Mehr als nur eine Standortfrage

Elchesheim-Illingen (as/HH) – Die Debatte um den Sportstättenstandort eskaliert erneut. Die Jugendabteilung soll nun in Elchesheim kicken. Die findet, man sollte nicht nur über Fußballplätze reden.

Bald ganz ohne Kicker? Der RWE will die Jugendabteilung nun nach Elchesheim holen. Foto: Helmut Heck

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Bald ganz ohne Kicker? Der RWE will die Jugendabteilung nun nach Elchesheim holen. Foto: Helmut Heck

Für emotionale Debatten sorgt in Elchesheim-Illingen erneut die Diskussion um den Sportstätten-Standort. Zum Spielball zwischen den Fronten scheint dabei nun die Jugendabteilung des Fußballvereins Rot-Weiß zu werden, die seit 2019 in Illingen trainiert.
„Das Dorf ist gespalten“, stellt Raimund Schmalbach fest. Der sportliche Leiter des Rot-Weiß Elchesheim (RWE) bedauert das und betont in einem Pressegespräch erneut, man sei gesprächs- und kompromissbereit. Er untermauert jedoch auch, der Verein werde nur über Alternativstandorte mit der Gemeinde sprechen, nicht über den Umzug nach Illingen. Schmalbach appelliert an die Gemeinde, jetzt könne man „Fehler noch revidieren, ohne dass man das Gesicht verliert“. Damit meint er den Umzug nach Illingen, wo laut einstimmigem Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2018 die einzige künftige Sportstätte im Ort sein soll. Ein Gespräch ist also erwünscht – eine konkrete Gesprächseinladung an die Gemeinde gibt es allerdings bislang nicht, räumt Schmalbach auf Nachfrage ein. Das sei aber „vorstellbar“. Zugleich kündigen er und RWE-Vorsitzender Dieter Link an, die Jugend, die derzeit in Illingen trainiert, wieder nach Elchesheim holen zu wollen. Man werde nicht zulassen, dass ein Keil in den Verein getrieben wird, begründen sie das.

Jugendabteilung: Brauchen zwei Rasenplätze

Die Jugendabteilung, der laut Vereinsvorstand rund 100 Kinder sowie 21 Trainer und Betreuer angehören, trainiert von den Bambini bis zur E-Jugend in Spielgemeinschaften unter anderem in Illingen. Die eigenständige Abteilung des RWE ist nach BT-Informationen autark und verfügt auch selbst über ihre Mitgliedsbeiträge. Letztendlich benötige man zwei Rasenplätze, um alle Trainingseinheiten abzudecken, hat Jugendleiter Mirco Bronner mal grob überschlagen. Da man auch schauen müsse, dass Plätze nicht zu sehr beansprucht werden, habe der Jugendleiterkreis noch nicht entschieden, wo die Jugend künftig trainiert, weiß Bronner vom Ansinnen des Gesamtvorstands. Die Trainingseinheiten der Rückrunde seien noch nicht final geplant, sagt er auf BT-Anfrage. In der Rückrunde seien Trainings der D-Jugend in der Spielgemeinschaft mit Au am Rhein und Durmersheim (40 Kinder) in Elchesheim geplant. Kommen dann noch Bambini bis E-Jugend hinzu (weitere 50 Kinder zwischen drei und neun Jahren) könnte der Platz auf Dauer zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden, befürchtet er: „Dies müssen wir bei der Planung berücksichtigen.“ Weiter wolle er sich zum strittigen Thema nicht äußern, in dem die Jugendabteilung nach seinem Empfinden zunehmend zwischen die Fronten gerate.

Jugend weicht für Freizeitaktivitäten aus

Zur Standortfrage erklärt er, von Eltern werde ein Wunsch immer wieder an die Jugendleitung herangetragen, der weit über die Standortfrage Elchesheim oder Illingen hinausgeht: „Vielen Eltern wäre eine Neuerrichtung aller Freizeitaktivitäten an einer Stätte ein Anliegen. Dies sollte bei der Planung einer neuen Sportstätte für die Gemeinde mit einfließen“, denn im Ort fehle ein breites Angebot für die Jugend. Den Jugendtrainern sei von Eltern schon öfter zu Ohren gekommen, dass die eigenen Kinder zum Bolzen nach Au am Rhein fahren müssen, da der Bolzplatz hinterm Rathaus sich in keinem guten Zustand befinde. Auch die dort angebrachten Basketballkörbe seien zum Teil defekt. Einige Kinder würden aus diesem Grund nach Durmersheim fahren. „Wenn nun auch noch die Skateranlage abgebaut und nicht mehr aufgebaut wird, fehlt den Heranwachsenden der Platz für ihre Freizeitaktivitäten“, stellt Bronner fest. Die Eltern der jüngeren Kinder würden zudem die Anzahl der Geräte und die Möglichkeiten der Spielplätze monieren.

Strategietag mit Bürgern


Gemeinde und RWE täten gut daran, das ganze Thema komplett neu aufzusetzen, findet er: Mit einem Strategietag mit Bürgern, Grundschule, Kindergarten beispielsweise, bei dem man unvoreingenommen nach einem Gelände im Ort schaut, an dem alle diese Wünsche umgesetzt werden könnten.

Die Standortfrage werde nicht wieder aufgerollt, hatte allerdings Bürgermeister Rolf Spiegelhalder am Dienstag gegenüber dem BT geäußert. In der vorangegangenen Ratssitzung, in der der Haushalt 2021 mit 650.000 Euro für Investitionen in die Sportstätte Illingen (es ist von Sanierung und Höherlegung der Sportplätze die Rede) verabschiedet worden war, schlugen erneut die Wogen hoch. Mit Blick auf das jüngste Hochwasserereignis und Überspülungen des Sportplatzes durch Druckwasser hatte der RWE seine Sorge wiederholt, dass der Standort Illingen nicht nachhaltig sei. Den Aussagen widersprachen Ratsmitglieder am Montag entschieden.

Norbert Schmidt (EIL) rief in Erinnerung, dass der FC Illingen auf dem Areal jahrzehntelang Fußball gespielt habe, ohne dass in 40 Jahren jemals eine Partie habe ausfallen müssen. Dass es auf dem Platz in Hochwasserzeiten zu Druckwasser komme, streite niemand ab. Jahreszeitlich bedingt ereigneten sich die Phasen in Zeiträumen, etwa zwischen Dezember und Februar, in denen keine Spiele stattfänden.

Ritter: Keine Pfützen zu sehen

Keiner wolle, dass der RWE verschwinde, betonte Schmidt, befürchtete aufgrund jüngster Verlautbarungen aber, dass die Verantwortlichen den Kontakt zur Realität verlören. Schmidt sprach seinen Ratskollegen und RWE-Vorsitzenden Dieter Link direkt an. Dieser machte aber geltend, dass er bei Erörterungen des Themas am Ratstisch als befangen gelte und daher in diesem Kreis keine Stellung beziehen werde.

Albert Kottler (CDU) bewertete die dem RWE von der Gemeinde unterbreiteten Angebote als so großzügig, dass sie gegenüber den anderen örtlichen Vereinen eigentlich kaum vertretbar seien. Der RWE aber weigere sich, die Vorschläge überhaupt zu prüfen. Kottler lastete die strikte Ablehnung nicht dem Verein als Ganzes an, das Problem sei die Vorstandschaft, die sich bis heute weigere, den demokratischen Beschluss des Gemeinderats zu akzeptieren.

Das Thema Sportstätte sei „eigentlich durch“, meinte Joachim Ritter (EIL), der die Beobachtung ergänzte, dass in Illingen sowohl auf dem Rasen- als auch dem Hartplatz keine Pfützen zu sehen seien. Die veröffentlichten Fotos ordnete er als „alternative Fakten“ ein, die Sache sei „gelogen“.

Anmerkung der Redaktion: Drei BT-Redakteure waren unabhängig voneinander am 31. Januar vor Ort, haben die Überflutungen gesehen und in Fotos dokumentiert.

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Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß und Helmut Heck

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Erstellt:
12. Februar 2021, 17:37 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 59sec

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