„Nicht nur ein Wow-Erlebnis“

Rastatt (sl) – Die prunkvolle Beletage des Rastatter Residenzschlosses wird aufgemöbelt: Mit neuen Objekten und neuen Präsentationsideen. Der Führungsbetrieb läuft derweil weiter.

Ein Großherzog zieht ins Rastatter Schloss ein: Das Porträt Karl Friedrichs ist eine Leihgabe des Hauses Baden und wird künftig neben etlichen anderen neu angeschafften Stücken im Rastatter Schloss zu besichtigen sein. Foto: Frank Vetter

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Ein Großherzog zieht ins Rastatter Schloss ein: Das Porträt Karl Friedrichs ist eine Leihgabe des Hauses Baden und wird künftig neben etlichen anderen neu angeschafften Stücken im Rastatter Schloss zu besichtigen sein. Foto: Frank Vetter

Wer meint, er kenne das Rastatter Schloss schon in- und auswendig und könne deshalb auf weitere Besuche in dem barocken Kulturdenkmal verzichten, der hat ab Oktober allen Grund, seine Meinung zu überdenken. Gut 20 Jahre nach dem Abschluss der jüngsten Wiedereinrichtung werden Konservatorin Petra Pechacek und ihre Kollegen aus der Restaurierungswerkstatt die kommenden vier Wochen nutzen, in der Beletage der ältesten Barockresidenz am Oberrhein neue Akzente zu setzen.

Kulturdenkmal „lesbar“ machen


Und dazu gehören neu erworbene Einrichtungsstücke, um die Prunkräume auf beeindruckende Weise zu ergänzen. Allerdings ist es nicht die Prachtentfaltung der Vergangenheit allein, mit der die Staatlichen Schlösser und Gärten ihre Besucher überwältigen wollen: Ein „Archiv der Dinge“ nennt deren Geschäftsführer Michael Hörrmann das Schloss. Doch erst wenn man diese „Dinge“ in Beziehung setze, würde aus Vergangenheit Geschichte. „Wir wollen unseren Gästen nicht nur ein Wow-Erlebnis bieten“, fasst Hörrmann zusammen, sondern das Schloss als Kulturdenkmal „lesbar“ machen, um so Verständnis, Begeisterung und Liebe für das kulturelle Erbe zu wecken. Die Geschichte, um die es in Rastatt geht, höre auch nicht bei Sibylla Augusta und ihren beiden Söhnen auf, den letzten Regenten der Baden-Badener Markgrafen-Linie.

Ein monumentales Gemälde wird ausgepackt

Als 1771 die Vettern aus Karlsruhe deren Erbe antraten, wurde die Rastatter Schlossausstattung in alle Winde zerstreut, aber nicht ohne dass ein ausführliches Übergabeprotokoll angefertigt wurde. Dieses Inventar ist Konservatorin Pechacek heute eine wertvolle Informationsquelle, wenn es gilt, das wenige, das die Jahrhunderte überdauert hat, wieder für Schloss Rastatt zu retten. Wie zum Beispiel ein chinesisches Lackschränkchen, das gestern nach fast 250 Jahren wieder in Rastatt ausgepackt wurde. Es repräsentiert, wie auch ein Terrakotta-Relief des Türkenlouis, noch die ersten Bewohner des Schlosses. Aber auch ihre Nachfolger des 19. Jahrhunderts werden jetzt – nach einer Sonderausstellung über die Großherzöge von Baden im Rastatter Schloss 2018/2019 – wieder dauerhaft in die Prunkräume einziehen. Ein lebensgroßes Porträt des ersten Großherzogs Karl Friedrich stellte das Haus Baden als Leihgabe zur Verfügung. Dieses monumentale Gemälde haben die Restauratoren gestern ebenfalls sorgfältig ausgepackt, heute werden sie es im Appartement der Markgräfin aufhängen.

Weitere badische Großherzöge sollen folgen, zum Beispiel Karl Friedrichs Nachfolger Karl, der 1818 im Rastatter Schloss starb. Sein Bildnis zieht aus Schloss Mannheim an die Murg um. Eigens neu angekauft haben die Schlösser und Gärten ein Pastellbild des Großherzogs Friedrich I., eines für seine Zeit liberal denkenden Fürsten, der beim Volk äußerst beliebt war. Es wird derzeit noch restauriert.

Gesamtmaßnahme kostet 250.000 Euro

Rund 150.000 Euro lassen sich die Schlösser und Gärten das optimierte Präsentationskonzept kosten, weitere 100.000 Euro investieren sie in einen besseren Lichtschutz: Ein dichteres Gewebe als bisher vor den Fenstern soll die Antiquitäten schützen, aber die Räume dennoch hell genug erstrahlen lassen, verspricht Pechacek. Für besonders kostbare Elfenbeinschnitzereien aus dem Besitz des Markgrafenpaars werden neue Vitrinen angefertigt, die barocke Formen aufgreifen. Erstmals soll es für die gesamte Beletage einen durchgehenden Berührungsschutz geben, damit entfallen auch die störenden „Bitte-nicht-berühren“-Schilder.

Die Eröffnung der neu eingerichteten Räume durch Finanzministerin Edith Sitzmann ist für 2. Oktober geplant. Bis dahin soll der Führungsbetrieb von den Arbeiten kaum beeinträchtigt werden.

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Erstellt:
3. September 2020, 11:56 Uhr
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