Nicht jeder darf unter den Schutzschirm

Baden-Baden – Weinbaubetriebe mit eigener Vermarktung sind von Finanzhilfe ausgeschlossen – das sorgt auch in Mittelbaden für Verdruss.

Der Direktverkauf ist zwar wieder erlaubt, das Land gewährt aber keine finanzielle Unterstützung. Foto: DWI

© Deutsches Weininstitut

Der Direktverkauf ist zwar wieder erlaubt, das Land gewährt aber keine finanzielle Unterstützung. Foto: DWI

Weinbauer Holger Dütsch ist sauer: Er gehört mit seinem Betrieb im Baden-Badener Stadtteil Neuweier wie viele andere Winzer zu den Betroffenen der Corona-Pandemie - die vom Land versprochene Finanzhilfe für Kleinbetriebe in Höhe von 9000 Euro erhält er trotzdem nicht. Der Grund: Als Weinbauer mit Selbstvermarktung fällt er nicht unter die aktuelle Regelung.

„Ich werde schon darauf angesprochen, dass wir jetzt 9000 Euro geschenkt bekommen“, sagt Dütsch im BT-Gespräch. Doch dem ist nicht so. Als er in dieser Woche wie tausende andere Kleinunternehmer einen Antrag auf Soforthilfe ausfüllen wollte, stellte er überrascht fest, dass dies für ihn nicht möglich ist. Denn Weinbauern mit eigenem Verkauf dürfen ebenso wie Spargelbauern oder auch Forellenzüchter nicht unter den Schutzschirm der Landesregierung. „Keiner versteht, warum das so ist“, sagt Dütsch und hat in dieser Frage auch den Badischen Weinbauverband in Freiburg hinter sich. Dort hat man in der für die Betroffenen existenziellen Frage bereits in Stuttgart interveniert.

Wenige Kunden unterwegs

Zwar gab das Ministerium Ländlicher Raum am Mittwoch dieser Woche die Öffnung von Weinverkaufsstellen unmittelbar am Produktionsstandort zur Direktvermarktung wieder frei, nachdem diese zuvor durch eine Verordnung vom 22. März vorübergehend verboten gewesen war, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie einzudämmen. Doch die Erlaubnis zur Wiedereröffnung sei in der aktuell schwierigen Lage nur ein Tropfen auf den heißen Stein, erklärt Holger Klein, stellvertretender Geschäftsführer des Weinbauverbandes. „Denn momentan sind sehr wenige Kunden draußen unterwegs.“

Diese Erfahrung macht auch Landwirt Dütsch. „Wir sind natürlich froh, dass wir in unserem Laden wieder verkaufen dürfen. Aber das ändert nicht viel an der Situation“, sagt er. Denn, wenn ein Kunde einen Wein kaufen will, möchte er diesen zuvor natürlich gerne probieren. Aber Ausschank und Verköstigung ist den Weinbauern laut Verordnung weiterhin untersagt. „Der Direktvertrieb über Vinotheken stellt einen wichtigen Vertriebskanal insbesondere für direktvermarktende Weingüter dar, gerade in der aktuellen Krise, in der bereits Gastronomie und Hotellerie als Absatzweg für die Weinbaubetriebe weggebrochen sind“, sagt Geschäftsführer Klein.

Entscheidung steht noch aus

Beim Weinbauverband in Freiburg hat man uneingeschränkt Verständnis dafür, dass der Infektionsschutz für die Landesregierung weiter höchste Priorität hat und die strengen Hygienevorschriften unbedingt beachtet werden müssen. Trotzdem sieht man die in der Regel eher kleinen Weinbaubetriebe gegenüber anderen Wirtschaftszweigen bei den finanziellen Hilfen benachteiligt. „Der Verband habe sich deshalb bei der Landesregierung dafür eingesetzt, dass auch Weinbaubetriebe mit eigener Vermarktung unter den finanziellen Corona-Rettungsschirm genommen werden“, betont Klein. Eine Entscheidung darüber stehe allerdings noch aus.

Weinbauer Holger Dütsch hofft nun wie viele seiner Kollegen, die ebenfalls unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, dass die Landesregierung einlenkt und mit Finanzhilfen zumindest ein Stück weit für Entlastung sorgt. Denn, so Dütsch, „die Lage in vielen Betrieben ist katastrophal.“


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