Rauental nicht der ideale Standort für einen Autohof?“ Man müsse nur für den Campingplatzbetreiber einen adäquaten Ausweichstandort finden. Schließlich seien bereits bei Achern und Bruchsal Autohöfe entstanden, dies müsse auch an der Auffahrt Rastatt-Nord zur A 5 möglich sein.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
16. April 2022, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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