Nichts dem Zufall überlassen

Saarbrücken (red) – Für Lukas Kwasniok wird die Partie am Mittwoch im DFP-Pokal-Achtelfinale eine ganz besondere, trifft der Trainer des 1. FC Saarbrücken doch auf seine alte Liebe KSC.

Wohnt in Muggensturm und trainiert den 1. FC Saarbrücken: Lukas Kwasniok. Foto: Eisenhuth/dpa

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Wohnt in Muggensturm und trainiert den 1. FC Saarbrücken: Lukas Kwasniok. Foto: Eisenhuth/dpa

Lukas Kwasniok ist kein Trainer, der irgendetwas dem Zufall überlassen würde. Schon gar nicht, wenn ein Spiel gegen den KSC ansteht, den er nach wie vor als „meinen Verein“ bezeichnet. Als Kind zog der im polnischen Gliwice geborene Kwasniok ins Badische, in der Jugend spielte er beim KSC, dessen U17 und U19 der in Muggensturm wohnende Beste des Fußballlehrer-Jahrgangs 2018 bis vor eineinhalb Jahren trainierte. Sein Sohn kickt beim KSC-Nachwuchs, Kwasniok selbst ist Vereinsmitglied.

Um eine optimale Vorbereitung auf das heutige Spiel (20.45 Uhr) gegen den Zweitligisten zu gewährleisten, müssen sich die Saarbrücker Spieler derzeit mit eher unkonventionellen Arbeitszeiten arrangieren. Am Montag fand die erste Trainingseinheit um 12 Uhr statt, die zweite startete mit Beginn der „Tagesschau“ um 20 Uhr: „Wir haben zuletzt alle Einheiten so gelegt, dass sie der Anstoßzeit des Pokalspiels entsprechen“, sagt der 38-Jährige. „Wenn man das über längere Zeiträume macht, passt sich der Körper an.“

Im Wintertrainingslager hat er mit dem aktuellen Tabellenführer der Regionalliga Südwest viel im Kraftraum gearbeitet, auf dem Platz wurden die Umschaltsituationen in beide Richtungen trainiert. „Gerade als Herausforderer sind das deine Chance“, glaubt Kwasniok. „Der KSC kommt als Zweitligist und wird den Anspruch haben, das Spiel zu gestalten und zu gewinnen“, ist er sich sicher, nach dem Trainerwechsel noch mehr als zuvor.

Stadion lässt Schlammschlacht erwarten

Ob die Platzverhältnisse eher seinem Team oder den mit langen Bällen operierenden Karlsruhern zupass kommen, ist hingegen offen. Das Völklinger Oldschool-Stadion lässt jedenfalls nach 20 Minuten eine echte Schlammschlacht erwarten. Aufgrund des sich immer weiter verzögernden Neubaus des angestammten Ludwigsparks muss der FCS seit Jahren in der Nachbarstadt spielen. Sehr zum Ärger der nach wie vor großen Fanszene, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine baldige Rückkehr in die Dritte Liga – mindestens.

Dass Saarbrücken jahrelang Missmanagement betrieben hat und 2014 mit dem höchsten Etat aller Drittligisten als Tabellenletzter abgestiegen ist, ist im kollektiven Gedächtnis der Branche haften geblieben. Sehr zum Leidwesen von Kwasniok: „Hier spielt kein Spieler, weil er hier mehr verdienen würde als bei einem durchschnittlichen Drittligisten. Man merkt nur in Gesprächen mit Außenstehenden, dass Saarbrücken immer noch das Image hat, mit Geld um sich zu werfen. Aber hier wurde in den letzten Jahren mit Augenmaß gewirtschaftet.“

Die Trainingsbedingungen seien allerdings keinesfalls schlechter als bei seinem letzten Arbeitgeber, dem Drittligisten FC Carl Zeiss Jena. Mit den Thüringern, die er im Dezember 2018 auf Platz 16 übernahm, schaffte er vergangenen Sommer sensationell den Klassenerhalt und wurde von den Fans auf Händen über den Platz getragen. Ein paar Monate später war er der Buhmann und musste gehen. Wenige Wochen nach seinem Rauswurf heuerte er in Saarbrücken an, wo er – ungewöhnlich genug – vom geschassten Dirk Lottner einen Tabellenführer übernahm, dessen Punktevorsprung allerdings von neun auf vier Zähler zusammengeschmolzen war. „Der Verein will hoch“, sagt Kwasniok. Und fügt an: „Aber jetzt zählt erstmal nur das Spiel gegen den KSC.“

„Die Zeit heilt Wunden“

Über seine eigene Zeit in Karlsruhe, die so unschön endete, würde Kwasniok am liebsten gar nicht mehr sprechen. Das KSC-Präsidium vereitelte im Sommer 2018 den schon ausgehandelten Wechsel des damaligen A-Jugendtrainers nach Aue, weil es 200 000 statt 125 000 Euro erlösen wollte – mit der überraschenden Begründung, dass der FC Bayern einmal so viel gezahlt habe, als er Tim Walter für seine U17 anheuerte. Insgesamt dürfte allein diese Personalie eine Viertelmillion Euro gekostet haben, denn Kwasniok wurde kurz darauf vom KSC gefeuert und erhielt eine Abfindung. „Die Zeit heilt Wunden“, sagt Kwasniok heute. „Mir ist es wichtig, dass ich in den Wildpark kommen und allen in die Augen schauen kann.“

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Erstellt:
5. Februar 2020, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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